02.06.2020 | 13:48 Uhr | Update Polizei kündigt nach Attacke bei Pegida-Demo Konsequenzen an

Seit Jahren gibt es in Dresden Kundgebungen der Pegida-Bewegung. Auch Pfingstmontag versammelten sich Anhänger in der Stadt - einige griffen Gegendemostranten an. Die Polizei muss sich Kritik gefallen lassen, weil sie die Demonstranten angeblich nicht schützte. Am Tag danach blickt die Behörde selbstkritisch auf den eigenen Einsatz.

Menschen sitzen auf einem Platz, abgetrennt durch Polizisten von einer Gruppe mit Fahnen
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Bei einer Pegida-Demonstration in Dresden ist es laut Polizei zu einem gewalttätigen Angriff gekommen. Während der Versammlung hätten sich zunächst etwa 30 Menschen auf die Kundgebungsfläche auf dem Altmarkt gesetzt, teilte die Polizeidirektion in Dresden mit. "Sie gaben gegenüber den Polizeibeamten vor, zu Pegida gehören zu wollen", hieß es. Daraufhin hätten die Einsatzkräfte die Sperrung zwischen ihnen und den Pegida-Demonstranten gelockert. In diesem Moment attackierten laut Polizei mehrere Teilnehmer von Pegida die Sitzenden und drängten sie ab.

Scharfe Kritik an Verhalten der Polizei

Die Dresdner Initiative "Straßengezwitscher" berichtete auf Twitter, dass Teilnehmer der Pegida-Kundgebung protestierende Menschen angegriffen hätten, nachdem die Polizei sich zurückgezogen habe. Sie wirft den Beamten vor, nicht eingegriffen zu haben. Auch der Innenpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion im Landtag äußerte auf Twitter sein Unverständnis über das Verhalten der Beamten. Ein Video zeigt zudem, wie die Polizei agierte.

Polizei kündigt Konsequenzen an

Ein Polizeisprecher sagte am Tag nach der Demonstration, man sei mit dem Verlauf des Einsatzes nicht zufrieden. Einsatzphilosophie der Dresdner Polizei sei, Protest in Hör- und Sichtweite zu ermöglichen. Unmittelbare Nähe zwischen zwei Versammlungen funktioniere aber nur, "wenn ein friedlicher Verlauf prognostiziert werden kann", erklärte der Sprecher.

aufgebrachte Menschenmenge mit Fahnen, im Vordergrund sitzen Demonstranten mit Mund-Nasen-Schutz
Ein solche Nähe zwischen Pegida und Gegendemonstranten will die Polizei in Zukunft nicht mehr zulassen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dies sei nach dem Geschehen vom Montagabend, anders als in den Monaten zuvor, nun nicht mehr uneingeschränkt möglich. "Wir werden daher wieder für mehr Distanz zwischen den unterschiedlichen Versammlungsteilnehmern sorgen und einen strengeren Maßstab an das Trennungsgebot anlegen", sagte der Sprecher.

Ermittlungen wegen Körperverletzung und Beleidigung

Laut Polizeidirektion Dresden gelang es den Beamten "unter Anwendung unmittelbaren Zwangs" die Gruppierungen zu trennen. Im Zusammenhang mit den Übergriffen auf die Gegendemonstranten seien zwei Ermittlungsverfahren eingeleitet worden, wegen Körperverletzung und wegen Beleidigung. Beide Tatverdächtige seien offenbar Teilnehmer der Pegida-Versammlung gewesen, hieß es. Ob es in diesem Zusammenhang weitere Straftaten gab, werde derzeit geprüft.

Gegen einen 16-jährigen Teilnehmer des Gegenprotestes wird laut Polizei wegen eines Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz ermittelt, weil er einen Holzstab mit sich führte, der "offenbar nicht als Kundgebungsmittel diente".

Die Kundgebung des Pegida-Fördervereins e.V. stand unter der Überschrift "Gemeinsam für Bürgerrechte". Parallel dazu war eine Gegendemonstration unter dem Motto "Nationalismus raus aus den Köpfen" in Hör- und Sichtweite genehmigt worden.

Quelle: MDR/kb/epd

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 02.016.2020 | 06:00 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden

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