Carsten Rentzing
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

20.10.2019 | 12:15 Uhr Nach Diskussion um rechte Texte von Bischof: Landeskirche gespalten

Er war in der evangelischen Kirche schon lange umstritten. Nach Kritik an Verbindungen zur Neuen Rechten hat der sächsische Landesbischof Rentzing seinen Rücktritt angeboten. Die folgende heftige Diskussion zeigt jetzt, wie zerrissen die Kirche ist. Am Montag entscheidet sie, ob sie dem Rücktritt zustimmt. Eine Analyse.

Carsten Rentzing
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Der von Carsten Rentzing angekündigte Rücktritt trifft die ohnehin zerrissene evangelische Landeskirche ins Mark - überraschend und schonungslos. Seit Jahren gibt es äußerst kontrovers geführte Diskussionen zwischen unterschiedlichen Glaubensströmungen, die auch regional festzumachen sind - auf der einen Seite die konservativen, bibel- und bekenntnisorientierten Christen im Erzgebirge und im Vogtland und im Gegensatz dazu die Liberalen in und um Leipzig und in weiteren großen Städten.

Gebraucht werden dort Führungspersönlichkeiten, die kontroverse Positionen moderieren und zusammenbringen. Rentzing wollte das, so erklärte er es jedenfalls. Bei seinem Amtsantritt sagte er, er wolle der Bischof aller Gemeindemitglieder sein. Auch in seiner Erklärung zum Rücktritt betonte er: Sein oberstes Ziel sei die Einheit der Kirche. Er habe die verschiedenen Positionen innerhalb der Landeskirche wieder einander näher bringen wollen. Am Ende räumte er sein Scheitern dabei ein: "Ich muss mit großem Bedauern feststellen, dass die aktuelle Diskussion um meine Person diesem Ziel schadet."

Rückzug des Bischofs könnte Chance für Kirche sein

Der Rückzug des Bischofs vom Amt verschärft die Situation und könnte zugleich eine Chance für die Kirche sein. Denn falls die Kirchenleitung am Montag dem Rücktritt Rentzings zustimmt - was zu erwarten ist - beginnt die Suche nach einem Nachfolger. Die Landeskirche muss dann zeigen, welche Konsequenzen sie aus dem Fall zieht.

Renzing hatte in rechtskonservativer Zeitschrift veröffentlicht

Der Weltanschauungsbeauftragte der sächsischen Landeskirche, Harald Lamprecht, schlägt vor, dass künftige Bischofsbewerber ihre Vereinsmitgliedschaften offenlegen. Von denjenigen, die sich für ein hohes Amt bewerben, sollten zumindest dem Wahlausschuss bestehende Engagements und eingegangene Verpflichtungen bekannt sein, sagte er dem epd. Rentzing hatte seine als Student eingegangene Mitgliedschaft in einer schlagenden Verbindung bei seiner Wahl 2015 verschwiegen. Nach vier Jahren im Amt wurde kürzlich zudem öffentlich, dass er zwischen 1989 und 1992 Texte für die rechtskonservative Zeitschrift "Fragmente" verfasst hat.

Kirchenleitung stufte Texte in Teilen als demokratiefeindlich ein

Nachdem sich die sächsische Kirchenleitung von Rentzing aufgrund der von ihr als "elitär, in Teilen nationalistisch und demokratiefeindlich" eingestuften Texten distanziert hatte, wurde die Spaltung der Kirche in Sachsen offensichtlich. Im Internet tauchte eine anonym verfasste Petition auf, die sich für den Verbleib des Bischofs im Amt einsetzt und von einer "Schmutzkampagne" gegen ihn spricht. Eingestellt ist der Text auf einer in Spanien gegründeten umstrittenen Plattform.

Getäuschte Biographie: Sind die Details wirklich Vergangenheit?

Lamprecht bezeichnete die Petition als "ein Manöver der Neuen Rechten", die vorhandene persönliche Sympathien für Bischof Rentzing und seine konservative Grundhaltung missbrauche. Dabei betonte er: Grund des angekündigten Rücktritts sei nicht, das der Bischof ein Konservativer ist, sondern dass er die Kirche über seine Biografie getäuscht habe. Das führe auch zu der Frage, inwieweit diese Details wirklich Vergangenheit für Rentzing seien.

