29.01.2020 | 10:47 Uhr Semperopernball: Vereinsmitglied Aust kritisiert Ordensvergabe an al-Sisi

Das Moderatorenpaar Roland Kaiser und Judith Rakers droht mit Absage, Dresdens OB Dirk Hilbert überlegt, nicht zu kommen - die Verleihung des St.-Georgs-Orden im Rahmen des Semperopernballs an den ägyptischen Präsidenten al-Sisi hat heftige Kritik hervorgerufen. Aber wie kam es zu dieser Entscheidung? MDR SACHSEN hat mit Bernd Aust, Mitglied des Semperoperballvereins, gesprochen.

Bernd Aust
Bernd Aust ist Mitglied des Semperopernballvereins. Bildrechte: imago/Robert Michael

Herr Aust, wie kam es zur Entscheidung, dem ägyptischen Präsidenten al-Sisi den Orden zu verleihen?

Wir sind ja keine hundert Leute, wir sind – ich glaube – zehn Vereinsmitglieder. Und wir treffen uns viermal im Jahr. Mir war die Auszeichnung dieses Mannes so nicht bekannt. Aber das lag auch daran, dass ich bei der letzten Vereinssitzung nicht mit dabei war.

Jetzt überlegt Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert, die Teilnahme abzusagen. Wusste er nichts von dem Preisträger?

Der OB ist ebenfalls Vereinsmitglied. Wenn er die Mitgliederversammlungen nicht besucht, dann kann er natürlich auch nicht involviert werden.

Und Sie vermuten, dass er einfach nicht da war?

Ich weiß, dass er nicht da war. Der OB wusste es nicht. Aber er hätte es wissen müssen, wenn er seiner Vereinszugehörigkeitspflicht nachgekommen wäre.

Wie denken Sie selbst über die Entscheidung, al-Sisi den Orden zu geben?

Ich finde sie falsch. Aber Sie müssen bedenken, wir haben ungefähr 70 Orden in dieser Zeit verliehen. Und wir sind immer unter starkem Druck, jemanden zu finden. Aber nicht irgendjemanden - es soll natürlich auch ein paar Reibungspunkte geben. Diesmal ist es ein bisschen übers Ziel hinausgeschossen.

Nun ist es nicht die erste Kritik an der Vergabe des St.Georgs-Ordens. 2009 wurde beispielsweise Russlands Präsident Wladimir Putin geehrt. Auch da gab es kritische Stimmen.

Hier müssen Sie die Geschichte vollständig erzählen. Wladimir Putin wurde damals von Georg Milbradt vorgeschlagen. Daraufhin hatte sich Putin ein halbes Jahr nicht gemeldet. Russlands Präsident hatte damals auch im Bundestag gesprochen, ich kann mich noch erinnern, da war er unser Freund. In der Zwischenzeit hatte sich aber das Blatt gewendet. Und auf einmal stand Putin auf der Matte. Wir konnten ihn ja nun nicht ausladen.

Mancher denkt, dass hier Hans-Joachim Frey auch seine beruflichen Kontakte pflegt. Bei Putin wurde er Berater vom Bolschoi-Theater. Jetzt spricht man davon, dass Frey vielleicht in Ägypten beim Opernhaus mitmachen könnte. Wie sehen Sie so etwas?

Herr Frey ist Freiberufler. Er muss sich also darum bemühen, seine Brötchen zu verdienen. Und es kommt niemand zu jemanden nach Hause und sagt: 'Ich hab hier Geld. Brauchste was?' Aber das finde ich auch nicht gut. Ich wäre dagegen gewesen.

Nun hat sich Peter Theiler, der Intendant der Semperoper, gemeldet. Er distanziert sich und will nach dem Ball Gespräche mit dem Vereinsvorsitzenden Hans-Joachim Frey führen. Haben Sie Angst, dass die Semperoper sagt, wir wollen den Ball nicht mehr bei uns haben?

Wenn die Dresdner - und da gehört Herr Theiler dazu – den Ball nicht mehr wollen, dann wird eine sehr opulente Veranstaltung, die eine sehr große Wirkung im deutschsprachigen Raum hat, abgesetzt. Ich meine, die Semperoper verdient ein Heidengeld mit dem Ball. Und sie gibt uns ohnehin dieses Jahr nur noch die Hülle - die Staatskapelle spielt nicht mehr mit, der Opernchor, das Ballett ist nicht mehr dabei. Ich sehe das also ein bisschen gelassen. Aber es wäre für Dresden sehr schade.  

Quelle: MDR/ma

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 29.01.2020 | 07:46 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. Januar 2020, 10:47 Uhr

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