Wenn die Quelle versiegt Brunnendörfer im Osterzgebirge bangen um Trinkwasser

Zahlreiche Gemeinden im Osterzgebirge beziehen ihr Trinkwasser aus Brunnen. Die Trockenheit hat den Grundwasserpegel stark absinken lassen. Die Wasserversorgung gerät dadurch an ihre Grenzen.

Wassernot Brunnen Hermsdorf
In Hermsdorf ist der Grundwasserspiegel aufgrund der Trockenheit stark gesunken. Die Gemeinde versorgt sich über Brunnen mit Trinkwasser. Das wird nun immer knapper. Bildrechte: MDR SACHSENSPIEGEL

Die anhaltende Trockenheit stellt viele Gemeinden im Osterzgebirge, die nicht an die zentrale Wasserversorgung angeschlossen sind, vor Probleme. In einigen Dörfern versorgen Hausbrunnen die einzelnen Haushalte. Aufgrund des niedrigen Grundwasserspiegels reicht das Brunnenwasser nicht mehr aus.  

So auch in Hermsdorf. Der Wasserstand in den Brunnen liegt derzeit bei 1,20 Metern. Normal seien vier Meter, erklärt ein Bewohner MDR SACHSEN. Grund dafür sei neben der Trockenheit auch der wenige Schnee im vergangenen Winter, ergänzt Gemeinderat Andreas Zimmermann. Durch die ausbleibende Schneeschmelze "sinkt der Grundwasserspiegel dramatisch". Dies mache sich vor allem in den Brunnen bemerkbar. Die Haushalte müssen sich das fehlende Wasser an eigens dafür eingerichteten Entnahmestellen holen. Auch Wasserwagen oder Tankfahrzeuge versorgen die Bewohner.

Landkreise/Stadt Sofortmaßnahmen zur Wasserversorgung der Einwohner
Chemnitz Versorgung durch Wasserwagen
Erzgebirgskreis Versorgung mit Wasserwagen und Tankfahrzeugen,

Anbindung an Hausanschlüsse,

Versorgung über die kurzfristige Aktivierung eines bereits bestehenden Anschlusses
Mittelsachsen Versorgung durch Wasserwagen oder Tankfahrzeuge,

Bereitstellung von Zapfstellen zur Eigenbetankung,

Schaffung einer Entnahmemöglichkeit mittels Standrohr im öffentlichen Netz,

kurzfristige Herstellung von Hausanschlüssen bei Vertragsabschluss mit dem Verband.
Vogtlandkreis Versorgung durch Wasserwagen
Zwickau Versorgung durch Wasserwagen
Dresden Keine Angaben
Bautzen kurzfristige Herstellung von Hausanschlüssen
Görlitz keine gemeldeten Sofortmaßnahmen vorliegend
Meißen kurzfristige Herstellung von Hausanschlüssen
Sächsische Schweiz-

Osterzgebirge
Einrichtung von Abgabestellen für Trinkwasser
Leipzig Entfällt (Anschlussgrad 100 %)
Landkreis Leipzig keine gemeldeten Sofortmaßnahmen vorliegend
Nordsachsen Entfällt (Anschlussgrad 100 %)
   
Quelle: Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft  

Anschluss verpasst

Eine Lösung für das Problem sei der Anschluss an die zentrale Wasserversorgung. Doch dies sei nicht einfach, betont Zimmermann. Weil die Grundstücke weit auseinanderliegen, müssten sehr viele Leitungen verlegt werden. Und das koste Geld, das die Gemeinde nicht hat. Gemeinsam mit dem Umweltministerium sei die Gemeinde derzeit auf der Suche nach Lösungen. Doch eine Förderung für den Anschluss gibt es derzeit nicht. Bis 2015 gab es hierfür Gelder vom Freistaat, doch die Gemeinde entschied sich damals dagegen.

Eigenverantwortung der Kommunen

Die sächsische Staatsregierung verweist in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linken-Landtagsabgeordneten Jana Pinka auf die Eigenverantwortung der Kommunen. Die Wasserversorgung sei demnach eine kommunale Pflichtaufgabe. "Es liegt daher zunächst in der Hoheit und Eigenverantwortung der kommunalen Aufgabenträger, wirtschaftlich vertretbare Lösungen zu finden und umzusetzen." Fördermittel stünden möglicherweise nur über das sogenannte LEADER-Programm zur Verfügung. Eine neue Gesamtkonzeption zum Thema Wasserversorgung befindet sich den Angaben zufolge derzeit in Arbeit, ist aber erst für 2030 geplant.

Brunnendörfer Osterzgebirge Hermsdorf
Wassertanks stellen die Trinkwasserversorgung in Hermsdorf sicher. Bildrechte: MDR SACHSENSPIEGEL

Förderrichtlinien erweitern

Pinka kritisiert in diesem Zusammenhang, dass die Kommunen mit diesem Problem allein gelassen werden. "Wir können nicht warten, bis die Staatsregierung hier zu greifbaren Ergebnissen kommt. Es muss jetzt gehandelt werden!" Deshalb will die Linken-Fraktion im Rahmen der Debatte zum Doppelhaushalt 2019/2020 vorschlagen, die aktuelle Fachförderrichtlinie auf die Herstellung von Trinkwasseranschlüssen zu erweitern. Denn es sei absehbar, dass sich die Grundwasserstände in nächster Zeit nicht dauerhaft erholen werden. "Es ist keine Option, die Betroffenen monatelang über Tankfahrzeuge oder zentrale Abgabestellen mit Trinkwasser zu versorgen", so Pinka weiter.

Selbstversorger im Osterzgebirge Nach enem Bericht der "Sächsischen Zeitung" versorgen sich rund 27.000 Einwohner in Sachsen mit Trinkwasser aus Brunnen. Nach Schätzungen der Wasserversorgung Weißeritzgruppe GmbH sind es in der Region Osterzgebirge etwa 2.200 Einwohner. Dazu zählen: Neurehefeld, Rehefeld-Zaunhaus, Fürstenwalde, Fürstenau, Löwenhain, Gottgetreu, Müglitz, Börnchen, Dittersdorf, Neudörfel, Rückenhain, Johnsbach, Borlas, Edle Krone, Röthenbach, Friedersdorf sowie Hermsdorf.

Quelle: MDR/mar

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 13.10.2018 | 19:00 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 14. Oktober 2018, 15:13 Uhr

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