Dienstags direkt Interview mit Blogger Mister Matthew: "Soziale Netzwerke sind wie das wahre Leben"

Der Dresdner Modeblogger Mister Matthew ist am 5. März zu Gast in der Sachsenradio-Sendung "Dienstags direkt". Seit 2014 schreibt er über Mode für Männer und gibt in den sozialen Netzwerken Einblicke in seinen Alltag. Verstellen möchte sich der 22-Jährige nicht. Für ihn ist Authentizität der Schlüssel zum Erfolg.

Der Blogger Mister Matthew ist am 05.03.19 zu Gast bei "Dienstags direkt".
Mister Matthew vor der Dresdner Stadtsilhouette. Bildrechte: Vanessa Thiel Photography für www.mister-matthew.de

Die Modewelt gilt als oberflächlich. Ähnlich ist das in den sozialen Netzwerken. Passt deshalb beides so gut zusammen?
Ich würde nicht sagen, dass sie deshalb gut zusammenpassen. Sowohl Mode als auch die sozialen Netzwerke sind nicht zwangsläufig oberflächlich. Es kommt drauf an, was jeder daraus macht. Wichtiger ist mir ein anderer Punkt: Die sozialen Netzwerke haben die Modewelt demokratisiert. Während noch vor 15 Jahren ein Designer die Trends diktatorisch von oben vorgegeben hat, ist das heute anders. Jeder kann sich über das Internet beteiligen und zeigen, was für ihn Mode ist.

Allerdings zeigen sich bei Instagram & Co. viele nur von ihrer besten Seite. Ist diese Inszenierung notwendig, um Erfolg zu haben oder geht es auch anders?
Das sehe ich nicht so. Nicht jeder zeigt sich von seiner besten Seite. Ich selbst mache bereits Instastorys, wenn ich früh im Bett liege oder gerade meine erste Tasse Kaffee trinke. Zu diesem Zeitpunkt bin ich noch nicht gestylt. Ähnlich ist das ja mit Instagrambildern oder -storys von Modeevents. Man hat die Chance, einmal hinter die Kulissen zu blicken und sieht, dass gerade nicht alles Hochglanz ist, sondern die Veranstaltungen mit jeder Menge Stress verbunden sind und auch mal was schief geht. Die Modewelt insgesamt profitiert davon, weil die Leute die perfekte Inszenierung satt haben.

Ganz wegdiskutieren lässt sich die Scheinwelt allerdings nicht. Manche Nutzer werden dadurch sogar traurig oder deprimiert, weil sie anfangen, sich mit den scheinbar idealen Menschen im Internet zu vergleichen. Was kann man dagegen tun?
Für mich ist das kein Problem, das ausschließlich mit dem Internet zusammenhängt. Wer im "richtigen" Leben nur Leute um sich schart, denen nur materielle Dinge wichtig sind und die sich nur im Hochglanzmodus präsentieren, dem kann das auch passieren. Sollte jemand bei Facebook, Instagram oder Blogs dieses Problem haben, dann sage ich: Jeder hat es in der Hand. Im Netz, aber auch im richtigen Leben, gibt es eine einfache Lösung: Leuten, die einen unglücklich machen, sollte man nicht mehr folgen. Stattdessen kann man ja auch Tiervideos abonnieren. 

Der Blogger Mister Matthew ist am 05.03.19 zu Gast bei "Dienstags direkt".
Mit seinem Blog hat sich der Dresdner erfolgreich eine Nische gesucht. Bildrechte: Vanessa Thiel Photography für www.mister-matthew.de

Es scheint, dass für Sie die Grenze zwischen digitaler und analoger Welt fließend verläuft. Ist dieser Eindruck richtig?
Ich ziehe die Grenze gar nicht. Für mich gehört das digitale Leben zum Alltag. Ich setze auch keine Maske auf, sondern bin im Internet so wie im richtigen Leben. Das ist auch wichtig, denn manche scheitern daran, dass sie sich eine Scheinwelt aufbauen und dann mit der Realität nicht mehr klarkommen.  

Wie viel Arbeit ist notwendig, damit einen im Netz jemand wahrnimmt?
Das kann man pauschal nicht sagen. Es kommt drauf an, was man macht. Lohnenswert ist es, wenn man sich eine Nische sucht. In meinem Fall gab es beispielsweise vor vier, fünf Jahren noch keine Plattform für Männermode. Neue Webseiten für Frauenmode hatten es da deutlich schwerer. Allerdings gilt eines in jedem Fall: Die Qualität der Inhalte muss stimmen. Außerdem müssen sie relevant für die Zielgruppe sein.

Interview: Stephan Hönigschmid

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 05.03.2019 | 20:00 bis 23 Uhr bei Dienstags direkt

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Zuletzt aktualisiert: 03. März 2019, 11:14 Uhr

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6 Kommentare

03.03.2019 20:26 zeitzeichen 6

Geht dieser Mensch auch einer vernünftigen Beschäftigung nach ?

03.03.2019 18:44 Wo ist das Lobbyregister? 5

@03.03.2019 14:46 Max W.

(Mit der Weltsicht eines Fünfjährigen mag das stimmen...
Ansonsten "polarisiert" der in etwa so wie ein neues Etikett auf meiner Lieblingsnudelsosse.)

+1 - ich hatte diese intellektuelle Zumutung heute mittag weit krasser kommentiert, aber das hat wohl gegen die "Kommentarrichtlinien" verstossen. Ich gehe übrigens davon aus, dass ein Fünfjähriger bereits unterfordert wäre mit diesem geschäftsanbahnenden und wichtigtuerischen Gelaber.

03.03.2019 14:46 Max W. 4

@02.03.2019 20:56 Tom Steller (Er polarisiert schon seit einigen Jahren, habe ihn durch die Burka Aktion entdeckt. Schlauer kleiner Kerl ... ;-))

Mit der Weltsicht eines Fünfjährigen mag das stimmen...
Ansonsten "polarisiert" der in etwa so wie ein neues Etikett auf meiner Lieblingsnudelsosse.

02.03.2019 20:56 Tom Steller 3

Er polarisiert schon seit einigen Jahren, habe ihn durch die Burka Aktion entdeckt. Schlauer kleiner Kerl ... ;-)

02.03.2019 20:12 Dr.Benjamin Clemens 2

Manche Narren setzen zu Fasching ihre Masken ab, denn die Maske vor dem Gesicht
verhindert eine deutliche Sicht!!!!

02.03.2019 18:37 jackblack 1

Wer es braucht ????

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