Osterzgebirge Ärztin wegen Fälschen von Impfausweisen angezeigt

In einen Impfpass wird der Nachweis für eine neu erfolgte Impfung eingeklebt.
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Eine Ärztin aus dem Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge wurde wegen des Ausstellens unrichtiger Gesundheitszeugnisse angezeigt. Wie die Sächsische Landesärztekammer mitteilte, wurde nun die Staatsanwaltschaft Dresden mit dem Fall betraut. Die Ärztin soll bei Kindern eine Masernimpfung in den Impfausweis eingetragen haben, obwohl eine solche Impfung nicht durchgeführt wurde. Stattdessen wurde homöopathisch "geimpft", so die Kammer. Wie die Fälschungen entdeckt worden sind, ist bisher nicht bekannt. Eine Anfrage von MDR SACHSEN bei der Landesärztekammer blieb bisher unbeantwortet.

Bodendieck: Vertrauen auf dem Spiel

Erik Bodendieck, Präsident der Sächsischen Landesärztekammer äußerte sich in einer Pressemitteilung zum Vorfall: "Für die Sächsische Landesärztekammer besteht ein hohes Interesse an der Verfolgung dieser Straftat, weil die Legitimation von Impfausweisen und das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Ärzte auf dem Spiel stehen."

Masern-Impfpflicht an Kitas umgehen

Erik Bodendieck
Erik Bodendieck, Präsident der Sächsischen Landesärztekammer. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Hintergrund der Fälschungen ist wohl die im März 2019 eingeführte Masern-Impfpflicht in Kinderbetreungseinrichtungen. Die Ärztekammer vermutet: Die Ärztin füllt die ihr vorgelegten Impfausweise aus und weiß, dass die Eltern der nicht geimpften Kinder diesen Impfausweis in Gemeinschaftseinrichtungen vorlegen, um ohne Masernschutz aufgenommen zu werden. Die Täuschung sei offenbar erfolgreich gewesen, denn es seien bereits Kinder auf diese Weise aufgenommen worden.

Nach Ansicht der Sächsischen Landesärztekammer hat sich die Ärztin damit des Ausstellens unrichtiger Gesundheitszeugnisse und der Beihilfe zur mittelbaren Falschbeurkundung strafbar gemacht. Dies kann mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe bestraft werden.

Wie fällt Betrug auf?

Grundsätzlich gebe es gewisse Anhaltspunkte, die auf Falschbeurkundungen hinweisen, erklärt Knut Köhler von der Landesärztekammer MDR SACHSEN. Wenn beispielsweise bekannte Impfgegner plötzlich einen vollständigen Impfausweis für ihr Kind vorlegen, der Arzt seine Praxis in einer anderen Region hat oder das Datum der Impfung auf einen Sonntag fällt. Bei Verdacht können sich die Einrichtungen und Gesundheitsämter an die Ärztekammer wenden.

Quelle: MDR/st

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 29.12.2020 | 15:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden

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