Roland Kaiser
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Mehr Mut, mehr Europa Roland Kaiser steht weiter zu seiner Pegida-Kritik

Roland Kaiser ist nicht nur Schlagerstar, sondern auch ein Mensch, der sagt, was er denkt. Vor seinem Eröffnungskonzert der diesjährigen Kaisermania äußerte er sich zur politischen Situation des Landes.

Roland Kaiser
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Am Freitagabend hat Schlagerstar Roland Kaiser mit dem ersten Konzert die 15. Kaisermania in Dresden eröffnet. Mehr als 12.000 Fans des 66-Jährigen tanzten und sangen in der Abendhitze am Elbufer. Das erste von vier Konzerten war seit langem ausverkauft. Am Samstagabend wird es die zweite Show geben. Weitere Konzerte sind für den 10. und 11. August geplant.

Identifikation mit Dresden

In einem Interview mit dem MDR bekräftigte Kaiser vor der 15. Kaisermania seine Kritik an der Pegida-Bewegung, die er in einer Rede im Januar 2015 geäußert hatte. Eine laute Minderheit habe damals das Bild einer Stadt gegen eine schweigende Mehrheit geprägt, so das SPD-Mitglied. Er habe es als seine Pflicht gesehen, sich dagegen zu erheben. Inzwischen habe sich das Bild von Dresden im In- und Ausland korrigiert, so Roland Kaiser. Das habe er in zahlreichen Gesprächen erfahren. "Die Leute haben verstanden, dass sich die schweigende Mehrheit erhebt und sagt, wir lassen uns das nicht gefallen." Er könne sich auch weiterhin mit Dresden identifizieren. "Ich habe der Stadt viel zu verdanken und bin mit ihr wegen der Bewerbung zur Kulturhauptstadt ja auch verbandelt."

Der Sänger Roland Kaiser (M) spricht vor der Frauenkirche in Dresden auf einer Kundgebung unter dem Motto "Für Dresden, für Sachsen - für Weltoffenheit, Mitmenschlichkeit und Dialog im Miteinander".
10. Januar 2015: Roland Kaiser kritisiert die Pegida-Bewegung. Bildrechte: dpa

Ich muss Dinge tun, die ich mit meinem Gewissen vereinbaren kann. Ich bin dieser Stadt was schuldig.

Roland Kaiser Schlagersänger und SPD-Mitglied

Koalitionsstreit um Flüchtlingsfrage fatal

Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa ergänzte Kaiser, der Politikbetrieb brauche mehr Mut und kein "Weiter so!". "Als politisch denkender Mensch mache ich mir Gedanken über die Zukunft dieses Landes. Ich persönlich glaube, dass eine Jamaika-Koalition aus CDU/CSU, Grünen und FDP sehr gut gewesen wäre für Deutschland. Mir hätte diese Lösung gefallen", sagte das SPD-Mitglied. Auch eine Minderheitsregierung hätte Kaiser begrüßt. Damit wäre eine Stärkung der parlamentarischen Demokratie verbunden gewesen, eine Abkehr von dem Anspruch, an der Macht bleiben zu wollen.

Den jüngsten Koalitionstreit in der Flüchtlingsfrage hält Kaiser für fatal. Schon zu Beginn des großen Flüchtlingsstromes hätte man eine europäische Lösung finden müssen: "Stattdessen hat jeder sein eigenes Süppchen gekocht. Wir müssen uns wieder auf Europa konzentrieren, dürfen Europa nicht aus den Augen verlieren. Zumal die Achse Europa- Nordamerika momentan nicht die stabilste ist."

Menschen mit einem guten Gefühl nach Hause schicken

Seine eigene Partei SPD kommt in der Analyse auch nicht gut weg. "Wir freuen uns ja schon, wenn wir in Umfragen mal zwei Prozent zulegen, von 16 auf 18 Prozent kommen. Die Zahlen, die wir früher hatten und gewohnt waren, gibt es nicht mehr." Volksparteien seien damals auf 40 Prozent und mehr gekommen: "Heute sind es '30 Plus'. Ich konnte mir aber nicht vorstellen, dass wir mal bei '15 Plus' landen", sagte er mit Blick auf die SPD. Kaiser sieht viele Deutsche derzeit verunsichert - für ihn auch ein Auftrag als Sänger: Als Unterhaltungskünstler habe ich die Aufgabe, Menschen mit einem guten Gefühl nach Hause zu schicken."

