Absolventenstudie Klebeeffekt auf sächsisch: Wer in Sachsen studiert, bleibt oder geht nach Berlin

Die dritte Absolventenstudie für Sachsens Hochschulen liegt ausgewertet vor und zeigt viel Zufriedenheit der Akademiker. Aber die Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen bei gleicher Qualifikation sind teils enorm. Sachsens Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow freute sich vor allem über den sogenannten Klebeeffekt des Studiums.

Studenten schauen durch eine aufgerollte Seite eines Buches
Wohin gehen Absolventen nach Jahren der Ausbildung und des Studiums? Das erforscht Sachsen mit Absolventenbefragungen (Symbolfoto). Bildrechte: dpa

Hochschulabsolventen sind mit der Qualität und den Studienbedingungen in Sachsen sehr zufrieden. Das geht aus den Ergebnissen der am Montag in Dresden vorgestellten dritten sächsischen ächsischen Absolventenstudie hervor. Sachsens Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow freute sich vor allem darüber, "dass die Absolventinnen und Absolventen auch rückblickend mit der Qualität ihres Studiums an einer sächsischen Hochschule äußerst zufrieden sind."

Entweder Sachsen - oder Berlin

59 Prozent der befragten Absolventen von 2015/16 fanden ihren ersten Job nach dem Studium in Sachsen. Während ihre Studienkollegen der beiden vorigen Befragungen noch am stärksten in Richtung Süden Deutschlands abwanderten, ist laut Studie nunmehr die Region Ost die wichtigste Abwanderungsregion - speziell Berlin. An der Spree finden sich mit Blick auf Ostdeutschland die meisten Arbeitsplätze. Auch die jungen Leute, die extra wegen ihres Studiums nach Sachsen gezogen sind, blieben "kleben", wie die Sozialforscher das nennen. Nach ihrem Studienabschluss starteten 39 Prozent derjenigen im Freistaat ihren Berufsweg.

Wer in Sachsen studiert, egal woher er kommt, bleibt auch für den Job gerne im Freistaat. Unsere Hochschulen bilden damit dringend benötigte Fachkräfte für Sachsen aus.

Sebastian Gemkow sächsischer Wissenschaftsminister, CDU

Nicht genug Führungskompetenzen

Die Befragten bestätigten, dass sie nach ihrem Studium über ein hohes Maß an Selbstlernkompetenz und wissenschaftlicher Fachkompetenz verfügten und sich gut organisieren könnten. Das hatten schon die ersten beiden Absolventenstudien gezeigt. Allerdings würden an den Hochschulen Führungskompetenzen nicht so ausgeprägt vermittelt, wie sie später im Beruf benötigt werden, gaben die Befragten an.

Seltener im Ausland studieren

Im Vergleich zu den Jahrgängen 2006/2007 und 2010/2011 hat die Auslandsmobilität der Studierenden abgenommen: Nur 13 Prozent der Prüfungsjahrgänge 2015/16 haben im Ausland studiert. Zehn Jahre zuvor waren noch 18 Prozent der Studenten ins Ausland gegangen. Die Studienmacher begründeten den Trend damit: "Scheinbar wirken sich ein kürzeres Studium und regelmäßige, laufende Prüfungen negativ auf die Möglichkeit aus, einen Teil des Studiums im Ausland zu verbringen."

Schneller Jobeinstieg - doch Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen

Der Berufseinstieg für junge Akademiker nach dem Studium hat sich verbessert. Zwei Jahre nach Studienende lag die Arbeitslosenquote über alle Fächergruppen hinweg bei unter zwei Prozent. Die große Mehrheit der Befragten war demnach mit der aktuellen Erwerbstätigkeit zufrieden oder sehr zufrieden. 85 Prozent der Absolventen von 2015/2016 bekamen mit der ersten Stelle einen unbefristeten Arbeitsvertrag.

Das durchschnittliche Bruttoeinkommen elf bis zwölf Jahre nach Studienabschluss lag bei in den Prüfungsjahrgängen 2006/07 bei rund 4.800 Euro im Monat. Sechs bis sieben Jahre nach den Prüfungen verdienten die ehemaligen Studenten durchschnittlich rund 4.200 Euro brutto im Monat. Die Befragungsergebnisse zeigten, dass das Durchschnittseinkommen im Zeitverlauf deutlich stieg.

Absolventen werfen, auf dem Campus in Talare gekleidet ihre Barette in die Luft
Hurra, Studium geschafft. Und dann? Wie Sachsens Absolventen beruflich vorwärtskommen, wird seit 2008 wissenschaftlich untersucht. Bildrechte: dpa

Gehaltsunterschiede bis zu 25 Prozent

Frauen verdienen dabei in allen Fächergruppen schlechter.

Ergebnis der 3. Absolventenbefragung

Der bundesweite Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen bei gleicher Qualifikation besteht in Sachsen deutlich: "Frauen verdienen weniger, unabhängig von der Fächerwahl", heißt es in der dritten Absolventenstudie. Erhebliche Einkommensunterschiede stellten die Forscher zwischen den Geschlechtern bei den Prüfungsjahrgängen 2006/07 fest. Hier liegt der Gehaltsunterschied, auch Gender Gap genannt, bei Vollzeitstellen bei 25 Prozent. Die Einkommenslücke bei den Absolventenjahrgängen 2010/11 liegt bei 18 Prozent.

Hintergrund

Das ist die dritte Sächsische Absolventenstudie - Befragt wurden Absolventinnen und Absolventen der Unis in Chemnitz, Dresden, Freiberg und Leipzig und der Hochschulen für angewandte Wissenschaften Dresden, Leipzig, Mittweida, Zittau-Görlitz und Zwickau.

- Erstmals befragt wurden die Prüfungsjahrgänge 2015/16. Die Fragen drehten sich um ihr rückblickendes Urteil aufs Studium, den Kompetenzerwerb und den Berufseinstieg.

- Die Prüfungsjahrgänge 2006/2007 und 2010/11 wurden wiederholt befragt. Hier drehten sich die Fragen vor allem um die Berufserfahrungen, Lebenszufriedenheit und Aus- und Fortbildungen.
- Mehr als 13.800 Fragebögen der Erstbefragung und der zwei Nachbefragungen wurden ausgewertet.

- Diesmal gab es auch noch eine Sondererhebung zum Lehramt. Nachwuchslehrer wurden nach ihrem Einstieg in den Lehrerberuf und ihre regionale Mobilität befragt.
- Fazit der TU Dresden: "Kein Bundesland verfügt über vergleichbar umfangreiche Daten."

Quelle: TU Dresden/dritte Sächsische Absolventenstudie

Die Ergebnisse der Erstbefragung der Jungakademiker von 2015/2016 können Sie in voller Länge hier nachlesen.

Quelle: MDR/kk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 19.10.2020 | 17:50 Uhr im Programm

2 Kommentare

Erichs Rache vor 5 Wochen

PS: Wie heißt es doch do schön in Art 3 Abs 3 GG?

"Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden."

Soviel zur Diskrepanz von GG-Norm und Realität!

Erichs Rache vor 6 Wochen

Super, wenn Frauen bei gleicher Qualifikation 18 bis 25 % weniger verdienen. Das haben die sich sicher auch so gewünscht und sind damit vollauf zufrieden. Was macht man nicht alles, wenn man von den Herrenmenschen regiert wird?

Mehr aus Dresden und Radebeul

Mehr aus Sachsen