09.03.2020 | 17:46 Uhr Erste Kliniken in Sachsen richten Corona-Ambulanzen ein

Das Dresdner Universitätsklinikum hat am Montag eine Corona-Ambulanz eröffnet, in Leipzig gibt es bereits seit vergangener Woche zwei ähnliche Einrichtungen. Auch andere Kliniken im Freistaat beobachten die Entwicklung und bereiten sich vor.

Eingang Corona Ambulanz
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das Dresdner Universitätsklinikum hat am Montag angesichts der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus eine Infektionsambulanz eingerichtet. Hier werden Patienten untersucht, bei denen ein begründetes Risiko einer Infektion mit dem Coronavirus besteht. Die am Vormittag eröffnete Ambulanz befindet sich in einem separaten Gebäude und verfügt über mehrere Warte- und Isolationsbereiche sowie zwei Untersuchungsräume. Das Gebäude auf dem Campus der Uniklinik stand zuletzt teilweise leer und wurde in den vergangenen Tagen hergerichtet.

Eine auf Infektiologie spezialisierte Ärztin soll in der neu eingerichteten Ambulanz künftig Patienten untersuchen, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben könnten. Bei Bedarf könne auch Personal aufgestockt werden, sagte Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand des Dresdner Uniklinikums. "Wir hoffen, dass wir mit dieser Ambulanz einen Beitrag dafür leisten, das Infektionsrisiko für das medizinische Personal des Uniklinikums und damit auch der hier behandelten Patienten deutlich zu senken", sagte Albrecht weiter.

Die Bündelung der Ressourcen an einem zentralen Anlaufpunkt habe zudem den Effekt, "medizinische Schutzausrüstung so gezielt wie möglich einsetzen zu können und damit die Versorgungslage zu entspannen". Gleichzeitig, betonte Albrecht, könne die Ambulanz auch Hilfe für Kolleginnen und Kollegen sein: Niedergelassene Ärzte hätten die Möglichkeit, bei Fragen zu Patienten, die sich mit Symptomen des Coronavirus bei ihnen vorstellen, direkt die Infektionsambulanz zu konsultieren.

"Diese Lösung wird der ernsten Situation gerecht, die wir mittlerweile auch in Sachsen haben", sagte Gesundheitsministerin Petra Köpping bei einem Besuch vor Ort in Dresden.

Zwei Corona-Ambulanzen auch in Leipzig

In Leipzig gibt es bereits seit vergangener Woche zwei ähnliche Einrichtungen. Das Klinikum St. Georg hat am vergangenen Dienstag eine eigene Ambulanz eingerichtet. Dafür seien ebenfalls zeitweise nicht genutzte Räume reaktiviert worden, sagte Sprecherin Manuela Powollik MDR SACHSEN. Die dienten zum einen dazu, die Patientenströme zu entzerren. "Es ist besser, es gibt eine eigene Anlaufstelle, als dass Patienten mit Corona-Verdacht in der Notaufnahme stehen." Zum anderen seien die Räume in unmittelbarer Nähe zum Labor des Klinikums - Tests könnten dann schnell durchgeführt werden.

In der vergangenen Woche habe das Labor bereits "etliche" dieser Test bearbeitet. Und offenbar rechnet man am Klinikum St. Georg damit, dass es auch in den kommenden Tagen und Wochen viel Arbeit für die Corona-Ambulanz geben wird. Die Kapazitäten, so Powollik, könnten jederzeit hochgefahren werden.

Auch das Leipziger Universitätsklinikum hat nach Angaben von Sprecherin Helena Reinhardt "ähnliche Strukturen" geschaffen. Auch hier gebe es separate Räume, um "Patienten mit begründetem Verdacht" auf eine Corona-Infektion zu untersuchen und Tests durchzuführen. Allein am heutigen Montag seien dort acht Patienten untersucht worden, sagte Reinhardt MDR SACHSEN.

Andere Kliniken bereiten sich vor

Die Maßnahmen hängen unmittelbar mit der Verbreitung des Coronavirus im Freistaat zusammen. In Kreisen, in denen es noch keine bestätigten Verdachtsfälle gibt, halten sich die Kliniken mit der Einrichtung von speziellen Ambulanzen noch zurück. "Wir haben alle Vorbereitungen getroffen", betonte Cathleen Schubert, Sprecherin des Heinrich-Braun-Klinikums in Zwickau. Bislang sehe man aber "noch keine Notwendigkeit", eine eigene Ambulanz einzurichten. Ähnlich ist die Situation in Zittau, am Klinikum Oberlausitzer Bergland. Bislang gebe es in der Region noch keine bestätigten Fälle, sagte Sprecherin Jana-Cordelia Petzold.

Und im Städtischen Klinikum Görlitz werden Patienten mit Aushängen auf Deutsch und auf Polnisch gebeten, sich bei einem Corona-Verdacht nicht in die Notaufnahme zu setzen, sondern sich vorher telefonisch zu melden oder direkt das Personal anzusprechen. Man habe für schwere Erkrankungsfälle "geeignete Behandlungszimmer und Maßnahmen" vorbereitet, so Sprecherin Katja Pietsch.

Quelle: MDR/rad

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR Sachsenspiegel | 09.03.2020 | 19:00 Uhr

Mehr aus der Region Dresden

Mehr aus Sachsen