Katholische Kirche Dresdner Bischof für neuen Umgang mit Homosexualität

Der künftige Bischof des Bistums Dresden-Meißen, Heinrich Timmerevers,  im Kirchenschiff der Katholischen Hofkirche.
Am 29. April 2016 wurde Heinrich Timmerevers von Papst Franziskus zum 50. Bischof des Bistums Dresden-Meißen ernannt. Bildrechte: dpa

Der Dresdner Bischof Heinrich Timmerevers hat sich am Montag für eine Neupositionierung der katholischen Kirche beim Umgang mit Homosexualität ausgesprochen.

Es ist mir ein Anliegen, dass wir in unseren Gemeinden wie in der ganzen Kirche für Homosexuelle Akzeptanz und Toleranz weiterentwickeln und stärken.

Heinrich Timmerevers Katholischer Bischof des Bistums Dresden-Meißen im Interview mit der Katholischen Nachrichten-Agentur

Bischof für Segnung homosexueller Paare

Der Bischof sprach sich für eine Segnung homosexueller Paare aus, die die katholische Kirche bislang nicht erlaubt: "Man muss sich natürlich über die Form Gedanken machen. Aber grundsätzlich würde ich solch eine Öffnung begrüßen." Timmerevers erläuterte: "Die Frage ist doch: Was segne ich? Ich segne Menschen. Und wenn ein Mensch vor mir steht und um einen Segen bittet - wie kann ich diesen Segen verweigern? Ein Segen ist ja der Zuspruch Gottes." Zu unterscheiden davon sei, dass er "mit solch einem Segen ja nicht alles 'absegne' und gut finde, was diese Menschen tun". Da müsse man sehr differenziert hinschauen.

Zwei Seelsorger für Homosexuellen-Seelsorge im Bistum Dresden-Meißen

Timmerevers hatte unlängst in seinem Bistum zwei Seelsorger eigens für die Homosexuellen-Seelsorge beauftragt. "Ich weiß durchaus, dass eine Integration von Homosexuellen und mein jetziges Bemühen darum in unserer Kirche nicht von allen mitgetragen wird", so der katholische Geistliche. Er glaube, viele Bischöfe und Seelsorger fänden es befremdlich, weil sie vielleicht auch keine Berührungspunkte hätten. "Dadurch, dass ich es jetzt anstoße, kann ja auch ein Prozess des Nachdenkens angestoßen werden."

Ein Mann in einer Kirche
Bischof Heinrich Timmerevers will Pfarreien und Bischofskonferenz zum Umdenken bewegen. Bildrechte: SACHSEN FERNSEHEN

Appell an Pfarreien und Bischofskonferenz

Das müsse auf allen Ebenen geschehen, in den Pfarreien wie in der Bischofskonferenz.

Und nicht zuletzt muss sich meines Erachtens die katholische Kirche da neu positionieren: Wie gehen wir mit Gleichgeschlechtlichen in unserer Pastoral um, und wie bewerten wir das?

Heinrich Timmerevers Bischof des Bistums Dresden-Meißen

Timmervers verwies auf Gespräche mit homo- und transsexuellen Christen in seinem Bistum, die ihm ihre Lebens- und Glaubensgeschichten erzählt hätten. "Das hat mich sehr nachhaltig bewegt, weil ich gemerkt habe, welch ein Ringen da bei vielen stattfindet. Sie wollen Christen sein und ihren Glauben auch in der Kirche leben. Und in diesem Ringen will ich diese Menschen nicht alleine lassen", so der Bischof.

Zur Person Heinrich Timmerevers trat nach seinem Theologiestudium in das Bischöfliche Priesterseminar Münster ein. Im Jahr 1980 emfping er seine Priesterweihe durch Bischof Reinhard Lettmann im Dom zu Münster. 1984 berief Lettmann ihn zum stellvertretenden Leiter am Theologenkonvikt Collegium Borromaeum in Münster und zum Domvikar. Von 1989 bis zu seiner Bischofsweihe 2001 war Timmerevers Pfarrer in Visbek. Anschließend wurde er Bischöflicher Offizial - Vorsteher des Kirchengerichts - in Vechta.

Timmerevers war von 2001 bis 2009 in der Deutschen Bischofskonferenz Mitglied der Jugendkommission. Seit 2005 ist er Mitglied der Kommission für geistliche Berufe und kirchliche Dienste. Im Jahr 2008 wurde Timmerevers Vorsitzender der Arbeitsgruppe "Institute des geweihten Lebens". Die Bischofskonferenz berief ihn 2012 zum Bundesseelsorger des Malteser Hilfsdienstes. Am 29. April 2016 ernannte ihn Papst Franziskus zum 50. Bischof des Bistums Dresden-Meißen. Seine Amtseinführung fand am 27. August desselben Jahres statt.

Quelle: MDR/sw/KNA

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 28.09.2020 | 16:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden

13 Kommentare

Critica vor 4 Wochen

Ach Maria, das Zölibat scheint viele Menschen aufzuregen. Mich nicht. Wer nicht zölibatär leben will, muss ja nicht Priester werden. Und ich werde den Teufel tun und mich für die Abschaffung des Zölibats einsetzen. Das sollen die Betroffenen mal schön selber machen - wenn sie es denn wirklich wollen :).

Critica vor 4 Wochen

Mensrea, ich habe meinen Kommentar durchaus ironisch gemeint, möchte aber noch ergänzen. Jahrhundertelang hat die Kirche verdeckt, dass Homosexuelle in Klöstern und im "Zölibat" Unterschlupf fanden und alle Anfragen abgewiesen. Jetzt, wo die Menschen dies nicht mehr glauben, will Kirche plötzlich als die "Toleranten" dastehen. Da sträubt sich mein Gefieder.

Gohliser84 vor 4 Wochen

Lieber Herr Bischof,
ein Zeichen der Hoffnung und ein (kleiner) Schritt in die Zukunft! Vielen Dank für Ihren Mut, sich zu diesem umstrittenen Thema zu positionieren. Die ablehnende und verurteilende Haltung der Kirche bzw. mancher Kirchengänger gegenüber Homosexuellen und der LGBTQ*-Community ist für junge Christen wie ich realitätsfremd und nicht mit dem christlichen Glauben zu vereinbaren.


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