01.02.2020 | 19:09 Uhr | Update Mareile Höppner sagt nach Bedrohung Semperopernball-Moderation ab

Nach Judith Rakers hat nun auch Mareile Höppner die Moderation des Semperopernballs am Freitag in Dresden abgesagt. Sie war nach dem Eklat um die Vergabe des Ballordens an den ägyptischen Machthaber al-Sisi kurzfristig eingesprungen. Dafür wurde Höppner so heftig angefeindet, dass sie Konsequenzen zieht.

Mareile Höppner
Bildrechte: MDR/Hagen Wolf

Mareile Höppner wird den Semperopernball in Dresden nicht moderieren. Das gab der MDR am Sonnabend bekannt. Die MDR-Moderatorin sei massiv bedroht worden. Höppner habe in den vergangenen Tagen einen unerträglichen Grad an Hass erleben müssen.

Nichts rechtfertigt auch nur im Geringsten eine solche Hetze.

aus der Stellungnahme des MDR

Höppner: Grenze überschritten

Höppner schrieb auf Instagram, sie habe gehofft, nach den Skandalen und der berechtigen Kritik an der Auswahl des Ballorden-Preisträges al-Sisi ein Zeichen für demokratische Werte setzen können. "Stattdessen haben einige Reaktionen jede Grenze überschritten: Ich bin nun Opfer und Zielscheibe von schlimmstem Hass und Anfeindungen geworden. Selbst vor meinem Kind wurde dabei nicht halt gemacht."

Ballorganisatoren entsetzt

Der Semperopernballverein zeigte sich erschüttert. "Wir sind schockiert über die Hetze und den Hass, die Mareile Höppner plötzlich in den vergangenen zwei Tagen trafen", teilte Vereins-Chef Hans-Joachim Frey am Samstagabend mit. Höppner sei mit großer Hilfsbereitschaft als Moderatorin eingesprungen. "Dass sie dafür jetzt solchen Anfeindungen ausgesetzt ist, lag außerhalb aller Vorstellungskraft und entsetzt uns zutiefst."

MDR prüft künftige Fernsehübertragungen

Nach Angaben des MDR hat Mareile Höppner Anzeige erstattet. Man habe ihr juristische Unterstützung angeboten. Den Semperopernball will der Sender am kommenden Freitag weiter übertragen. "Diese Entscheidung beruhte auf dem Wissen, was der Ball tausenden Dresdnerinnen und Dresdnern und Gästen bedeutet und dass der Semperopernball für sie alle für Weltoffenheit, Toleranz und Freiheit steht." Die künftigen Übertragungen werde man auf den Prüfstand stellen.

Der Opernballverein betonte am Sonnabend in seinem Statement, Verantwortung zu übernehmen. Man habe sich entschuldigt. Alle Partner hätten das akzeptiert. Künftig werde es intensive Gespräche geben. Allerdings sehe man mit großer Sorge, "wie einige wenige dem Semperopernball mit völliger Unnachgiebigkeit und Unversöhnlichkeit gegenübertreten und dabei vor keinem Mittel, nicht einmal vor persönlichen Bedrohungen zurückschrecken." Das müsse aufhören. Wer Mareile Höppners Moderation übernehmen wird, ist nicht bekannt.

Kritik an Ordensvergabe an ägyptischen Machthaber al-Sisi

Höppner wollte nach der Absage von Judith Rakers die Moderation des Semperopernballs am 7. Februar an der Seite von Roland Kaiser übernehmen. Rakers hatte zuvor um die Auflösung ihres Vertrages gebeten. Grund war die Vergabe des St.-Georgs-Ordens an den ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi, die massive Kritik auslöste. Nach Bekanntwerden des Preisträgers teilte die Tagesschau-Sprecherin auf Twitter mit, sie sei irritiert und führe Gespräche mit dem Ballveranstalter über Konsequenzen.

Quelle: MDR/jr

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 01.02.2020 | 19:00 Uhr

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