Vize-Landtagspräsident André Wendt (AfD) nimmt am Pegida-Spaziergang in Dresden teil. Dabei wird er unter anderem vom sächsischen AfD-Vorsitzenden Jörg Urban begleitet.
Bildrechte: Tino Plunert

11.10.2019 | 13:27 Uhr AfD-Landtagsvize Wendt distanziert sich von Pegida-Entgleisungen

Die Teilnahme von AfD-Landtagsvize André Wendt an einer Pegida-Demo ist auf Kritik gestoßen. Nun verurteilt er eine Bedrohung Andersdenkender und verlangt Konsequenzen. Ob er wieder zu Pegida geht, lässt er offen. Da müsse er erst "in sich gehen". Der auf der Veranstaltung bedrohte Grünen-Abgeordnete Thomas Löser bleibt kritisch.

Vize-Landtagspräsident André Wendt (AfD) nimmt am Pegida-Spaziergang in Dresden teil. Dabei wird er unter anderem vom sächsischen AfD-Vorsitzenden Jörg Urban begleitet.
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Der sächsische AfD-Abgeordnete André Wendt distanziert sich von Reden und Äußerungen bei einer Pegida-Demonstration in Dresden. In einer persönlichen Erklärung verurteilt er die Bedrohung Andersdenkender. "Morddrohungen, Aufrufe zur Gewalt, Verunglimpfungen oder gar körperliche Angriffe auf Andersdenkende dürfen keinen Platz in unserem Land haben", erklärte der Vizepräsident des Sächsischen Landtages. Sie müssten nicht nur verurteilt, sondern unterbunden werden. Wer gegen diese Grundsätze verstoße, müsse sich dafür verantworten. Wendt war selbst in die Kritik geraten, weil er an einer Pegida-Kundgebung am vergangenen Montag in Dresden teilnahm.

Wendt: "Von Entgleisungen nichts mitbekommen"

Auf Nachfrage von MDR SACHSEN sagte Wendt, er habe von den verbalen Entgleisungen von Pegida-Chef Lutz Bachmann und seinen Anhängern zunächst nichts mitbekommen, da er erst später zu der Demonstration gestoßen. Im Anschluss habe er sich Videos angeschaut und Berichte darüber gelesen. "Was dort geäußert wurde, geht gar nicht", so Wendt. "So eine Wortwahl habe ich bei Pegida noch nie erlebt." Darauf angesprochen, dass es bereits wiederholt zu ähnlichen Entgleisungen kam, sagte Wendt, dies sei ihm entgangen.

Auf die Frage, ob er noch einmal an einer Pegida-Demonstration teilnehmen werde, konnte er keine eindeutige Antwort geben. Dies habe er sich noch nicht überlegt. Grundsätzlich wolle er mit allen Seiten reden und habe auch schon Gegen-Demonstrationen besucht, um sich ein Bild zu machen.

André Wendt (AfD)
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Wenn ich noch einmal zu Pegida gehen sollte, würde ich die Dinge ansprechen und klar zum Ausdruck bringen, dass solche Äußerungen nicht mit einer demokratischen Protestkultur vereinbar sind.

André Wendt Landtagsvizepräsident in Sachsen

Polizei ermittelt wegen Volksverhetzung

Lutz Bachmann bei der Pegida Kundgebung am 7. Oktober 2019 in Dresden.
Lutz Bachmann am 7. Oktober in Dresden Bildrechte: Tino Plunert

Der mehrfach vorbestrafte Bachmann hatte bei der Pegida-Veranstaltung Vertreter von Linken, Grünen und Gewerkschaften unter anderem "Volksfeinde" und "miese Maden" bezeichnet, die man in einen Graben tun und zuschütten müsse. Als in einer anderen Rede der Name des Grünen-Politikers Thomas Löser fiel, rief ein Teil der Menge "Aufhängen!". Löser ist Landtagsabgeordneter. Die Polizei ermittelt wegen Volksverhetzung und Anstiftung zu einer Straftat.

In einer ersten Reaktion hatte die AfD die Pegida-Demo als "friedliche und bürgerliche Demonstration" bezeichnet, an der Wendt als Privatperson und nicht als Landtagsvizepräsident teilnahm. Nun hieß es, dass Wendt das Demonstrationsgeschehen eingehend geprüft habe und alle Seiten zur Mäßigung aufrufe. Zugleich stellte er sich schützend auch vor Löser.

Löser: "Erklärung Wendt´s unglaubwürdig"

Der Abgeordnete reagierte prompt: "Ich nehme die öffentliche Äußerung des Landtagsvizepräsidenten Wendt zu Kenntnis. Dass er sich damit auch schützend vor meine Person stellen will, finde ich menschlich respektabel", sagte Löser. Doch solange Wendt mit Leuten wie Björn Höcke und Alexander Gauland in einer Partei sei, "bleibt diese Erklärung für mich völlig unglaubwürdig". Nach den Worten von Löser hat Wendt in der vergangenen Wahlperiode nicht davor zurückgeschreckt, "Menschen gegen Menschen aufzuhetzen":

Thomas Löser (B90/GRÜNE)
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Er schürte offen Hass gegen Migranten und beschwor die Gefahr einer rechtswidrigen Flutung Europas mit Millionen Menschen, die er mehrheitlich als Analphabeten, Kriminelle, Messerstecher, Islamisten oder Antisemiten diffamierte. Zudem duldete er menschenverachtende Kommentare auf seinen Internetangeboten.

Thomas Löser Abgeordneter der Grünen im Landtag

Quelle: MDR/kb/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 11.10.2019 | 14:00 Uhr in den Nachrichten

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Zuletzt aktualisiert: 11. Oktober 2019, 13:27 Uhr

15 Kommentare

Udo vor 8 Wochen

Soll das Satire sein?
Als könnten die Guten irgendwas sachlich und objektiv betrachten, was nicht ihrer Ideologie entspricht.
Egal, was von Seiten der AfD geäußert wird, es wird stets hartnäckig als falsch deklariert.

GenervterZugezogener vor 8 Wochen

Die AfD-Anhänger werden wieder sagen, daß Wendt hoch anständig und zutiefst demokratisch gehandelt hat, aber wer die Sache objektiv und sachlich betrachtet, kann es eigentlich nur lächerlich finden, wie jetzt wieder versucht wird sich rauszuwinden.

DER Beobachter vor 8 Wochen

"So eine Wortwahl habe ich bei Pegida noch nie erlebt." Aus dieser Aussage ist zu schließen, dass Wendt öfter bei Pegida war. Ob er da nur schlecht zugehört hat oder noch dümmer ist, als er sich im Landtag zeigt oder hier nur einen Rückzieher macht, weiß ich nicht. Jedenfalls ist das, was B. am Montag rausgehauen hat, nichts besonderes. Das tut der immer. Und bei der Gelegenheit: Taufkirch und Daebritz sind aus demn gleichen Holz.

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