23.12.2019 | 18:56 Uhr | Update 18.000 Menschen hören vor Frauenkirche Dresden Aufruf zu Frieden und Mut

Vesper
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Rund 18.000 Menschen haben in Dresden die traditionelle Vesper vor der Frauenkirche gefeiert. Die Predigt im Gottesdienst unter freiem Himmel hielt der frühere sächsische Landesbischof Jochen Bohl. Darin rief er zum friedlichen und respektvollen Miteinander auf und kritisierte das "Wiedererwachen des Antisemitismus". Vor zehntausenden Zuhörern fragte Bohl: "Haben wir denn unsere Lektion nicht gelernt, als die Frauenkirche in Trümmern lag? Wir wissen doch, wie das Unheil begann, als die einen sich überhöhten und auf andere Menschen herab sahen und zu Gewalt griffen - erst gegenüber Juden, dann gegenüber den Völkern Europas." Jeder solle in seinem Alltag zu Frieden beitragen.

Ich habe die Vesper schon im Fernsehen mitverfolgt, aber einmal wollte ich auch dabei sein.

Uwe Schulz Besucher aus Königs Wusterhausen
Am 23.12.2019 ist Uwe Schulz das erste mal abends in Dresden und besucht den open-Air-Gottesdienst in Dresden. Seine Partnerin Martina Greis in rotem Mantel begleitet ihn.
Uwe Schulz (re.) freute sich am Montagabend auf seine erste Vesper vor der Frauenkirche, er war extra aus Brandenburg angereist. Bildrechte: Kathrin König

Es ist bereits die 27. Weihnachtliche Vesper vor der Frauenkirche. Die Veranstaltung auf dem Dresdner Neumarkt gilt als der größte regelmäßig stattfindende Open-Air-Gottesdienst in Deutschland. Seit 1993 feiern die Dresdner diese besondere Vesper einen Tag vor dem Heiligen Abend.
Das erste Mal dabei war Uwe Schulz. Er hatte mit seiner Partnerin extra eine Übernachtung in Dresden gebucht, um sich die Vesper anzusehen. "Die Andacht gibt es ja schon seit 1993. Wenn sich das so lange hält, muss es etwas Besonderes sein." Schulz hoffte am Montagabend, dass die Vesper im Laufe der Jahre nicht zu touristisch geworden ist, wenn Besucher wie er kämen.

Wir treffen hier nette Freunde, singen in Gemeinschaft. Es ist einfach ein Muss für uns.

Kathrin Wilhelm Dresdnerin
Familie wilhelm aus Dresden kommt jedes Jahr auf dne Neumakrt zur Vesper vor der Frauenkirche. Mutter Kathrin Wilhelm (Mitte) muss weder Ehemann noch Tochter überzeugen. Alle sagen: Für uns ist das ein Muss und eine Tradition.
Familie Wilhelm aus Dresden kommt jedes Jahr am 23. Dezember auf dne Neumarkt und feiert die Vesper mit Familienangehörigen und Freunden. Bildrechte: Kathrin König

Die Sorge konnte ihm Dresdnerin Kathrin Wilhelm nehmen. "Die Vesper ist für viele Dresdner ein Muss und eine Tradition, aber kein Tourismusspektakel. Wenn Touristen kommen, dann freuen wir uns darüber", sagte sie. Wie oft die Wilhelms schon an einem 23. Dezember auf dem Neumarkt zur Vesper mitgesungen haben, konnten sie nicht genau beziffern. "Wir waren dabei, als die Kirche aus den Trümmern gewachsen ist. Der Gottesdienst ist immer etwas ganz Besonderes."

Frieden beginnt im Kleinen. Es geht um Respekt, gutes Miteinander und Anstand.

Michael Kretschmer Ministerpräsident Sachsen

Dass während einer Andacht Ministerpräsident Michael Kretschmer ein Grußwort spricht, passiert auch nicht jeden Sonntag. Vor der Frauenkirche zitierte der CDU-Politiker nochmals die Jahreslosung 2019: "Suche Frieden und jage ihm nach!" Dann sagte er: "Unsere Haltung und unser Handeln bestimmen, wie gut wir zusammenleben", sagte Kretschmer. Er erinnerte die Zuhörenden an die Kraft und Energie, mit der in den vergangenen 30 Jahren seit dem Mauerfall Aufbauarbeit geleistet wurde. Zugleich wünschte er sich, dass "kein anständiger Mensch schweigend zuhören" dürfe, wenn Hetzer und Rassisten Reden schwingen und die Gesellschaft spalteten. Für das neue Jahr wünschte Kretschmer allen Sachsen Mut und Zuversicht, dass "sie aufeinander zugehen und das Gespräch suchen".

Quelle: MDR/dk/kk/epd

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR FERNSEHEN| 23.12.2019 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Dezember 2019, 18:57 Uhr

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