Mitglieder der  Bundespolizei bei Turn- und Fitnessübungen in einem Turnstudio.
Annabell leitet die jungen Sportler beim Training an. Die Bundespolizistin ist Sportinteressierten durch die Youtube-Serie "Fit wie die Bundespolizei" bekannt. Bildrechte: MDR/Katrin Tominski

Ausbildung Wie bitte geht's zur Bundespolizei?

Die Bundespolizei will im nächsten Jahr etwa 2.000 Ausbildungsplätze besetzen. Tausende Jugendliche bewerben sich jedes Jahr, doch nicht alle bestehen die harten Eignungstests. Um geeignete Bewerber zu finden, hat die Bundespolizei in Dresden zur Sportstunde geladen.

Mitglieder der  Bundespolizei bei Turn- und Fitnessübungen in einem Turnstudio.
Annabell leitet die jungen Sportler beim Training an. Die Bundespolizistin ist Sportinteressierten durch die Youtube-Serie "Fit wie die Bundespolizei" bekannt. Bildrechte: MDR/Katrin Tominski

Wie bitte geht's zur Polizei - genauer gesagt zur Bundespolizei? Was nach einer einfachen Frage aussieht, birgt verschiedene Aspekte und auch Stolpersteine. Einige Bundespolizisten verbrachten ihre Arbeitszeit deswegen gestern nicht an Flughäfen, Bahnhöfen oder bei Grenzkontrollen sondern im "Ai-Fitnesscenter" in Dresden. Für die Aktionstour "Fit wie ein Bundespolizist" luden die bekannten Youtube-Bundespolizisten Annabell und Mert zu zwei Sportstunden ein. "Als Polizist muss man fit und den körperlichen Belastungen gewachsen sein", erklärte Mert. Ziel sei es, potenzielle Bewerber über die sportlichen Anforderungen aufzuklären und sie auf den mehrstufigen Einstellungstest vorzubereiten. "Sport ist in der Ausbildung ein essentieller Baustein", sagte der Bundespolizist. Er war bis vor zwei Jahren noch selbst in der Ausbildung und arbeitet jetzt am Flughafen in Frankfurt am Main.

Bundespolizei als eigenständige Behörde oft unbekannt

Über 50 Jungen und Mädchen kamen in das Dresdner Fitnesscenter, um die analogen Sportstunden der "Youtube-Bundespolizisten" kostenfrei zu erleben. "Wir suchen Nachwuchs für den mittleren und gehobenen Dienst ", erklärte Simon Hegewald vom Bundespolizeipräsidium in Potsdam. Zwar gehöre die Polizei mit zu den beliebtesten Arbeitgebern. Doch vielen Jugendlichen sei die Bundespolizei als eigenständige Behörde nicht bekannt. "'Fit wie ein Bundespolizist' war eigentlich eine Youtube-Serie, jetzt geben wir analoge Sportstunden ", sagte Hegewald, der zuständig für Nachwuchswerbung ist.

Etwa 2.000 Stellen für 2019

Etwa 21.000 Bewerber haben sich laut Hegewald im vergangenen Jahr bei der Bundespolizei beworben. Etwa 2.400 junge Menschen haben schließlich ihre Ausbildung begonnen. Im kommenden Jahr 2019 will die Bundespolizei nun erneut 2.000 Ausbildungsplätze besetzen. "Der Bundestag hat weitere Stellen freigegeben", sagte Hegewald. "Wir befinden uns in einer Einstellungsoffensive." Die Aufgaben seien zahlreicher geworden. Einerseits würden rund um das Thema Migration mehr Polizisten benötigt. Anderseits verantworte die Bundespolizei jetzt eine neue gegründete Einheit für Spezialkräfte - darunter die Elitespezialeinheit GSG9 – und sei zudem für den Schutz der deutschen Goldreserven verantwortlich, die vorher in den USA und Paris lagerten.

Psychische Fähigkeiten allein reichen nicht

Doch wenn sich so viele Menschen bewerben, warum muss die Bundespolizei dann durch die Fitnessstudios der Großstädte ziehen?  "Der demographische Wandel macht auch vor uns nicht halt", erklärte Hegewald. Zudem sei die Konkurrenz aus der Wirtschaft groß.

Mitglieder der  Bundespolizei bei Turn- und Fitnessübungen in einem Turnstudio.
Mert während der Sportstunde der Bundespolizei im Dresdner Fitnesscenter. Bildrechte: MDR/Katrin Tominski

"Die Frage ist: wie bekommen wir effektiv fitte Bewerber", erklärt Mert. "Bei uns bekommen Anwärter Tipps, wie sie sich optimal auf den Sporttest vorbereiten können." Zudem würden Einstellungsberater im persönlichen Gespräch herausfinden, ob sich potenzielle Bewerber überhaupt für den Job eignen würden. "Manche bringen ideale psychischen Fähigkeiten und Charaktereigenschaften mit, aber ihnen fehlt das Körperliche." Ob das durch Training aufgeholt werden könne, sei beispielsweise Inhalt der Beratungen. Zudem müssten die Anwärter mit Stress umgehen können. "Zwölf-Stunden-Schichten sind keine Seltenheit", erklärt der junge Polizist. "Man sieht seine Kollegen mehr als alle anderen Menschen. Das Team wird zur zweiten Familie."

Marius aus Radebeul ist nach der Sportstunde noch unentschlossen. "Ich muss mich noch entscheiden, ob ich mich bei der Bundes- oder Landespolizei bewerbe. Ob ich lieber sesshaft sein oder in ganz Deutschland eingesetzt werden möchte", sagte der junge Mann, der gerade sein Fachabitur absolviert. "Mein Wunsch ist es, später zur SEK oder zur GSG zu gehen." Besonders reize ihn der Sport. Mit Waffen habe er allerdings noch keine Erfahrung.

Bundespolizei Die Bundespolizei entstand 2005 durch die Umbenennung des 1951 gegründeten Bundesgrenzschutzes. Sie ist für die Sicherheit an Grenzen, Flughäfen und Bahnhöfen zuständig. Sie stellt zudem die Küstenwache und ist im Ausland tätig. "Etwa 400 Beamte arbeiten in etwa 80 Ländern der Welt", erklärte Bundespolizist Hegemann. Derzeit unterstützen Polizisten unter anderem die Grenzsicherung in Griechenland. Zudem habe die Bundespolizei "die größte zivile Hubschrauberflotte Europas". "Wir fliegen regelmäßig die Kanzlerin und viele andere Politiker", sagte Hegemann.

Mitglieder der  Bundespolizei bei Turn- und Fitnessübungen in einem Turnstudio.
Etwa 50 Jugendliche trainierten mit der Bundespolizei im Fitnesscenter. Bildrechte: MDR/Katrin Tominski

Quelle: MDR/kt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 08.11.2018 | ab 15:00 Uhr in den Regionalnachrichten

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Zuletzt aktualisiert: 08. November 2018, 19:56 Uhr

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