Porzellan war 2,6 Millionen Euro wert Unland verteidigt "Polterabend" in Meißen

Im Streit um die Zerstörung von Altbeständen in der Porzellanmanufaktur Meissen hat sich Sachsens Finanzminister Georg Unland am Mittwoch erstmals umfassend geäußert. Den Wert des zerschlagenen Porzellans bezifferte er im Haushaltsausschuss des Landtages auf rund 2,6 Millionen Euro. Dabei handele es sich allerdings um den ursprünglichen Herstellerwert, betonte der Minister. "Die Porzellane lagerten teilweise mehr als 20 Jahre und fanden auch mit massiven Nachlässen keine Käufer", sagte Unland.

Verkauf an Gastronomen abgebrochen

Der Aufsichtsrat habe im Vorfeld der Aktion alle rechtlich und finanziell vertretbaren Lösungen geprüft. Offenbar habe es keine andere Möglichkeit gegeben. Es habe auch Verkäufe zu Sonderkonditionen an Gastronomen gegeben. Diese hätten aber wieder gestoppt werden müssen, weil Ware anschließend im Internet-Handel weiterveräußert worden sei.

Die Manufaktur durchlaufe einen schwierigen Umstrukturierungsprozess, fuhr der Minister fort. Dabei müssten betriebswirtschaftliche Weichenstellungen vorgenommen werden, um die 300 Jahre alte Tradition zu erhalten. Alle Verantwortlichen handelten "sensibel und mit Bewusstsein für die dreihundertjährige Tradition dieses sächsischen Kulturgutes".

Linken wollen Äußerungen prüfen

Der Linken-Abgeordnete Klaus Bartl kritisierte die Äußerungen Unlands unterdessen als "nicht überzeugend". Seine Partei werden die Antworten prüfen, erklärte Bartl. Die Linken hatten Aufklärung über den sogenannten Polterabend gefordert. Anfang des Jahres drohten sie mit einer Klage vor dem Verfassungsgerichtshof. Sie hatten dem Finanzministerium vorgeworfen, parlamentarische Anfragen nicht ausreichend beantwortet zu haben. Unland sagte am Mittwoch, Grund dafür sei der Jahresabschluss gewesen, der erst seit kurzem vorliege.

Ursprünglich sollten im Ausschuss auch Vertreter des Unternehmens gehört werden. Allerdings bat die Firmenspitze, wegen eines schwebenden Verfahrens davon abzusehen. Das Bundeskartellamt ermittelt gegen mehrere Porzellanmanufakturen, darunter auch die in Meißen, wegen illegaler Preisabsprachen und Marktaufteilungen.

Anwohner riefen die Polizei

Im Oktober 2010 hatte die Manufaktur auf dem eigenen Firmengelände Altbestände an Porzellanen vernichtet. Anwohner waren durch die Geräusche aufmerksam geworden und hatten die Polizei gerufen. Mitarbeiter des Unternehmens sollen Medienberichten zufolge den Beamten zunächst erklärt haben, es handle sich um einen Polterabend.

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