Auch ohne Karte Spaß So schön haben es die Zaungäste der Kaisermania

Es ist schon Tradition: Wer keine Karte für die Kaisermania bekommen hat, macht es sich auf den Elbwiesen und auf der Carolabrücke gemütlich. Manche der Zaungäste reisen extra dafür an.

Zwei Frauen sitzen auf Campingstühlen und lächeln in die Kamera. Sie essen Brötchen.
Margitta und Maria kommen aus Marienberg. Maria ist das erste Mal mit dabei. Bildrechte: MDR/Leonore Schicktanz
Zwei Frauen sitzen auf Campingstühlen und lächeln in die Kamera. Sie essen Brötchen.
Margitta und Maria kommen aus Marienberg. Maria ist das erste Mal mit dabei. Bildrechte: MDR/Leonore Schicktanz
Vier Frauen prosten sich zu und lächeln in den Kamera.
Ulli, Andrea, Angela und Elli aus Dresden sind Stamm-Zaungäste. Sie wollen während des Konzerts auf jeden Fall tanzen. Bildrechte: MDR/Leonore Schicktanz
Auf einer Decke liegen Snacks. Käsewürfel, Flips und Weinschorle.
Hauptsache es schmeckt! Bildrechte: MDR/Leonore Schicktanz
Tausende Menschen liegen verteilt auf Decken und Stühlen auf den Elbwiesen. Im Hintergrund sieht man eine orangene Sonne untergehen.
Auf der einen Seite singt der Kaiser. Auf der anderen geht die Sonne unter. Bildrechte: MDR/Leonore Schicktanz
Zwei junge Frauen mit grell-pinken T-Shirts lächeln in die Kamera.
Sandra und Aline aus Zwickau sind große Kaiserfans. Sandra ist das zweite Mal bei der Kaisermania mit dabei. Aline ist ein Konzertneuling. Bildrechte: MDR/Leonore Schicktanz
Ein Mann hält eine fußballgroße Palme aus Leuchtröhren in die Kamera. Er sitzt auf einem Campinghocker.
Raffiniert. Diese Leuchtinsel dient als Wiedererkennungszeichen für den Standort. Bildrechte: MDR/Leonore Schicktanz
Ein junges Mädchen mit braunen Haaren lächelt in die Kamera und hat ein Buch in der Hand.
Jasmin aus Dresden macht einen Liveticker inkl. Fotos und Videos für ihre Stiefmutter, die beim Konzert nicht dabei sein kann. Bis die Show beginnt, lernt sie noch ein wenig für eine Prüfung. Bildrechte: MDR/Leonore Schicktanz
Eine Box aus Styropor. Darin: Dutzende Dosen Bier, mehrere Flaschen Wein und Wasser.
Durstlöscher in einer Styroporbox. Wenn es um kühle Getränke geht, müssen die Zaungäste kreativ werden. Bildrechte: MDR/Leonore Schicktanz
Eine fünfköpfige Familie sitzt auf einer Decke und isst Erdbeeren. Drei kleine Mädchen sind dabei und ein großer Hund.
Diese Dresdner Familie war schon mehrmals auf den Elbwiesen dabei. Das Lieblingslied von Tochter Greta (rechts) ist "5. Element". Und auch Hund Sammy ist dabei. Bildrechte: MDR/Leonore Schicktanz
Hunderte Menschen sitzen auf Decken und auf Stühlen auf den Elbwiesen vor dem Konzertgelände der Kaisermania. Man sieht auch viele Fahrräder.
Wer keinen Campingstuhl hat, der setzt sich einfach auf eine Decke oder die trockene Wiese. Bildrechte: MDR/Leonore Schicktanz
Hunderte Menschen sitzen auf Decken und auf Stühlen auf den Elbwiesen vor dem Konzertgelände der Kaisermania. Das Ufer der Elbe ist aufgrund der Trockenheit sehr breit.
Wegen des niedrigen Pegelstands der Elbe gibt es diesmal besonders viel Platz an den Elbwiesen. Bildrechte: MDR/Leonore Schicktanz
Hunderte Menschen stehen dicht gedrängt vor dem Einlass der Kaisermania.
Sobald der Einlass beginnt, beginnt auch der Run auf die besten Plätze. Bildrechte: MDR/Leonore Schicktanz
Zwei Frauen sitzen vor dem Geländer der Dresdner Carolabrücke auf Campingstühlen und blicken auf das Konzertgelände der Kaisermania.
Sabine uns Christine sind aus einem Dorf nahe Altenburg angereist. Sie haben sich Campingstühle mitgebracht, um das Konzert entspannt genießen zu können. Bildrechte: MDR/Leonore Schicktanz
Ca. 100 Menschen stehen am Geländer der Dresdner Carolabrücke und schauen auf das Konzertgelände der Kaisermania. Man sieht von den Elbwiesen aus.
Die Carolabrücke ist schon Stunden vor Konzertbeginn gut besucht. Bildrechte: MDR/Leonore Schicktanz
Acht Personen sitzen um einen Campingtisch auf den Elbwiesen und trinken gemeinsam Bier und Wein.
Gemeinsam macht’s am meisten Spaß. Diese Gruppe aus Dresden kommt regelmäßig zur Kaisermania. Bildrechte: MDR/Leonore Schicktanz
Hunderte Menschen sitzen auf Decken und auf Stühlen auf den Elbwiesen vor dem Konzertgelände der Kaisermania. Man sieht auch viele Fahrräder und Sonnenschirme.
Wegen der Hitze haben sich diesmal auch viele mit Sonnenschirmen eingedeckt. Bildrechte: MDR/Leonore Schicktanz
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Das zweite Konzert im MDR-Livestream ab 19:50 Uhr

