Bilanz Breslau-Verbindung bleibt Sorgenkind der Bahn

Die Deutsche Bahn wird auf absehbare Zeit die früheren Fernverkehrszüge von Dresden ins polnische Breslau (Wroclaw) nicht wiederbeleben. Reisende müssen sich wie bisher mit Regionaltriebwagen begnügen, die häufiger halten und deshalb auch langsamer sind. Klaus-Dieter Martini, Sprecher des Verkehrsbetriebes Südostsachsen, sagte, auch wenn der grenzüberschreitende Verkehr in den vergangenen Jahren erheblich zugenommen habe, lohne sich ein Fernverkehr momentan nicht.

Für rentablen Fernverkehr fehlen täglich 300 Reisende

Regionalzug der Deutschen Bahn/Bildtext: Ein deutscher Regionalzug aus Dresden hat Wroclaw erreicht.
Ein Regionalzug der Deutschen Bahn in Breslau. Bildrechte: Lars Müller/MDR

Gegenwärtig sitzen in den Regionalzügen von Dresden nach Breslau grenzüberschreitend im Schnitt nur 31 Passagiere pro Zug, 350 bis 400 müssten es für einen rentablen Betrieb sein. Die fehlende Elektrifizierung der Strecke von Dresden nach Görlitz gilt als weiteres Hindernis. Die Regionalverbindung steht seit geraumer Zeit immer wieder auf der Kippe, derzeit ist der Verkehr auf polnischer Seite auch nur bis Mai gesichert. Auf deutscher Seite sind die Züge von Verkehrsverbünden bezahlt und in den Takt der Linie Dresden-Görlitz integriert. Auf polnischer Seite mietet die dortige regionale Staatsbahntochter die deutschen Züge und fährt sie mit eigenem Personal bis Breslau. Die Deutsche Bahn bemängelt wiederholt die Zahlungsmoral der polnischen Bahn und würde sich einen anderen Kooperationspartner wünschen. In Polen sind ebenfalls private Bahnunternehmen zugelassen, auch die Deutsche Bahn betreibt im Güterverkehr ein polnisches Tochterunternehmen.

Insgesamt mehr Reisende nach Tschechien

Martini attestierte der DB Regio in Sachsen ein erfolgreiches Jahr 2012. Durchschnittlich 112.830 Fahrgäste nutzten jeden Tag die Angebote, 3,7 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Laut Statistik legte jeder Sachse im vergangenen Jahr eine Strecke von 304 Kilometern mit der Bahn zurück (2011: 295). Im grenzüberschreitenden Verkehr nach Tschechien seien 2012 knapp 30 Prozent mehr Fahrgäste gezählt worden im Vergleich zum Vorjahr. Besonders gut genutzt wird demnach der Elbe-Labe-Sprinter zwischen Bad Schandau und Tetschen-Bodenbach (Decin). Auf der Strecke Zittau-Reichenberg (Liberec) habe es hingegen einen Fahrgasteinbruch gegeben, weil die Strecke zeitweise wegen der Sanierung einer Brücke über die Mandau gesperrt war.

Zuletzt aktualisiert: 16. April 2013, 15:09 Uhr

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5 Kommentare

18.04.2013 09:42 Burkhard Pohl 5

Also man sollte die Sache richtig gewichten: Die Linie gibt es erst seit März 2009. Im ersten vollen Betriebsjahr waren es nach DB-Angaben grenzüberschreitend 46.000 Reisende pro Jahr, im Tagesmittel also 120 bis 130 und bei 3 Zugpaaren pro Tag im Mittel mindestens 20 Fahrgäste pro Zug. Wenn nun 31 Fahrgäste im Schnitt angegeben werden, so liegt die Nutzung um satte 50 Prozent über dem Anfangsniveau. Das ist doch eine ganz beachtliche Steigerung für so ein junges Produkt. Das dies noch nicht fernverkehrsreif ist, liegt auf der Hand, aber auch die Strecke ist auf deutscher Seite noch nicht fernverkehrstauglich ausgebaut.

17.04.2013 21:38 Enrico Pelocke 4

@Sächsist: Die 642er stammen nicht von der Reichsbahn. Die IR sind völlig modernisierte Wagen, nur der Wagenboden und das Dach stammen von der DR. Seit ca 1993/94 werden im Regionalverkehr Dresden - Görlitz/Zittau modernisierte Wagen eingesetzt, seit 2001/02 Neubautriebwagen. @Christian Fischer: 400 Fahrgäste sind für eigenwirtschaftliche Fernverkehrszüge gefordert, die sich nur aus den Fahrgelerlösen tragen sollen. Die haben dann natürlich mehr Wagen. Fernzüge unter 6 Wagen gibt es kaum. Ich sah die Polenzüge noch nie mit Überbesetzung.

17.04.2013 11:13 Sächsist 3

Ach ja das alte Agument der Bahn. Zu wenig Fahrgäste. Die Bahn sollte sich mal die Frage nach dem warum stellen. Sicher, auf nach Urin stinkenden und vergammelten Bahnhöfen möchte keiner stehen, mit uralt Zügen die noch von der Reichsbahn stammen möchte keiner fahren. Ich kann mich noch an den IR nach Rostock erinnern. Eingestellt weil zu wenig Fahrgäste. Dann kam eine Privatbahn und die Strecke ist hoch lukrativ. Warum? Moderne und saubere Züge , freundliches Personal, guter Preis.

16.04.2013 21:37 Enrico Pelocke 2

In Deutschland hielten diese Züge vor Integration in die RE-Linie 1 seltener als die früheren Schnellzüge /InterRegios: Der Halt in Löbau fiel weg. Seit Eineziehung in die RE1 halten sie in Bischofswerda, Arnsdorf, Radeberg, KLotzsche, Mitte, wo die Schnellzüge nicht hielten, sind aber trotzdem schneller als zu DDR-Zeiten.

16.04.2013 17:44 Christian Fischer 1

Also, man kann zwar 350 bis 400 Fahrgäste fordern, aber dann müssten viele auf dem Dach mitfahren. Ich bin zuletzt am Freitag, 12.4., 9.12 Uhr ab Bautzen mit diesem Zug nach Dresden gefahren. 1 Triebwageneinheit (110 Sitzplätze und 110 Stehplätze), alle Sitzplätze in der 2.Klasse waren belegt, mindestens die Hälfte der Fahrgäste kamen aus Polen. Das Problem sind die unbequemen Siemens-Nahverkehrstriebwagen. Immerhin ist die Strecke von Dresden nach Wroclaw 272 km lang, Fahrzeit 3h 27min, was einen guten Schnitt von 76 km/h ergibt. Aber 3,5 Std. ohne Imbissversorgung auf unbequemen Sitzen...