05.06.2020 | 16:01 Uhr Weiße Flotte will sich in Eigenverwaltung durch Insolvenz manövrieren

Der Schaufelraddampfer Pillnitz 2013 auf der Elbe in Königstein
Bildrechte: imago/Hohlfeld

Die Sächsische Dampfschiffahrt (SDS) will das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung ohne Insolvenzverwalter gestalten. Einen neuen Investor oder Geldgeber hat das Unternehmen bislang nicht finden können. Die eigenverantwortliche Insolvenz soll die Arbeitsplätze sichern helfen. Der Betrieb geht weiter, die Dampfer fahren nach Plan, hieß es am Freitag. Nun soll die seit 2019 laufende Sanierung fortgesetzt werden, teilte das Unternehmen mit.

Corona war für uns ein Tiefschlag. Wir haben viele Jahre daran gearbeitet, die Dampfschiffahrt wetterunabhängiger zu machen. Das ist uns gelungen und wir waren fast durch mit dem Thema. Dann kam Corona.

Jeffrey Pötzsch Geschäftsführer

Einnahmeausfälle und fehlende staatliche Hilfen

Für die aktuelle Lage der Dampfschiffahrt und die Kursänderung nannte die SDS die Einnahmeausfälle durch die Corona-Pandemie als einen Grund. Zudem habe das Unternehmen keine staatlichen Hilfen bekommen. Die Sächsische Aufbaubank hatte einen Kredit nicht gewährt, was die finanzielle Krise der Dampfschiffahrt verstärkt hatte. Das Amtsgericht Dresden bestellte den Dresdner Rechtsanwalt Frank-Rüdiger Scheffler zum vorläufigen Sachverwalter. Ab sofort gehört der Sanierungsexperte Burkhard Jung zur Geschäftsführung.

Was bedeutet ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung? Die Eigenverwaltung ist ein Instrument der Unternehmenssanierung, der Unternehmensrettung.
Bei der Insolvenz in Eigenverwaltung behält das Unternehmen als Schuldner die Verfügungsgewalt und kann weiter selbst handeln.
Statt einem Insolvenzverwalter bestimmt das Insolvenzgericht einen Sachwalter, der jedoch nur eine Kontroll- und Aufsichtsfunktion innehat.
Der größte Vorteil ist, dass Verfügungsgewalt und Kontrolle bei der Geschäftsführung verbleiben.

Quelle: VFR, Verlag für Rechtsjournalismus

Jung unterstützt das Unternehmen bereits seit Ende 2019. Zur aktuellen Lage sagte er:

Die Corona-Schäden, die die Gruppe hat hinnehmen müssen, waren so erheblich, dass es keine im rechtlichen Rahmen mögliche Finanzierungshilfen gab, die das hätten auffangen können. Wir haben uns deswegen dazu entschieden, den Insolvenzantrag zu stellen.

Burkhard Jung Sanierungsgeschäftsführer SDS

Er gab sich am Freitag optimistisch, dass sich für die Sanierung der Dampfschiffahrt noch Geldgeber finden werden. "Es melden sich schon Investoren. Das ist nicht ungewöhnlich", so Jung.

Hilfeaufruf ans Land und alle Sachsen

Die Geschäftsführung erhofft sich einen stärkeren Einsatz des Landes zum Erhalt der Flotte. Und: "Der zweite Wunsch richtet sich an alle Dresdner und Sachsen, die hier unterwegs sind. Ich rufe Sie auf, nun mit den Schiffen zu fahren", sagte Geschäftsführer Pötzsch.

Es ist nicht vorgesehen, irgendwelche Schiffe aus der Flotte zu nehmen.

Karin Hildebrand Geschäftsführerin

Quelle: MDR/kk/fg/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 05.06.2020 | 13:30 Uhr in den reginalnachrichten

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