Katastrophenhilfe Weitere Bewährungsprobe für neue Befehlsstellen in Sächsischer Schweiz

In kritischen Situationen wie Hochwasser oder heftigem Unwetter ist schnelle Hilfe gefragt. Diese muss effektiv und gezielt organisiert werden. Um in solchen Fällen einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten, wurden im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge sogenannte ortsfeste Befehlsstellen eingerichtet. Beim Sturmtief "Friederike" am Donnerstag waren sie das erste Mal im (richtigen) Einsatz.

Unterleitstelle des Landratsamtes Pirna beim Einsatz während des Sturmtiefs Friederike
Im Landratsamt in Pirna kam die Koordinierungsgruppe des Landkreises zusammen. Hier laufen die Fäden zusammen, wenn zum Beispiel Straßen gesperrt oder Schulen geschlossen werden müssen. Sie behält sozusagen den Überblick über die Lage im gesamten Landkreis. Bildrechte: MDR/Daniel Förster

Das Sturmtief "Friederike", das am Donnerstag übers Land gezogen ist, hat auch im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge (SSOE) seine Spuren hinterlassen. Wie aus der Bilanz des Landratsamtes in Pirna hervorgeht, waren rund 1.000 Rettungskräfte im Einsatz. Viele der rund 300 Einsätze wurden dieses Mal aber nicht - wie bisher - von der zentralen Leitstelle in Dresden koordiniert. Erstmals waren dafür - nach einer Art probelauf bei den Herbststürmen - sogenannte ortsfeste Befehlsstellen zuständig.

Landrat Michael Geisler zog im Anschluss eine zufriedene Bilanz: "Bei uns funktionieren die ortsfesten Befehlsstellen gut. Das neue System läuft, wie der Ernstfall 'Friederike' gezeigt hat."

Pirna ist Vorreiter für Befehlsleitstellen

Weil es in den fünf sächsischen Hauptleitstellen in Dresden, Leipzig, Chemnitz, Hoyerswerda und Zwickau in Katastrophenfällen häufig zu einer Überlastung kommt, sollen die Befehlsstellen Abhilfe schaffen. Vorreiter ist der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, der mit seinen Gemeinden im Dezember die ersten beiden ortsfesten Befehlsleitstellen regulär in die Leitstelle in Dresden integriert hat. Bei "Friederike" waren 14 der 15 geplanten Leitstellen in Betrieb.

Ihre Arbeitsweise funktioniert so:
Die Notrufe aus dem Landkreis SSOE kommen zunächst weiterhin in der zentralen Leitstelle in Dresden an. Dort werden die Einsätze sortiert: In Einsätze, bei denen Gefahr im Verzug ist und in Einsätze, die später abgearbeitet werden können. Im ersten Fall nimmt die Leitstelle direkt mit den jeweiligen Einsatzkräften wie Feuerwehr, Polizei oder Rettungsdienst Kontakt auf und koordiniert sie. Im zweiten Fall werden die zuständigen ortsfesten Befehlsstellen informiert, die dann selbstständig die Einsätze priorisieren und koordinieren. Der Vorteil: Im Katastrophenfall könne die Einsätze schneller geplant und durchgeführt werden, da die Einsatzleiter einen besseren Überblick über die Lage in ihrere Region haben.

Warnapp Biwapp im Einsatz

Unterleitstelle des Landratsamtes Pirna beim Einsatz während des Sturmtiefs Friederike
Nachdem für den Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge orkanartige Böen mit Windgeschwindigkeiten bis zu 110 km/h vorhergesagt wurden, trat um 16 Uhr der Koordinierungsstab zusammen. Bildrechte: MDR/Daniel Förster

Die erste Bewährungsprobe für die neuen Leitstellen im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge lief - im Vergleich zu den Katastrophenlagen bei den Hochwassern 2002 und 2013 - relativ entspannt ab. Bis 18 Uhr waren alle zehn Befehlsstellen startklar, um die Schäden von Sturmtief "Friederike" zu beseitigen, um 22:30 Uhr meldeten sie sich wieder ab. In den viereinhalb Stunden kümmerten sich die Einsatzkräfte um geknickte Baumstämme, lose Dachziegel, umgekippte Bauzäune und abgerissene Stromleitungen. Um die Einwohner über die Unwetterlage zu informieren, setzte der Landkreis auf seine neue Warnapp Biwapp sowie Facebook und die Internetseite der Stadt.

Quelle: MDR/dk/jok/Daniel Förster

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 19.01.2018 | Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden | 07:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Januar 2018, 21:49 Uhr

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