Eine Beamerprojektion auf dem Boden markiert die Standpunkte der anderen Ensemblemitglieder. Farbe, Form und Symbole der Projektionsflächen signalisieren die Interaktionen der anderen Tänzer.
Eine Beamerprojektion auf dem Boden markiert die Standpunkte der anderen Ensemblemitglieder. Farbe, Form und Symbole der Projektionsflächen signalisieren die Interaktionen der anderen Tänzer. Bildrechte: Abbildung: Paul Judt

Sächsischen Staatspreis für Design Mit Gürtel und Vibration zum perfekten Tanz

Es klingt wie ein Märchen. Einfach einen Gürtel umschnallen und perfekt tanzen können. Mit einem vibrierenden Tanzgürtel haben zwei Studierende der TU Dresden den sächsischen Designpreis gewonnen. Der Clou: ein System aus Gürtel, Armbändern und einer App ermöglicht per taktilem Internet ein Training in Rekordzeit.

Eine Beamerprojektion auf dem Boden markiert die Standpunkte der anderen Ensemblemitglieder. Farbe, Form und Symbole der Projektionsflächen signalisieren die Interaktionen der anderen Tänzer.
Eine Beamerprojektion auf dem Boden markiert die Standpunkte der anderen Ensemblemitglieder. Farbe, Form und Symbole der Projektionsflächen signalisieren die Interaktionen der anderen Tänzer. Bildrechte: Abbildung: Paul Judt

Einfach einen Gürtel anlegen, sich äußeren Kräften hingeben und auf einmal die schönsten und schwersten Tänze aller Zeit als perfekte Kür tanzen können. Was wie ein Traum wirkt, könnte schon bald für viele Profitänzer wahr werden. Denn zwei Studierende der TU Dresden haben sich für das Tanztraining der Zukunft ein spezielles technisches System ausgedacht. Für das "Modern Replacement" bekamen Lenard Opeskin und Paul Judt jetzt den Sächsischen Staatspreis für Design in der Kategorie Nachwuchs-Produktdesign im Konsumgüter-Bereich verliehen. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert.

Gürtel zieht Körper in richtige Position

Ein Vibrationsgürtel, zwei Armbänder, eine App und zwei Beamer - mehr braucht es laut TU künftig nicht mehr, wenn Tänzerinnen und Tänzer in sehr kurzer Zeit eine Choreographie lernen müssen. Während die App die Choreographie Schritt für Schritt nachvollziehbar macht, greift der Gürtel direkt in den Tanz ein. Mit acht Vibrationsmotoren und zwei Armbändern signalisiert er in Echtzeit die Tanzrichtung und zieht den Körper förmlich in die richtige Position. Ein Beamer wirft in einer Visualisierung die Positionen und den Rhythmus der anderen Ensemblemitglieder auf den Boden und hilft so bei der räumlichen Orientierung. "Modern Replacment ist eine Anwendung des taktilen Internets, da es neben dem visuellen Feedback eben auch haptisches Feedback in Echtzeit überträgt", erklärt ein Sprecher TU.

System erleichtert isoliertes Lernen

Doch warum haben es die Tänzer überhaupt so eilig? Wenn Originalbesetzungen kurzfristig ausfallen, müssen sie ersetzt werden. Die neuen Tänzer stehen dann vor der Herausforderung, komplizierte Rhythmen und Bewegungsabfolgen innerhalb kürzester Zeit zu erlernen - oft räumlich getrennt vom Ensemble und der Choreographin. "Das isolierte Lernen ist anstrengend, langwierig und oft nur bedingt erfolgreich. Die impulsbasierte Technik gestaltet den isolierten Lernprozess einer Choreographie im Modernen Tanz wesentlich schneller, effektiv und sicher", sagte der TU-Sprecher.

Die Jury lobte das System "Modern Replacement" als "technisch funktionierendes, formal eigenständiges und elegant umgesetztes Cyber-Psychisches System, das neue Anwendungsgebiete erschließt und hervorragend auf die kognitiven und physischen Voraussetzungen und Bedürfnisse der Nutzer angepasst ist." Das System wurde als Teamarbeit von jeweils zwei Studierenden des Maschinenbaus und der Medieninformatik an der TU-Professur für Technisches Design in Kooperation mit der Mediengestaltung und dem Festspielhaus Hellerau entwickelt.

Das technische System MODERN REPLACEMENT gibt über einen Gürtel taktile Vibrationssignale, die anzeigen, in welche Richtung die Bewegung des Tänzers fortgesetzt werden soll. Eine Beamerprojektion auf dem Boden markiert die Standpunkte der anderen Ensemblemitglieder. Farbe, Form und Symbole der Projektionsflächen signalisieren die Interaktionen der anderen Tänzer.
Das technische System "Modern Replacement" gibt über einen Gürtel taktile Vibrationssignale, die anzeigen, in welche Richtung die Bewegung des Tänzers fortgesetzt werden soll. Eine Beamerprojektion auf dem Boden markiert die Standpunkte der anderen Ensemblemitglieder. Farbe, Form und Symbole der Projektionsflächen signalisieren die Interaktionen der anderen Tänzer. Bildrechte: Abbildung: Lenard Opeskin & Paul Judt

Weitere Preisträger

Neben Lenard Opeskin und Paul Judt sind nach Angaben des Wirtschaftsministeriums auch die Designer Marco Zichner, David Rost, Tobias Miessler, Bastian-Jirko Spinger, Jan Hartmann, Andreas Neubert, Johann Schmidt, Robert Deutsch, Theresa Trepte, Katrin Ursula Stapf, Steven und Vanessa Busch, Felix Deufel, Paul Schengber, David Simmons und Thomas Neugebauer ausgezeichnet worden.

"Design ist ein sehr wichtiger, aber noch oft unterschätzter Wettbewerbsfaktor. Es bringt Technologie und Funktion in überzeugenden Einklang, erweitert Geschäftsfelder und erzeugt einzigartige Produkterlebnisse", sagte Wirtschaftsminister Martin Dulig zur Preisverleihung im Dresdner Albertinum. "Für mich sind Sie alle Botschafter und Botschafterinnen für ein kreatives und modernes Sachsen. Darauf kommt es an und dafür möchte ich mich bedanken."

Der Sächsische Staatspreis für Design Der Sächsische Staatspreis für Design wird alle zwei Jahre vom Wirtschaftsministerium Sachsen verliehen. Er ist insgesamt mit 50.000 Euro dotiert und wurde in vier Kategorien und einem Sonderpreis ausgelobt.

Quelle: MDR/kt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 06.11.2018 | 19:00 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 06. November 2018, 20:14 Uhr

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