02.06.2020 | 16:16 Uhr Gesundheitsamt in Dresden wirbt für Anerkennung von Sexarbeit

Rotes Sofa
Bildrechte: Gesundheitsamt Dresden

Das Gesundheitsamt in Dresden hat am heutigen Welt-Huren-Tag zu mehr Anerkennung von Sexarbeiterinnen und Sexarbeitern aufgerufen. In einer Pressemitteilung der Stadt heißt es dazu: "In diesem Jahr will dieser Gedenktag ein besonderes Zeichen setzen, denn die Corona-Krise trifft die Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter in ihrer Existenz schwer. Seit März sind Menschen dieser Berufsgruppe von einem Arbeitsverbot betroffen." Typische Arbeitsplätze wie Bordelle, Saunaclubs, Studios oder Apartmenthäuser sind weiterhin geschlossen und auch Selbstständigen ist das Arbeiten noch nicht erlaubt.

Aktion im Internet und zu Hause

Das Gesundheitsamt hat deshalb auf eine Aktion in den sozialen Netzwerken und zu Hause aufmerksam gemacht: Unter dem Hashtag #RotlichtAN sind unter anderem Sexarbeitende eingeladen, Flagge zu zeigen. Außerdem können Unterstützer rote Lampen als Zeichen der Solidarität ins Fenster stellen und Bilder davon in den sozialen Netzwerken veröffentlichen. Ziel der Aktion sei es, für die Gleichbehandlung mit anderen Branchen einzustehen und um echte Hilfen und Unterstützung zu werben. Die Initiative wurde vom Berufsverband für erotische und sexuelle Dienstleistungen (BesD e. V.) gemeinsam mit dem Bündnis der Fachberatungsstellen für Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter (Bufas e. V.) ins Leben gerufen.

Verbot von Sexarbeit immer wieder Forderung

Johanna Weber
Johanna Weber, BesD-Vorstandsmitglied Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

BesD-Vorstand Johanna Weber kritisiert vor allem, dass ihr Beruf längst nicht in der Normalität angekommen ist: "Es gibt immer dieses nebulöse Bild über der Beruf der Prostituierten. Wenn man anders auf den Beruf gucken könnte, könnten wir auch an den Problemen arbeiten, die es ja auch gibt. An diese Probleme kommen wir aber nicht heran, wenn wir alles verbieten wollen." Es gebe zwar schlechte Arbeitsbedingungen und Zwangsprostitution, die sind Weber zufolge aber nicht die Regel.

Angesichts der coronabedingten Schließung von Prostitutionsstätten forderte allerdings gerade erst eine Gruppe von Bundestagsabgeordneten von Union und SPD ein Sexkaufverbot und Ausstiegsprogramme für Prostituierte. Der in der Corona-Krise verhängte Shutdown für Prostitution dürfe nicht gelockert werden, forderten die Abgeordneten in einem Brief an die Regierungschefs der Länder. Die Linksfraktion in Sachsen spricht sich klar gegen ein Verbot aus:

Schätzungen kaum möglich

Wie viele Frauen und Männer in Sachsen im Bereich der Sexarbeit tätig sind, lässt sich nach Aussage des Berufsverbands für erotische und sexuelle Dienstleistungen nicht zuverlässig schätzen. Grund dafür ist dem Verband zufolge vor allem die Angst der Prostituierten vor gesellschaftlicher Ausgrenzung. Offiziell sind deutschlandweit rund 33.000 Sexarbeiter registriert und arbeiten somit legal.

Quelle: MDR/kp

Welt-Huren-Tag Anlässlich des Welt-Huren-Tags wird jährlich am 2. Juni einem Protest von Prostituierten in Lyon gedacht. Sie hatten 1975 eine Kirche besetzt, um auf ihre schlechten Lebens- und Arbeitsbedingungen hinzuweisen. Das Datum gilt heute als Ausgangspunkt der internationalen Bewegung für die Rechte von Sexarbeiterinnen und Sexarbeitern. Menschen, die in den vielfältigen Bereichen der sexuellen Dienstleistungsbranche tätig sind, leiden nach wie vor unter Strafmaßnahmen des Staates, kriminalisierender Gesetzgebung und gesellschaftlicher Ausgrenzung.

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