22.01.2020 | 18:33 Uhr Komplizierte Suche nach Blindgängern auf Sportplatz der TU Dresden

Auf einer Fläche sind zahlreiche kleine Erdhügel, aus denen Eisenrohre ragen, dahinter stehen Baumaschinen.
Bildrechte: MDR/Tino Plunert

Der Kampfmittelbeseitigungsdienst sucht seit zwei Monaten einen großen Sportplatz der Technischen Universität Dresden nach Blindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg ab. Wie das Sächsische Immobilien- und Baumanagement mitteilte, wurden bisher keine alten Bomben auf der sogenannten Verdachtsfläche gefunden. Dennoch werde das restliche Gelände des rund 15.000 Quadratmeter großen Platzes mit der bisherigen akribischen Methode abgesucht. Dabei werden im Abstand von anderthalb Metern insgesamt rund 7.500 neun Meter tiefe Löcher gebohrt und darin Rohre versenkt. Durch sie werden Sonden in die Tiefe gelassen, die eisenhaltige Metallgegenstände in ihrer Umgebung erfassen. Die Spitzen der Bohrer sind übrigens stumpf und würden im Ernstfall keinen Blindgänger beschädigen oder gar zur Explosion bringen.

Lieber bohren als baggern

Aus Schutt- und Erdhügeln ragen Eisenrohre.
Bildrechte: MDR/Tino Plunert

Grund für diesen Aufwand sind die komplizierten Bodenverhältnisse. Nach Kriegsende wurde auf dem Gelände jeder mögliche Schutt abgeladen. Darauf wurde später der Sportplatz angelegt. Er befindet sich deshalb mehr als drei Meter über dem damaligen Bodenniveau. Fliegerbomben wiederum können sich bis zu sechs Meter tief in den Boden gebohrt haben. Also muss bis in neun Meter Tiefe nach ihnen gesucht werden. Die übliche Sondierung war aber nicht möglich - die dicke Schuttdecke verursachte zu viele Anomalien. Deshalb hieß es also: entweder bohren und Sonden hinablassen oder die gesamte Fläche neun Meter tief ausbaggern.

Bombensuche verdoppelt Baukosten

Auf einer Fläche sind zahlreiche kleine Erdhügel, aus denen Eisenrohre ragen, dahinter stehen Baumaschinen.
Bildrechte: MDR/Tino Plunert

Nun sind also jede Menge "Maulwurfshügel" zu sehen, aus denen Rohre ragen. Über diese werden die Löcher auch wieder verfüllt, allerdings nicht mit dem zuvor herausgeholten Erde-Schutt-Gemisch, sondern mit sogenanntem Flüssigboden, der in die vielen vorhandenen Ritzen und kleinen Hohlräume gelangt und damit die derzeit schlechte Tragfähigkeit des Bodens deutlich verbessert. Danach entsteht auf der Fläche wieder ein Sportplatz. Die Gesamtkosten sind immens: Selbst wenn keine Bombe gefunden wird, kosten sämtliche Arbeiten rund 2,5 Millionen Euro. Die Hälfte davon geht für die Bombensuche drauf. Diese soll Mitte Mai beendet sein. Der fertige Sportplatz kann voraussichtlich im September wieder von der TU Dresden genutzt werden.

Quelle: MDR/stt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 21.01.2020 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Januar 2020, 18:33 Uhr

1 Kommentar

DER Beobachter vor 4 Wochen

Klingt nach zukünftigen Bauplänen bzw. Experimenten zur zukünftigen Erschliessung belasteter Flächen?

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