Soldaten Fegen einen baufälligen Saal
Bildrechte: Florian Kunert

"Fortschritt im Tal der Ahnungslosen" Dokumentarfilm bringt "Fortschritt"-Arbeiter mit Syrern zusammen

Am Sonnabend werden die Preise der 69. Internationalen Filmfestspiele in Berlin verliehen. Im Bärenrennen ist auch ein Film aus Sachsen, der vier Jahre lang Flüchtlinge und ehemalige Mitarbeiter des Landmaschinenwerkes Fortschritt begleitet hat. Bei der Premiere gab es geteilte Reaktionen.

Soldaten Fegen einen baufälligen Saal
Bildrechte: Florian Kunert

Mit seinem Dokumentarfilm "Fortschritt im Tal der Ahnungslosen" versucht Florian Kunert den Brückenschlag. Über vier Jahre hinweg begleitete der 30-Jährige ein Projekt, in dem Geflüchtete auf Werksarbeiter des ehemaligen Neustädter Kombinats "Fortschritt" treffen, mit der Kamera.

Ich fand es interessant, das Phänomen der Pegida-Proteste im Spiegel der DDR-Vergangenheit zu betrachten.

Florian Kunert Regisseur

Regisseur Florian Kunert
Regisseur Florian Kunert auf der Berlinale 2019. Bildrechte: MDR/Lars Tuncay

Miteinander reden

2015 nahm das Projekt seinen Anfang. Während in Dresden Pegida demonstrierte, trafen sich ehemalige Arbeiter auf dem zerfallenen Werksgelände mit einer Gruppe von syrischen Flüchtlingen. Das Ziel: die Menschen in einem Integrationskurs einander näher bringen, Geschichten austauschen und mit dem Blick in die Vergangenheit eine mögliche Zukunft aufbauen.

Viele Gemeinsamkeiten

Die Geflüchteten waren in dem ehemaligen "Fortschritt"-Werk in Neustadt untergebracht, wo viele aus Kunerts Familie gearbeitet hatten. Den Filmemacher interessierte der Blick der Eingereisten auf die Geschichte des Werks. Er fand ehemalige Arbeiter, die bereit waren, den Geflüchteten aus ihrer Vergangenheit zu erzählen. Dabei stellte sich bald heraus, dass sie mehr eint als unterscheidet. Sie teilen die Erinnerungen an eine verlorene Heimat.

Ein mann und eine Frau halten ein Erich-Honecker-Porträt
Ausschnitt aus dem Dokumentarfilm "Fortschritt im Tal der Ahnungslosen“. Bildrechte: Florian Kunert

Persönliche Geschichte

Kunert wurde 1989 in Sebnitz geboren. Er kennt die DDR nur aus Erzählungen. "Für mich war das auch ein sehr persönlicher Prozess, weil ich diese ganzen Emotionen in mir trage, die irgendwie mit diesem Ding zu tun haben, dass vor mir da war, was es jetzt nicht mehr gibt und was ich nie kennengelernt habe." Für seinen Film wählte er einen ungewöhnlichen Ansatz: Er rekonstruierte die Vergangenheit mit Hilfe seiner Protagonisten, lässt sie in NVA-Uniformen zum Fahnenappell antreten oder auf der DDR-Schulbank Platz nehmen.

Geteiltes Echo

Ein spannendes Experiment, das beim internationalen Publikum jedoch zwiespältige Gefühle auslöste. Bei seiner Premiere im Internationalen Forum des jungen Films im Rahmen der 69. Berlinale sorgte "Fortschritt im Tal der Ahnungslosen" für ein geteiltes Echo. "Das ist geschmacklos", findet eine Besucherin. Eine andere findet es gut, "dass der Empfang der Syrer in der ehemaligen DDR gezeigt wurde und, im Gegensatz dazu, diese unsäglichen Pegida-Demonstrationen." Ein Paar aus Israel wirft dem Regisseur vor, dem Film seine eigene Weltsicht aufgedrückt zu haben: "Die Syrer werden mehr als Puppen hingestellt."

Soldaten hissen eine DDR-Fahne
Ausschnitt aus dem Dokumentarfilm "Fortschritt im Tal der Ahnungslosen“. Bildrechte: Florian Kunert

VEB Kombinat Fortschritt Der VEB Fortschritt war ein Betrieb, in dem Landmaschinen gefertigt wurden. Er entwickelte sich nach dem Zweiten Weltkrieg aus der ehemaligen Hering AG. Durch das Kombinat Fortschritt erlebte Neustadt bei Sebnitz ein großes industrielles Wachstum. Die Einwohnerzahl verdoppelte sich zwischen 1948 und 1984 auf 12.500. Nach der politischen Wende blieb nur ein Kern der Landmaschinenindustrie erhalten. Heute ist Neustadt vor allem bekannt für die Herstellung von Wohnmobilen der Firma Capron. Quelle: Stadtverwaltung Neustadt

Quelle: MDR/lt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 12.02.2019 | 17:20 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 17. Februar 2019, 09:53 Uhr

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