05.09.2019 | 14:34 Uhr Verwaltungsrichter Dresden entscheiden über Kopfnoten in Zeugnissen

Kopfnoten
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Seit Donnerstagmorgen beschäftigt sich das Dresdner Verwaltungsgericht erneut mit dem Thema Kopfnoten in Schulzeugnissen. Wann das Urteil verkündet wird, steht noch nicht fest. Das Gericht muss abschließend klären, inwiefern Kopfnoten Rückschlüsse auf das Arbeits- und Sozialverhalten eines Schülers zulassen. Und es geht um die Frage, ob sich die Zensuren auf die freie Berufswahl auswirken.

Verwaltungsgericht: Ja, Kopfnoten behindern freie Berufswahl

Anlass ist die Klage eines Oberschülers. Er hatte sich mit seinem Zeugnis der 9. Klasse um eine Ausbildung beworben. Der Schüler wollte ein Zeugnis ohne Znesuren für Betragen, Fleiß, Mitarbeit und Ordnung ausgestellt haben. Der Fall landete vor Gericht. Die Dresdner Richter entschieden 2018, dass Kopfnoten sein Recht auf freie Berufswahl einschränken könnten.
Das Landesamt für Schule und Bildung beschwerte sich darüber. Aber das Dresdner Gericht war der Auffassung, dass für Kopfnoten die Rechtsgrundlage fehle. Im Sächsischen Schulgesetz würden diese vier Zensuren nicht in der Norm erwähnt. Per Rechtsverordnung des Kultusministeriums ließen sich solche Dinge nicht regeln. Dafür brauche es ein Landesgesetz, hieß es damals.

Oberverwaltungsgericht: Nein, Kopfnoten gehören aufs Zeugnis

Im Mai 2019 hatte das Sächsische Oberverwaltungsgericht in Bautzen die Noten für Betragen, Fleiß, Mitarbeit und Ordnung in Schulzeugnissen dagegen für zulässig erklärt. Damit gab das Gericht der Beschwerde des Landesamtes für Schule und Bildung recht und sprach sich gegen die ursprüngliche Entscheidung des Verwaltungsgerichts Dresdens aus. Nun müssen die Dresdner Verwaltungsrichter das Ganze endgültig klären.

Schüler und Ausbilder: Wozu denn Kopfnoten?

Der Streit um die Kopfnoten hatte in Sachsen eine breite Diskussion ausgelöst. Der Landesschülerrat verlangte auch die Abschaffung der Einschätzungen zu Betragen, Fleiß, Ordnung und Mitarbeit. "Diese Zensuren sind höchst subjektiv und geben ein verzerrtes Bild über Schüler wider", kritisierte Leonhard Kühlewind für den Landesschülerrat.
Die Industrie- und Handelskammer (IHK) in Dresden wunderte sich über die Debatte. "Kopfnoten diese Bedeutung beizumessen, ist nach unseren Erfahrungen weltfremd. Kopfnoten sind für Betriebe nicht das Wichtigste bei einer Bewerbung", meinte der IHK-Sprecher Lars Fiehler. Heutzutage würden Chefinnen und Chefs zuerst auf Fehltage in Zeugnissen achten. Danach stünden Fachnoten im Fokus, ob das Anschreiben ordentlich geschrieben wurde und ob der Bewerber Lust auf die Arbeit vermittle.

So diskutierten Politiker, MDR-Nutzer und Arbeitgeber das Thema:

Zu DDR-Zeiten hatten Kopfnoten diese Bedeutung:

Protagonisten aus "Kinder des Ostens" 1 min
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Quelle: MDR/kk/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 05.09.2019 | ab 16:00 Uhr in den Nachrichten

Zuletzt aktualisiert: 05. September 2019, 14:35 Uhr

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