10.05.2020 | 18:42 Uhr Lage im Karl-May-Museum Radebeul spitzt sich zu

Die überraschende Kündigung des Direktors des Radebeuler Karl-May-Museums zieht weitere Kreise. Jetzt melden sich auch die Belegschaft und der Förderverein zu Wort. Sie fordern den Rückzug des noch amtierenden Stiftungsvorstandes.

Villa Shatterhand - Karl Mays Haus und heutiges Karl-May-Museum in Radebeul.
Bildrechte: MDR/Dabdoub

Im Karl-May-Museum in Radebeul stehen die Zeichen auf Sturm. Nach dem überraschenden Ausscheiden des noch bis Ende des Monats amtierenden Direktors Christian Wacker und dessen schonungslose Offenheit über die Vorgänge hinter den Kulissen haben sich nun auch die Mitarbeiter und der Förderverein des Museums zu Wort gemeldet.

Neustart und Abwahl des "Restvorstandes" gefordert

Karl-May-Museum Radebeul - Indianerfigur, die Ausschau hält
Wie geht es weiter im Karl-May-Museum? Bildrechte: MDR SACHSEN

Sie entziehen dem noch aktiven Vorstand der Karl-May-Stiftung - sie ist Trägerin des Karl-May-Museums - das Vertrauen und fordern Konsequenzen. "Es wird höchste Zeit, dass endlich im Stiftungskuratorium Konsequenzen gezogen werden und der gesamte Restvorstand* im Interesse eines notwendigen Neustarts abgewählt wird", heißt es in einer Pressemitteilung des Fördervereins des Karl-May-Museums. Die Belegschaft wiederum kündigte geschlossen an, unter den gegebenen Umständen dem Museum nicht mehr dienen zu wollen.

Die geschehenen, aktuellen und eventuell auch zukünftigen Entscheidungen des Vorstandes veranlassen uns die Frage zu stellen, inwieweit unsere berufliche Zukunft noch im Karl May Museum liegt und wir mit unserem Engagement sowie unseren qualifizierten Fähigkeiten noch länger für die Karl-May-Stiftung zur Verfügung stehen.

Belegschaft Karl-May-Museum

Mitarbeiter gründen Betriebsrat

Inzwischen haben die 17 Mitarbeiter des Museums einen Betriebsrat gegründet. Sie fühlen sich von der Stiftung respektlos behandelt und stärken ihrem Noch-Chef Christian Wacker den Rücken. In den zwei Jahren, die der international anerkannte Museumsprofi im Karl-May-Museum war, habe er nicht nur den desolaten Zustand in Angriff genommen, sondern sei auch zum "sehr geschätzten Chef und Kollegen und guten Freund" geworden, heißt es in einem am Wochenende verbreiteten Schreiben.

Karl May und die Homosexualität

Karl May
Bildrechte: dpa

Darin gehen sie auch auf einen Punkt ein, den Wacker in seiner Begründung für den Weggang angesprochen hatte: Den unbedingten Versuch von Teilen des Stiftungsvorstandes, eine mögliche homosexuelle Neigung Karl Mays nicht öffentlich diskutieren zu lassen. Zuletzt wurde übereinstimmenden Aussagen zufolge aus diesem Grund ein Artikel im Museumsmagazin "Der Beobachter an der Elbe" nicht veröffentlicht. "Dass […] sorgt für uns als Team, das sich den Idealen Karl Mays von Weltoffenheit, Toleranz und freier Meinungsäußerung verpflichtet sieht, für absolutes Unverständnis. Wir als Belegschaft des Museums lehnen klar jegliche Form von Homophobie und Sexismus entschieden ab und sind über das Verhalten des Vorstandes mehr als erschüttert."

Förderverein sieht großen Schaden für das Museum

Der Förderverein des Museums bedauert die Kündigung Wackers und dankte ihm zugleich für seine Offenheit. "Das gibt endlich Einblick in die Arbeitsweise des Stiftungsvorstandes, die wir als Förderverein bisher leider nicht hatten."

Es ist schädigend für das Museum und für den Förderverein, dass vor diesen Hintergründen keine Kontinuität in der Museumsarbeit besteht. In den letzten 6 Jahren ist es nun zum dritten(!) Mal geschehen, dass der Leiter des Museums für seine Person die Reißleine rechtzeitig zieht oder plötzlich kommentarlos gekündigt wird (was auch jedes Mal mit immensen Kosten für das Museum verbunden war, die sicherlich besser verwendet werden konnten).

Förderverein Karl-May-Museum

Mobbing-Vorwürfe gegen den Stiftungsvorstand

Der Radebeuler Oberbürgermeister und Vorstandsmitglied Bert Wendsche wollte sich am Freitag auf Anfrage von MDR SACHSEN nicht weiter zu den Vorwürfen äußern. Er verwies auf eine außerordentliche Vorstandssitzung in der kommenden Woche.

Karl-May-Stiftung Die Karl-May-Stiftung wurde 1913 von Karl Mays zweiter Ehefrau Klara May gegründet. Sie kam damit dem testamentarischen Willen Mays nach. Die Stiftung ist Trägerin des Karl-May-Museums und Herausgeberin der Schriftenreihe. Seit 2007 ist die Stiftung neben dem Karl-May-Verlag und der Karl-May-Gesellschaft an der Herausgabe der Historisch-kritischen Ausgabe beteiligt.

Und so setzt sich das Gremium zusammen:

(Noch-)Geschäftsführer: Christian Wacker

Vorstand: Thomas Grübner (Vorstandsvorsitzender, ausgeschieden), Ralf Harder (Stellvertretender Vorstandsvorsitzender), Bert Wendsche (Oberbürgermeister Radebeul), Werner Schul (ausgeschieden), Klaus Voigt

Kuratorium: Robert Straßer (Präsident), Volkmar Kunze (Vizepräsident), Ekkehard Bartsch, Thomas Grafenberg, Henry Hasenpflug, Erich Homilius, Ingwert Paulsen, Michael Petzel, Joachim Sacher, Philipp Schall, Karsten Wagner, René Wagner, Helmut G. Walther, Marco Wanderwitz, Florian Schleburg Quellen: Homepage Karl-May-Museum, Magazin Karl May & Co.

Quelle: MDR/dk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 08.05.2020 | ab 17:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden

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