Geplanter Neubau Zwei Varianten für Eisenbahnstrecke Dresden-Prag

Bislang quälen sich Personen- und Güterverkehr auf der Strecke Dresden-Prag durchs enge Elbtal und sorgen teilweise für unzumutbare Lärmbelastungen. Dass es eine neue Eisenbahnstrecke geben wird, haben der Bund und Tschechien ja schon beschlossen. Auch, dass es einen Tunnel geben wird. Am Freitag nun das nächste Etappenziel: der Abschluss des Raumordnungsverfahrens.

ICE-Zug mit Neigetechnik der Deutschen Bahn bei Dresden
Die neue Strecke soll die Fahrzeit von Dresden nach Prag auf eine Stunde verkürzen. Bildrechte: MDR/L. Müller

Die Planungen für den Neubau der Eisenbahnstrecke von Dresden nach Prag werden konkreter. Denn mit dem Abschluss des Raumordnungsverfahrens sind der Deutschen Bahn entscheidende Vorgaben gemacht worden. Aus ursprünglich acht verschiedenen Streckenvarianten hat die Landesdirektion zwei Korridore festgelegt, die am verträglichsten für Mensch und Umwelt sein sollen.

Die erste Strecken-Variante sieht einen Teil-Tunnel von etwa 26 Kilometer Länge vor (in der Grafik rot gekennzeichnet). Die zweite Variante geht von einem Volltunnel innerhalb eines festgelegten Korridors aus (graue Markierung). Dieser Tunnel wäre dann rund 32 Kilometer lang.

Grafik der Router zweier Tunnelvarianten der Bahnstrecke von Dresden nach Prag zwischen Heidenau und der deutsch-tschechischen Grenze
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Bürgerinitiative noch nicht zufrieden

Übergabe des Raumordnungsverfahren zur Bahnstrecke durch das Elbtal
Regina Kraushaar übergibt die Ergebnisse der Prüfungen DB-Projektleiter Kay Müller. Bildrechte: Daniel Förster

Bei der Übergabe ihrer Beurteilung zum Raumordnungsverfahren an die Deutsche Bahn am Freitag erklärte die Präsidentin der Landesdirektion Sachsen, Regina Kraushaar: "Es gab acht Varianten. Aber am Ende muss man ganz klar sagen, die Korridor-Variante für den Volltunnel und die Variante G, diese teiloffene Variante, sind von der Raumverträglickeit - und das war ja das Anliegen dieses Raumordnungsverfahrens - zu bestätigen." Weit mehr als 5.000 Einwände gingen bei der Landesdirektion ein.

Praktisch bedeutet das: Die Bahn muss bei den weiteren Planungen zweigleisig fahren und sowohl eine Voll- als auch eine Teil-Tunnel-Strecke ernsthaft prüfen. Der Bürgerinitiative - die im Rahmen des Verfahrens fast 40.000 Unterschriften zugunsten einer Volltunnel-Variante gesammelt hat - reicht das nicht. Der Sprecher der Initiative "Basistunnel nach Prag" Steffen Spittler sagte MDR SACHSEN: "Wenn man konsequent gewesen wäre, seitens der Landesdirektion, seitens der Raumordnungsbehörde, hätte man das, was man auch selbst formuliert, nämlich dass die Raumverträglichkeit der Volltunnel-Variante am besten sind, in dem Gutachten so zum Ausdruck bringen müssen."

Deutsche Bahn will bis 2024 konkreten Streckenverlauf vorlegen

Die Deutsche Bahn als Bauherr hat sich bisher auf keine Vorzugs-Variante festgelegt. "Es gibt kein dafür oder dagegen", so Bahn-Projektleiter Kay Müller. "Was wichtig ist: Wir müssen dezidiert durchplanen, die Umwelt- und Lärmaspekte berücksichtigen. Erst wenn wir alles betrachtet haben, dann gibt es einen Vorzug. Aber derzeit haben wir keinen."

Bis zum Jahre 2024 will die Bahn nun den konkreten Streckenverlauf planen und dem Bundestag zur Abstimmung vorlegen.

Fertigstellung erst in den 2030er-Jahren

Die Strecke soll einen Engpass im Schienenverkehr zwischen Deutschland und Tschechien beseitigen. Mit einer Streckenführung außerhalb des Elbtals würden sich Reisezeiten erheblich verkürzen. Derzeit dauert die schnellste Verbindung von Dresden nach Prag knapp zweieinhalb Stunden, später soll es mal eine Stunde sein. Zu den Kosten gibt es bislang keine Angaben. Deutschland und Tschechien wollen dafür auch EU-Mittel eintreiben. Experten gehen davon aus, dass die Strecke frühestens Ende der 2030er-Jahre fertiggestellt werden kann.

Güterzug
Die Lärmbelastung im Elbtal soll deutlich sinken. Bildrechte: MDR/Lars Müller

Quelle: MDR/dpa/bj/bm

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 21.08.2020 | 17:00 Uhr in den Nachrichten
MDR SACHSENSPIEGEL | 21.08.2020 | 19:00 Uhr

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