Parteienbildung in der Kirche

Was die verschiedenen Positionen der Kirchenmitglieder angeht, unterscheide sich Sachsen nicht grundsätzlich von anderen Landeskirchen, sagte Lamprecht. Dieselbe Bandbreite an Meinungen sei auch an anderen Orten zu finden, etwa in Baden-Württemberg. Dort gebe es schon länger "fest organisierte Parteien innerhalb der Landeskirche, sogenannte Gesprächskreise". Auch in Sachsen zeichne sich zunehmend eine solche Parteienbildung ab. Die Gründung der "Sächsischen Bekenntnis-Initiative" habe diese Entwicklung forciert. Solche Initiativen verstellten aber "den Blick auf die Vielfalt der Wirklichkeit und der möglichen Positionen", sagte Lamprecht.

Wenden sich konservative Kirchenmitglieder ab?

Mit dem erwarteten Rücktritt besteht jetzt - wie schon während der jahrelangen Diskussion um die Homo-Ehe - die Gefahr, dass sich eine größere Zahl von konservativen Christen von der Landeskirche abwendet. Wer die Bibel ernst nimmt, "wird sich nicht leichtfertig von der Gemeinschaft der Christen lösen, sondern gemeinsam um die angemessene Gestalt der Kirche ringen", appellierte der Weltanschauungsbeauftragte. Dies brauche die Bereitschaft, aufeinander zu hören.

Welcher Nachfolger hilft der Kirche weiter?

Für die Landeskirche stellen sich nun existenzielle Fragen: Wie weiter? Falls Rentzing entbunden wird, welche Nachfolgerin oder welcher Nachfolger hilft der Kirche weiter? Was muss möglicherweise auch die Landessynode als gewähltes Organ leisten? Darüber wird nicht zuletzt auf der bevorstehenden Synodentagung im November in Dresden zu beraten sein.

Quelle: MDR/epd/ Katharina Rögner

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 14.10.2019 | 06:00 Uhr in den Nachrichten

Zuletzt aktualisiert: 20. Oktober 2019, 12:17 Uhr

8 Kommentare

gerd9955 vor 3 Wochen

Den Einfluss den diese Kirche, wenn sie auch nur 18% der Sachsen als Mitglieder zählt, im Land hat ist dennoch enorm und überproportional. Jedes Mitglied zahlt, vom Staat eingetrieben, Kirchensteuern. Durch Mitgliederschwund schwinden auch die Einnahmen dieses Vereins. Finanzielle Austrocknung ist das Gebot der Stunde, wer an Gott glauben möchte kann dies gewiss auch ohne Zwangssteuer und die dahinter stehende Kirche tun. Der Pfaffenfeindtaler von Christian von Braunschweig hatte schon im Jahre 1622 die richtige Aufschrift: "Des Gottes Freund, der Pfaffen Feind."

zenkimaus vor 3 Wochen

Laut einer Statistik vom Landesstatistik Amt waren nur noch ca. 18 % der Sachsen in der evangelischen Kirche. Ja die Zahlen sind leider von 2017. Also ist der grosse Teil schon längst ausgetreten. Wenn hier jemand neuere Zahlen hat bitte her damit und mit dem Link dazu

gerd9955 vor 3 Wochen

Die Gutmenschen waren wieder aktiv und nachdem der Bischof die Trauung von Schwulen und Lesben, zu recht, ablehnte begannen sie mit viel Fleiß in seiner Vergangenheit zu wühlen. Wenn man will, findet sich da immer etwas, mag es auch noch so banal sein und egal wie viele Jahre es zurückliegt wird er dann mit Hilfe der Medien, denen es schon lange nicht mehr um die Wahrheitsfindung geht, in die rechte Ecke gestellt, was in diesem Land gleichbedeutend mit Ächtung und Berufsverbot ist. Jeder der vom Rot- Grünen Meinungsdiktat abweicht muß, egal mit welchen Mitteln, parallelisiert werden. Ein jeder der dieser Art von Kirche jetzt noch die Stange hält macht sich Mitschuldig an deren Taten und Keiner kann später sagen er hätte von nichts gewusst. Aber gerade deshalb behält das alte Sprichwort seine Gültigkeit:" Der größte Lump in diesem Land das ist und bleibt der Denunziant." Man kann nur hoffen das dieser Kirche die Mitglieder den Rücken kehren und sich in Scharen abwenden.

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