07.05.2020 | 20:58 Uhr Karl-May-Museum: Direktor Wacker schmeißt nach zwei Jahren hin

Christian Wacker
Der gebürtige Münchner Christian Wacker lehrte in Deutschland, Griechenland und Brasilien und organisierte mehr als 30 Ausstellungen. 2008 übernahm er als Gründungsdirektor das Sporthistorische Museum von Katar in Doha. Bildrechte: Christian Wacker

Das Karl-May-Museum in Radebeul braucht erneut eine neue Führung. Wie die Karl-May-Stiftung am Donnerstag mitteilte, verlässt Museumsdirektor und Geschäftsführer Christian Wacker nach nur zwei Jahren das Museum. Wacker, der zugleich Geschäftsführer der Karl-May-Stiftung war, habe um eine vorzeitige Aufhebung seines Vertrages zum 31. Mai 2020 gebeten. Er werde zum 1. Juni eine neue Tätigkeit im Kulturmanagement aufnehmen, hieß es weiter. Weitere Hintergründe wurden nicht mitgeteilt. Wie der Radebeuler Oberbürgermeister Bert Wendsche auf Anfrage von MDR SACHSEN mitteilte, berät der Stiftungsvorstand derzeit über eine Interimslösung.

Inhalte wurden überarbeitet und das Museum erschließt zunehmend jüngere Zielgruppen mit erlebnisorientierten Programmen und Events. Die Vision für ein neues und zukunftsfähiges Karl-May-Museum wurde von Herrn Wacker weiterentwickelt und einer Umsetzung nähergebracht.

Vorstand Karl-May-Stiftung

Grünen-Stadtrat: Ausscheiden Wackers war absehbar - Neubau bisher ein "Luftschloss"

Gunther Schoß
Das Karl-May-Museum braucht nach nur zwei Jahren wieder einen neuen Häuptling. Bildrechte: MDR/Michael Schöne

Martin Oehmichen, der für die Grünen im Radebeuler Stadtrat sitzt, hat einen Weggang Wackers bereits seit längerem befürchtet. "Dass Herr Wacker sein Amt aufgibt, ist für mich nicht überraschend", so Oehmichen im Gespräch mit MDR SACHSEN. "Das hatte sich in den letzten Wochen und Monaten angedeutet."

Der Grünen-Politiker hält vor allem das schleppende Vorgehen um den geplanten Neubau für einen möglichen Grund, warum Wacker dem Museum nun den Rücken kehrt. Seit 2016 stehen dem Museum demnach Bundesmittel in Höhe von vier Millionen Euro in Aussicht. Diese fließen aber nur, wenn sich Land und Sitzgemeinde zu gleichen Teilen daran beteiligen und das Museum Eigenmittel aufbringt. Darauf habe Wacker mehrfach hingewiesen. "Aber wie sich herausstellt, sind die Fördermittel für diesen Neubau nicht mal beantragt, weder bei der Stadt noch beim Land. Wir reden hier also über ein Luftschloss. Dann wirft ein Direktor eben auch mal hin."

Oehmichen hofft, dass sich die Stiftung, sobald ein neuer Museumschef gefunden ist, "auch mal bewegt". Andernfalls drohten die Bundesmittel mit dem Ende der Legislaturperiode 2021 zu verfallen. Schlimm sei die Situation vor allem für die Mitarbeiter, so Oehmichen.

Herr Wacker hat einen absolut neuen Wind in das Karl-May-Museum reingebracht. Der hat ganz viele tolle Ideen gehabt und ein tolles Team aufgebaut. Ich hoffe, dass viele seiner Ideen trotzdem umgesetzt werden.

Martin Oehmichen Stadtrat Bündnis 90/Grüne in Radebeul

Viele Pläne für die Zukunft

Kind guckt in einen Schaukasten im Karl-May-Museum Radebeul
Um jüngere Zielgruppen zu erschließen, wurde im Karl-May-Museum viel modernisiert. Bildrechte: MDR/Mandy Schalast-Peitz

Der Archäologe Wacker hatte im April 2018 sein Amt angetreten. Zuvor war nach dem Weggang von René Wagner der Direktorenposten vier Jahre vakant. Kurz vor Wackers Amtsbeginn hatte sich die Stiftung zudem von der kaufmännischen Direktorin Claudia Kaulfuß getrennt. Über die Gründe war Stillschweigen vereinbart worden.

Wacker selbst wollte das Museum, das mit sinkenden Besucherzahlen zu kämpfen hatte, auf ein neues Level heben. Besonders wichtig war ihm, den Friedensgedanken und die pazifistische Grundeinstellung Karl Mays stärker nach außen zu tragen. Kleine Kabinettsausstellungen, WLAN im Museumsgelände und eine Mehrsprachen-App sollten unter anderem dazu beitragen, das Museum für die Zukunft fit zu machen.

Neubau für zehn Millionen Euro geplant

Das Museumsareal rund um das ehemalige Wohnhaus des Abenteuerschriftstellers Karl May (1842-1912) soll um einen prominenten Neubau erweitert werden. Die Kosten sind mit rund zehn Millionen Euro veranschlagt. Im neuen Gebäude soll die Dauerausstellung über die Indianer Nordamerikas präsentiert werden. Der Baustart war eigentlich für 2021 vorgesehen, ist aber nach wie vor offen. Im September 2019 hatte Wacker erklärt, das neue Museum solle bis spätestens 2025 fertig sein.

Quelle: MDR/dk/epd

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 07.05.2020 | ab 16:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden

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