Ohne Hüllen Was ist der Reiz an Nackt-Yoga?

Erster Gedanke: Na Hallo! Geht‘s hier wirklich nur um Yoga? Oder ist das eher ein verkappter Erotiktreff? MDR-SACHSEN-Reporter Jürgen Hahm wollte es genau wissen und ist ins Erzgebirge gefahren - zum Nackt-Yoga.

Frau nur mit Handtuch bekleidet macht eine Yoga Übung 3 min
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Der erste Eindruck vom Yoga-Raum: eher unerotisch-nüchtern. Der Saal ist eher für Tagungen oder Tanzveranstaltungen geeignet. Im Kreis und mit Abstand liegen knapp ein Dutzend Gymnastikmatten. Darauf sitzen mehrere Männer und eine Frau. Allesamt splitterfasernackt. Trainerin Elke Lechner, im Eva-Kostüm, stimmt die Kursteilnehmer mit Atemübungen ein: "Zum Ausatmen macht ihr den Rücken ganz rund, zieht dabei schön fest den Bauch ein. Mit dem Einatmen kommt ihr in den Hohlrücken, hebt dabei den Kopf an, soweit es angenehm ist."

"Da ist nicht viel Zeit zum Gucken."

Dann geht es richtig los. Die Übungen sind äußerst schweißtreibend. Keine Chance, sich an den Körpern der anderen zu erfreuen. Dabei hatten einige Männer durchaus Befürchtungen, erzählt Elke Lechner. Sie waren unsicher und äußerten die Sorge: "Was ist, wenn ich eine Erektion bekomme? Ich habe zu Ihnen gesagt, wenn es passiert, dann passiert es. Aber es passiert eigentlich zu 90 Prozent nicht."

Im Yoga ist man so mit sich selber beschäftigt. Durch diese Entspannung, durch dieses Anspannen, durch diese wahnsinnige Konzentration mit sich, mit seinem Körper. Da ist nicht viel Zeit zum Gucken.

Elke Lechner | Yoga-Trainerin

Weiter im Programm. Jetzt sollen die Kursteilnehmer das linke Bein um das rechte Bein winden. In dieser Stellung sich bücken, ohne das Gleichgewicht zu verlieren. Es macht Mühe, sich auf den Beinen zu halten. Erotische Gedanken kommen da gar nicht erst auf, meint auch Berthold, einer der Kursteilnehmer: "Wir sind so in der Übung drin, mit den ganzen Energien und so weiter, da kommt man gar nicht auf andere Gedanken."

Körperliches und geistiges Geben und Empfangen

Ein junger Mann macht Entspannungsübungen
Yoga: Körper, Geist und Seele im Einklang Bildrechte: imago/blickwinkel

Wenn es aber nicht die Erotik ist, was macht dann den Reiz des Nackt-Yoga aus? Jean-Luc ist extra aus Frankreich angereist. Für ihn ist Yoga körperliches und geistiges Geben und Empfangen: "Man ist einerseits verletzlich, wenn man überhaupt keine Schutzbekleidung hat, aber auf der anderen Seite auch empfänglicher für Energien, wenn man einfach nichts um sich rum hat, was noch irgendwie etwas abhalten kann."

Christoph, ein anderer Teilnehmer hat zum ersten Mal Yoga gemacht. Er ist an Parkinson erkrankt. Um sich überhaupt bewegen zu können, muss er Medizin einnehmen. Trotzdem hat er versucht, das gesamte Programm zu absolvieren. Er sagt: "Für mich hat sich das sehr gelohnt. Ich hätte nicht gedacht, dass es derart wirkungsvoll ist. Aber dieses Yoga nackt hat mir sicherlich 20 Prozent Medikamenteneinnahme erspart."

Viele wollen die Befreiung spüren, die das Nackt-Yoga mit sich bringt.

Elke Lechner | Yoga-Trainerin

Für Elke Lechner war es der erste Nackt-Yoga-Kurs. Sie war sich anfangs nicht sicher, ob dieses Experiment glückt. Umso zufriedener ist sie am Ende der Woche: "Ich habe für mich wahnsinnig viel dazugelernt. Als Yoga-Lehrer ist es die Aufgabe zu dienen und nicht zu sagen, macht dies, macht das, macht jenes."

Für das kommende Jahr plant Elke Lechner weitere Nackt-Yoga-Kurse. In Deutschland, aber auch im europäischen Ausland.

Quelle: MDR/jh/in

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 21.09.2020 | 10:00 - 13:00 Uhr

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