Umweltschutz Die braune Spree soll blau werden

Eine Wasserbehandlungsanlage in Burgneudorf soll Spreewasser zu 90 Prozent reinigen. Ein erster Schritt, jedoch nur ein (Spree)Tropfen auf den heißen Stein. Bis das Wasser blau ist, wird es noch Jahre dauern.

Der Bau der ersten Reinigungsanlage für die Spree in Sachsen hat begonnen. Auf dem Gelände einer stillgelegten DDR-Grubenwasserreinigungsanlage in Burgneudorf entsteht bis Ende des Jahres eine Wasserbehandlungsanlage. Sie soll das eisenhaltige Grundwasser an einem Nebenarm der Spree mit einem Wirkungsgrad von 90 Prozent reinigen.

Das ist jedoch nur ein erster Schritt aus Sicht des bundeseigenen Sanierungsträgers, der Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbauverwaltungsgesellschaft (LMBV). Weil die Anlage nach Fertigstellung nur einen Teil des Wassers säubert, senkt sie die Eisenfracht in der gesamten Spree nur um zehn Prozent. Eine endgültige Lösung des sogenannten Verockerungsproblems ist noch nicht in Sicht.

Folge des DDR-Braunkohlebergbaus

Pyrite – Verbindungen aus Eisen und Schwefel – wurden in der Lausitz jahrzehntelang aus dem Boden geholt, um an die darunterliegende Braunkohle zu kommen. Dabei reagieren die Minerale mit Luftsauerstoff, wobei wasserlösliches Sulfat und Eisen entsteht. Genau diese Minerale wurden nach der Auskohlung oft wieder in den Boden gebracht, um die Tagebaue zu verschließen. Mit der Stilllegung vieler Gruben stieg das Grundwasser und spült nun Eisen und Sulfat aus den verfüllten Tagebaulöchern aus. Anschließend gelangen die Stoffe über Grundwasserströme in die Spree. Insbesondere die Eisenverbindungen sorgen für eine braune Färbung. An diesen Stellen gilt die Spree als biologisch tot.

Aktuelle Tagebau-Technologien verhindern dieses Problem, in dem Pyrite grundsätzlich über der künftigen Grundwasserlinie abgelagert werden. Doch für die Altlasten aus DDR-Tagen müssen Fachleute technische Lösungen finden. Ein nochmaliges Öffnen der alten Braunkohlegruben scheidet dabei aus.

Technische Lösung ist Symptombehandlung

"Bis die Erdmassen aus jahrzehntelanger Bergbautätigkeit frei von Eisen und Sulfiten sind, können 100 Jahre vergehen", erklärt LMBV-Sanierungsexperte Sven Radigk. Denn etwa dreimal müsse das Grundwasser die betroffenen Erdmassen durchspülen, bis sie wieder sauber sind. Sechs Tonnen Eisen und 18 Tonnen Schwefelverbindungen werden täglich in den sächsischen Teil der Spree gespült. Dies soll nun verhindert werden – 100 Jahre lang. Im Bereich der Spreewitzer Rinne versuchen die Experten, das braune Grundwasser abzupumpen, anschließend zu reinigen und dann wieder in die Spree und ihre Nebenarme zu leiten. Für die Reinigung  soll auch die neue Anlage in Burgneudorf sorgen. Ende 2017 soll sie in Betrieb gehen. Doch die insgesamt drei in Sachsen geplanten Anlagen werden nur ein Drittel der Eisenfracht aus der Spree eliminieren können. So das Fazit der LMBV. Größere Lösungen sind gefragt, da sind sich das Aktionsbündnis "Klare Spree" wie auch der Sanierungsträger einig.

Eisenschlämme verspülen als neuer Königsweg

Das schlimmste anzunehmende Szenario ist für alle Experten und Bewohner die Flutung des Spreewaldes mit dem eisenhaltigen braunen Wasser, in dem die Fische sterben. Mehr als 2.000 Tonnen Eisenfracht transportiert die Spree jedes Jahr von Sachsen in Richtung Brandenburg. Dort versucht man mit Saugbaggern die braunen Schlämme aus dem Fluss zu holen. Noch bezahlt dies der Bund. Künftig soll Brandenburg die Millionenkosten allein tragen, um die aus Sachsen kommende, braune Eisenfracht zu entsorgen. Streit um eine Kostenübernahme bahnt sich an. Denn bereits jetzt steigen die Entsorgungskosten, wegen des knapper werdenden Deponieraums. In etwa zehn Jahren sind die Deponien voll, schätzen Experten.

Eine neue Lösung muss her, um die Schlämme einzulagern. Darum strebt der Sanierungsträger LMBV eine Einleitung des braunen Wassers unter anderem in das Tagebaurestloch Spreetal an. Dort soll sich das Eisen am Grund absetzen. Anschließend kann das dann saubere Nass wieder in die Spree geleitet werden. Das Tagebau-Restloch biete genug Platz, so die LMBV, um die Schlämme 100 Jahre lang aufnehmen zu können. Aus Sicht des Sprechers des Aktionsbündnisses "Klare Spree", Winfried Böhmer, ein möglicher Weg, dem sich Umweltschützer wahrscheinlich nicht versperren werden. Denn dieses Gewässer in Sachsen sei ohnehin ein Bergbausee, in den seit Jahren Eisenschlämme durch bislang Vattenfall, nun die LEAG eingeleitet werden.

Umweltsanierung in der Lausitz bleibt Jahrhundertaufgabe

Die LMBV plant in den kommenden fünf Jahren rund 50 Millionen Euro ein, um die Spree teilweise wieder sauber zu bekommen. Für die Steuerzahler dürften die DDR-Altlasten jedoch noch fast 100 Jahre lang Millionen kosten, um den Spreewald am Unterlauf vor der Eisenfracht zu schützen. Wie sich die Kosten für den Betrieb der komplizierten Reinigungsanlagen und deren spätere technische Erneuerung entwickeln werden, darüber wollen Umweltfachleute nicht spekulieren. Teuer werde es auf alle Fälle.

Über dieses Thema berichtet MDR auch im Fernsehen: MDR SACHSENSPIEGEL | 14.04.2017 | 19:00 Uhr