Achim Reichel
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

18.11.2019 | 17:33 Uhr Rocker Achim Reichel auf Zeitreise in Dresden

Ein echter Hamburger Jung: Das ist Achim Reichel. Der norddeutsche Rockstar ist mittlerweile 75 Jahre alt und tourt derzeit mit seiner Band durch Deutschland. Am 19. November macht er Halt in Dresden. Was er an Dresden besonders mag und wie er sich mit 75 Jahren fühlt, erzählt er im MDR SACHSEN-Interview.

Achim Reichel
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Was verbinden Sie mit Dresden?

Wir waren ja schon des Öfteren in Dresden. Sie werden verwundert sein, aber wir haben uns bisher jedes Mal ein Fahrrad im Hotel geliehen und sind damit den Elberadweg auf- und abgefahren. So was gibt's in Hamburg nicht, obwohl ja auch Hamburg an der Elbe liegt. Ja, und auch das Publikum hab ich in guter Erinnerung behalten.

Wie feiern ja gerade 30 Jahre Mauerfall. Wie war das denn damals für Sie?

Ich war mit meiner Frau in Berlin. Wir hatten dort Freunde besucht. Und die meinten: Kommt, wir gehen mal ans Brandenburger Tor. Und es war Silvester. Ostler und Westler begegneten sich da. Und die Ostler hatten alle Tränen in den Augen. Und wir haben gedacht: Was heulen die denn alle? Und dann erzählte man uns, 'Wenn ihr wüsstet, wie man uns hier verarscht hat ...' Es war ja auch gar nicht vorzustellen. Und es war nicht leicht, Worte dafür zu finden. Das ging unter die Haut.

Sie sind ja gerade auf Tournee und spielen meist in ausverkauften Hallen. Wo ist denn so ihre größte Fangemeinde? Können Sie das eingrenzen?

Das ist schwer zu sagen. Ich bin in meinen Thematiken sehr nordisch geprägt, so ein Waterkant-Typ. Ich stamme aus einer Seefahrerfamilie und irgendwann kam dann die Gitarre dazwischen und das hab ich auch nicht bereut. Bis heute.

Wenn Sie auf Tour sind, ist das auch so ein bisschen wie unterwegs sein auf dem Meer?

Ja, es ist eine kleine Welt für sich. Es ist für alles vorgesorgt. Man legt Wert darauf, dass man in netten Hotels wohnt. Wenn man Glück hat, ist die ganze Crew nett. Ohne überspannte Leute auf Ego-Trip. Und jeden Tag ein neues Publikum. Das ist spannend. Denn das Publikum ist überall anders.

Wie ist das Publikum in Dresden?

Da wäre zuerst der regionale Slang. Den verstehe ich aber gut. Ich habe in meinem Team jemanden, der auch aus Dresden kommt. Generell mag ich Mundarten. Ob schwäbisch, norddeutsch oder was auch immer.

Warum haben Sie sich damals ganz bewusst dafür entschieden auf Deutsch zu singen? Das war ja damals nicht unbedingt üblich.

Als wir damals mit den Rattles in England unterwegs waren, stellten wir fest, dass die Frauen unseren deutschen Akzent sehr charmant fanden. Trotzdem kam mir dieses englische Gesinge irgendwann wie Urkundenfälschung vor. Man tut so als ob. Und darüber hinaus stellte ich fest, dass eigentlich hier zu Lande der interessantere Job zu tun war. Ich versuchte dann, alte Inhalte mit rockmusikalischen Erscheinungsbildern zu verbinden.

Sie haben ja auch schon in kleineren Hallen gespielt, zum Beispiel vor ein paar Jahren hier in Dresden mit einer kleinen Besetzung in der Lukaskirche. Wie ist da für Sie der Kontakt zum Publikum?

Ja, das ist natürlich viel direkter, da kann man es sich leisten, persönlicher zu werden. Ich mag das, dem Publikum nahe zu sein. Ich mag mein Publikum. Wenn es das nicht gäbe, dann wäre ich schließlich nicht so weit gekommen. Und diese ganzen verschiedenen Musikrichtungen - das macht nicht jedes Publikum mit. Aber irgendwann hatte ich mich ganz bewusst entschieden: Ich mache jetzt nur noch das, von dem ich sagen kann, dass es mir selbst auch gefällt. Dann muss ich mich nicht irgendwie verstellen.

Was machen Sie jetzt mit 75 anders, wenn Sie auf Tour sind?

Mein musikalisches Erscheinungsbild auf Tourneen ist jetzt anders, als es vorher war. Ich hatte ja beispielsweise so eine Storyteller-Tour gemacht, bei der ich erzähle, wie das alles so angefangen hat. Auf Tournee mit den Beatles und mit den Rolling Stones. Und dazu habe ich dann halt meine Stücke aus dieser Zeit gespielt, so dass es, naja, ein sogenanntes Storyteller-Programm war. Das haben die Leute geliebt, und zwar so sehr, dass ich am Ende damit hundert Konzerte gemacht habe. Das hätte ich mir niemals träumen lassen.

Ihre jetzige Tour heißt  "Das Beste kommt zum Schluss". Ist denn danach wirklich Schluss?

Ich hatte es mal angenommen. Aber jetzt habe ich 16 ausverkaufte Konzerte hinter uns. Und ich begrüße die Leute am Anfang immer mit "Willkommen auf meiner ersten Abschlusstournee". Damit lasse ich mir natürlich ein Hintertürchen offen. Aber auf der anderen Seite kann ich einfach nicht verleugnen, dass ich 75 bin.

Und haben Sie außer Ihrem Konzert in Dresden noch etwas geplant?

Ich freue mich auf Dresden, und wie ich gehört habe, sind da sogar noch ein paar Tickets zu haben. Wir pilgern gern durch die Straßen. Das letzte Mal war ich zum Beispiel im Zwinger und habe gedacht: Das ist unglaublich! Also da gibt es ja nun wirklich ein paar Bauwerke. Ja, da kann man schon mal einen Augenblick verharren. Das ist ein bisschen wie im Time-Tunnel.

Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR | 01.01.2019 | 00:01 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. November 2019, 17:33 Uhr

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