Roland Kaiser
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MDR FERNSEHEN Sa, 04.08.2018 19:50 22:45
  • Livesendung
  • Stereo
  • 16:9 Format
  • HD-Qualität
  • Untertitel
  • VideoOnDemand

Quelle: MDR/mar/dk/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR FERNSEHEN | 04.08.2018 | ab 20:15 Uhr
MDR SACHSENSPIEGEL | 04.08.2018 | 19:00 Uhr

AKTUELLES AUS SACHSEN

Zuletzt aktualisiert: 05. August 2018, 11:10 Uhr

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71 Kommentare

07.08.2018 10:02 Bingo 71

Wem seine Musik gefällt ,der soll sie sich anhören. R.Kaiser muß natürlich als SPD-Mitglied, "seine Weisheiten" unters Volk bringen,das "die Weisheiten" der einstigen Volkspartei SPD immer weniger Menschen interresieren, sieht man deutlich an ihren niedrigen Umfragewerten.

06.08.2018 00:28 DER Beobachter 70

Nicht mal mehr die AfD SOE und die sächsische JA kann mit Pegida. Wundern tuts nicht, scheint doch deren Rumgeprolle und das verbliebene Umfeld die Erfolgsaussichten bei den nächsten Wahlen zu schmälern.

06.08.2018 00:23 DER Beobachter @ Sachse 43 69

Ich verstehe Sie nur leider allzugut. Es ist auffällig, dass Pegid-AfD-Versteher nicht aus ihrer Filterblase herauskommen. Und warum sollten sich auch prominente Pegidakritiker auf den Hetzseiten der schrumpfenden "Bewegung" herumtreiben? Nett, wie Sie "den kleinen Peter aus Siebenbürgen", mithin einen deutschstämmigen Flüchtling aus einer kommunistisch-nationalistischen Diktatur hier runterzumachen versuchen. Das verrät so wunderschön, wessen Geistes Kind Sie sind.

06.08.2018 00:14 DER Beobachter @ Schrumpel 68

Z.B. Dublin und selbst die nationalen (Verfassungs)Gesetze der meisten europäischen Staaten. Unabhängig davon, was man davon nun hält, rechtfertigt auch Kritik daran die Pegidaner nicht zu Todeswünschen für Flüchtlinge, Pegida-Kritiker, Gewählte und diejenigen Polizisten, die mal geltendes Recht anwenden. Und es rechtfertigt nicht, dass sich Pegida mit NPD-Kadern aus dem völkischen Umfeld, Holocaustleugnern und Antisemiten umgibt.

06.08.2018 23:24 real_silver 67

Ja, der Kaiser. Vertreter einer aussterbenden Art. Glücklicherweise. Soll er die Wunschträume seiner Jamaika-Koalition für's ohnehin schon genug geplagte Deutschland zusammen mit den Genossen Schulz, Nahles, Stegner und Gabriel in seinen Safespace irgendwo in Übersee mitnehmen - dann ist er die bösen Pegidianer los. Die selbst werden nämlich nicht verschwinden.

06.08.2018 22:37 Markus Vahle 66

@ Schrumpel Nr. 65

"Nennen Sie mir bitte die internationalen Verträge, worin steht, dass welches Land auch immer, irgendwelche Menschen aufnehmen muss!"

