Grüne fordern Umdenken Landtag debattiert über Artensterben in Sachsen

Deutschland sterben die Insekten weg. Die meisten Gefahren für Bienen und Co. sind menschengemacht. Wer das große Insektensterben noch aufhalten will, muss sich gegen die industrielle Landwirtschaft mit monotonen Agrarwüsten und Chemiekeulen einsetzen, sagen Umweltschützer. Sachsens Umweltminister hingegen verbittet sich pauschale Verurteilungen der konventionellen Landwirtschaft. Aber was tun, damit nicht noch mehr Arten aussterben? Darüber hat der Sächsische Landtag debattiert.

Weißfleckige Trauerbiene, 2004
Noch summt sie über Sachsens Blumen und Blüten herum. Doch mehrere Bienenarten sind vom Aussterben bedroht, ebenso wie viele Insektenarten, die hierzulande immer weniger Platz und Nahrung zum Leben finden. Bildrechte: IMAGO

Sachsen Umweltminister Thomas Schmidt hat eine sachliche Debatte verlangt zum Arten- und Insektensterben. Über genau das Thema und die Frage "Wann folgt auf Wissen auch in Sachsen endlich Handeln?", hat der Sächsische Landtag am Mittwoch in der Aktuellen Stunde diskutiert, die die Grünen-Fraktion angeregt hatte. Umweltminister Schmidt und der SPD-Landwirtschaftsexperte Volkmar Winkler wiesen pauschale Vorwürfe gegen die Landwirtschaft als vermeintliche Verursacherin für einen Artenrückgang zurück. "Schlagworte wie Insekten- oder Waldsterben mögen zwar kurzfristige Aufmerksamkeit bringen. Wir sollten die Debatte aber versachlichen und Lösungsansätze aufzeigen", sagte Schmidt.

Grüne werfen Landesregierung Untätigkeit vor

Genau die konnte der Grünen-Abgeordnete Wolfram Günther nicht erkennen. Er kritisierte die Haltung der Koalition und Staatsregierung, die das Problem des Artensterbens nicht ernst nehmen würden. "Am fehlenden Wissen kann es nicht liegen. Die Roten Listen Sachsen werden vom Umweltministerium (SMUL) geführt", sagte Günther. "Mit dem derzeitigen Rückgang erreichen wir langsam die kritische Situation, dass sich bestimmte Arten nicht mehr erholen werden. Es sollte uns mehr als nur beunruhigen, wenn mit dem Insektensterben das Fundament unserer Nahrungskette sich gerade droht aufzulösen", sagte Günther.

CDU-Minister wehrt Kritik ab

Die Kritik ließ Umweltminister Schmidt nicht auf sich sitzen. Er nannte die Ausweisung und das Management von Schutzgebieten, Artenschutzprogramme und Förderungen. "Gegenüber der letzten Förderperiode ist der Umfang der Flächen, die besonders insektenfreundlich bewirtschaftet werden, auf das Zwölffache gestiegen. Fast die Hälfte der landwirtschaftlichen Betriebe bewirtschaftet ihre Flächen nach Vorgaben, die besonders auf den Umwelt- oder Klimaschutz ausgerichtet sind", erklärte Schmidt. Außerdem seien zahlreiche Programme und Projekte auf einzelne Arten wie Biber, Kreuzkröte oder Wachtelkönig ausgerichtet. Seit Ende 2015 bestehe mit dem Sächsischen Landesverband der Landschaftspflegeverbände eine Kooperationsvereinbarung, mit der jedes Jahr 300 bis 400 Projekte durchgeführt würden. Schmidts Fazit: "Es ist geradezu eine Ohrfeige für engagierte Bürger und Vereine, hier von einer 'Blockade' zu sprechen und den Eindruck zu vermitteln, in Sachsen tue sich im Artenschutz nichts."

Linke wollen kleinteiligere Landwirtschaft fördern

Schnelle Änderungen seien nicht zu erwarten, weil die EU den Agrarbereich lenke, sagte die umweltpolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke, Jana Pinka. Die aktuelle Förderperiode laufe noch bis zum Jahr 2020. Trotzdem könne man konkret handeln. So sollten die Ökologischen Vorrangflächen (ÖFV) aufgewertet werden. Förderungen sollte es nur für die Flächen geben, auf denen eindeutig ein Mehrwert für Naturschutz erbracht wird. "Öffentliches Geld sollte es wirklich nur für öffentliche Leistungen geben", betonte Pinka. Auch sollte es künftig schwerer werden, Grünland für andere Zwecke umzunutzen.

Ökologische Vorrangflächen? Betriebe mit mehr als 15 Hektar Ackerfläche sind seit 2015 dazu verpflichtet, fünf Prozent ihrer Ackerfläche als ökologische Vorrangflächen (ÖVF) vorzuhalten.
Der Landwirt kann Zwischenfrüchte anbauen, das Land mit Hecken und Bäumen aufforsten, Flächen stilllegen oder Feldraine und Wiesenstreifen anlegen. Dafür bekommt er fördermittel von der EU. Diese Maßnahmen sollen zu mehr Artenvielfalt beitragen.
Das Bundesamt für Naturschutz geht aber davon aus, dass auf 80 Prozent der Ökologischen Vorrangflächen in Deutschland kaum Maßnahmen durchgeführt werden, die wirklich zur Artenvielfalt beitragen.

Quelle: MDR/kk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 25.04.2018 | ab 10:00 Uhr auf DAB+

Zuletzt aktualisiert: 25. April 2018, 18:41 Uhr

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