Wo soll ich das angeblich geschrieben haben!? Ich habe lediglich festgestellt, dass Deutschland derzeit mehr als andere europäische Länder seiner internationalen und humanitären Verantwortung gerecht wird. Nicht mehr, aber auch nicht weniger! Warum dies u.a. so ist? Nun, ein Blick ins GG und ins deutsche Asylrecht könnte Ihnen da einen möglichen Erkenntnisgewinn bringen. Im Übrigen: In welchen Verträgen oder Gesetzen (um Ihre eigenen Worte aufzugreifen) wird explizit verboten, Flüchtlinge und Asylsuchende aufzunehmen?
Und, was Ihre Äußerung zu Pegida, AfD & Co. anbelangt: Sie scheinen "Respekt" mit "Mund-halten" und Wegducken zu verwechseln! Solches Gedankengut muss ich ganz bestimmt nicht akzeptieren oder sogar durch Schweigen gutheißen und werde dazu auch weiterhin meine Meinung sagen, sofern man mich hier lässt!

06.08.2018 20:41 Schrumpel 65

Sehr geehrter Herr Vahle, ich beziehe mich auf Ihren Beitrag Nr. 57 von 11.37 Uhr. Zunächst möchte ich anmerken, dass ich nichts gegen Herrn Kaiser oder seine Musik habe, im Gegenteil, einige Titel gefallen mir sehr gut. Unabhängig davon ist es auch sein gutes Recht seine Meinung zu sagen. Das sollten wir allen zugestehen, also auch denen, welche eine andere Meinung zu diesem Künstler haben, oder nicht? Wenn also hier jemand der Meinung ist, Pegida oder AFD sind gut für Deutschland, ist das die Meinung dieser Person und das haben Sie zu akzeptieren und zu respektieren. Wie sie allerdings in Ihrem letzten Abschnitt darauf kommen, dass unsere Nachbarländer dankbar sein müssten, weil wir Menschen aufnehmen, die diese Nachbarländer sonst hätten aufnehmen müssen, erschließt sich mir nicht. Nennen Sie mir bitte die internationalen Verträge, worin steht, dass welches Land auch immer, irgendwelche Menschen aufnehmen muss! Benennen Sie das bitte konkret mit Fakten und den jeweiligen Verträgen.

06.08.2018 19:05 Sachse43 64

@63: Verstehendes Lesen kann ja so schwierig sein!
Ich schrieb nicht, daß der Ronald Keiler im goldenem Käfig geboren wurde, sondern daß er darin sitzt. Und daraus zu fabulieren und seine Weisheiten zum besten zu geben ist unflätig. Manche sollten einfach sich auf die eine Gabe konzentrieren. Im übrigen ist es stark auffallend, daß sich solche Promis nur im Mainstream äußern, der kleine Peter aus Siebenbürgen, der dolle Till usw.usf..

06.08.2018 18:20 Ex - Thüringerin 63

Tja - @61. Sachse43 - wenn man als Kind von seiner minderjährigen Mutter vor einem Kinderheim ausgesetzt wird und die spätere Pflegemutter als Putzfrau in der Berliner SPD-Parteizentrale Willy Brandts Büro sauber hält. dann ist wohl eher nix mit "im goldenen Käfig mit goldenem Löffel im Mund", nicht wahr? - sein Bezug zur Partei kommt aus dieser Lebensphase mit den entspr. Erfahrungen und hat kaum etwas mit seinem gesellsch. Einsatz zu tun - den schätze ich trotz anderem Musikgeschmack.

06.08.2018 16:03 Markus Vahle 62

@ Sachse43 Nr. 61

Als peinlich, sogar oberpeinlich empfinde ich eher Ihren, um Sie selbst zu zitieren, "dummdreisten" Kommentar? Woher wollen Sie wissen, dass Roland Kaiser in einem "goldenen Käfig" sitzt? Nur, weil er evtl. als Künstler mit seiner Musik mehr verdient als Sie selber? Und wieso soll er deswegen automatisch keinen Bezug mehr zu den vermeintlich "normalen" Menschen haben? Und, dass er seinen Mund angeblich "dummdreist aufgerissen" hätte, kann ich auch nirgends feststellen, ich empfand seine Statement sogar eher als zutreffend und gemäßigt (im Gegensatz zu manchen undifferenzierten Anmerkungen hier!). Merke: Roland Kaiser ist zwar ein Künstler und Musiker. Er ist aber vor allem ein normaler Mensch und Bürger dieses Landes! Und als solcher darf er natürlich auch eine politische Meinung haben und diese auch kundtun! Seit wann haben Künstler hierzulande keine politische Meinung mehr zu haben? Wie mir scheint, sind Sie selber gefangen im Käfig Ihrer kruden Vorurteile!

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