05.04.2020 | 08:00 Uhr Dresdner in Neuseeland gestrandet: "Wir können nur abwarten"

Kurz vor dem Ende ihrer Reise durch Neuseeland ist drei jungen Dresdnern die Corona-Krise mit Ausgangssperre dazwischen gekommen. 18.200 Kilometer Luftlinie entfernt von zu Hause, versuchen sie in Christchurch das Beste aus ihrer Lage zu machen. Ein Bayer komplettiert die Notgemeinschaft am anderen Ende der Welt. Kathrin König hat mit den Abenteurern gesprochen.

Vier junge Männer stehen nebeneinander und blicken in die Kamera. Es sind drei junge Männer aus Dresden und ein Bayer, der das Quartett komplettiert. Sie warten in Neuseeland auf ihren Rückholflug der Bundesregierung und wollen zurück nach Dresden bzw. Eichstätt in Bayern. Von links nach rechts zu sehen: Friedrich, Johannes (beide 19), Nico aus Bayern (28) und Lorenz (18).
Musik, kochen, Karten spielen: So versuchen sich die vier Gestrandeten aus Dresden und Eichstätt in Bayern bei Laune zu halten: (von li. nach re.) Friedrich, Johannes (beide 19), Nico aus Bayern (28) und Lorenz (18). Bildrechte: privat

Rund 12.000 Deutsche haben sich in Neuseeland registriert, dass sie zurück nach Hause wollen, darunter auch drei junge Männer aus Dresden. Friedrich, Johannes und Lorenz, alle zwischen 18 und 19 Jahre alt, warten seit gut zwei Wochen in Christchurch auf ihren Rückflug. "Wir können nicht viel machen, damit es schneller vorangeht. Wir können nur abwarten", erzählt Lorenz Grade im Gespräch mit MDR SACHSEN.

Er und seine Freunde waren ein halbes Jahr lang durch Neuseeland gereist und hatten mit einem Work-and-Travel-Visum dort auch gearbeitet. Am 27. März sollte die Abenteuerreise zu Ende gehen. Doch der Corona-Lock-Down kurz vorher brachte ihre Pläne durcheinander.

Uns geht es besser als vielen anderen Touristen, die zu Hause dringende Termine haben und zurück müssen.

Lorenz Grade Dresdner, der in Neuseeland festsitzt
Blick von einer grauen Bungalow-Terrasse eines Campingplatzes auf andere graue Bungalows in Christichurch/Neuseeland. In einem dieser Häuschen sind vier junge Männer gestrandet und warten auf den Rückflug nach Hause am 6.4.2020 inmitten der Corona-Krise.
Blick von der Terrasse vor dem Holzbungalow, in dem das Quartett derzeit in Christchurch abwartet. Bildrechte: privat

"Erst waren wir im Hostel, aber die wurden immer teurer und schlossen dann wegen der Ausgangsbeschränkungen. Dann wollten wir eine Airbnb-Wohnung nehmen. Aber die Vermieter verlangten, dass wir mindestens so lange bleiben, wie die angeordnete Ausgangssperre der Regierung dauert, also wenigstens vier Wochen", erzählt Lorenz. Im letzten Moment hätten sie noch einen Bungalow auf einem Campingplatz in Christchurch gefunden.

Ein Bayer als Vierter im Bunde

Via Facebook trafen sie noch Nico (28) aus Bayern, der mit ihnen den Bungalow bezog. Seit dem 25. März teilt sich das Quartett nun Küche, Bad und ein Zimmer mit Doppelbett und Doppelstockbett. "Es ist nicht viel Platz, aber es ist okay. Wir können auch auf dem Campingplatz herumlaufen und mit anderen Leuten sprechen - mit Sicherheitsabstand natürlich", erzählt Lorenz. Ansonsten beschäftigen sie sich mit Musik, schauen Netflix oder spielen Karten.

Positive Seiten der misslichen Lage

Blick aus einem kleinen Bungalow auf einen Zaun in Neuseeland. Diesen Blick haben 4 junge Männer aus Dresden un Bayern seit fast zwei Wochen in Christchurch. Dort sitzen sie in einem Bungalow fest und warten auf den Rückholflug der Bundesregierung.
Neuseeland hat atemberaubendere Ausblicke zu bieten (siehe Foto unten) als den Blick aus der Küche des Interim-Bungalows der gestrandeten Sachsen in Christchurch. Bildrechte: privat

Trotz Ausgangssperren würden die Neuseeländer recht gelassen auf die Beschränkungen reagieren, finden die Dresdner. Sie sehen die Einwohner spazieren gehen, joggen oder einkaufen. In den Supermärkten seien vor allem die Regale für Nudeln und Mehl leer. "Wenn man nichts zu tun hat, kann man lange in der Küche stehen", sagt auch Nico Leubert aus dem bayerischen Eichstätt und berichtet vom jüngsten Abendessen, wofür sich das Bungalow-Team Rotweinsoße und Backkartoffeln zubereitet habe - und Salat.

Ich habe viel über den Wert von Freiheit nachgedacht in den letzten Tagen.

Nico Leubert gestrandet in Christchurch

"Zu viert fühlt sich die Isolation nicht so schlimm an. Ich glaube, Menschen, die in der Corona-Zeit ganz allein in ihren Wohnungen sind, haben es viel schwerer", meint Nico. Obwohl er seine unklare Lage nicht direkt mit der Situation von Flüchtlingen an europäischen Grenzen vergleichen möchte, musste der 28-Jährige in den vergangenen Tagen trotzdem oft an sie denken. "Sie haben kein Zuhause mehr und wissen nicht, wie es weitergeht. Das ist schon krass."

Die Deutsche Botschaft beruhigt uns Touristen auch mit ihren Mitteilungen. Die tun ihr Möglichstes.

Lorenz Grade Gestrandeter Dresdner

Jeden Tag sehen sich die vier Gestrandeten Nachrichten an und nutzen die Social-Media-Kanäle des Auswärtigen Amtes. "Der Instagram-Account der Deutschen Botschaft ist okay. Dort posten sie Updates. Auf der Internetseite gibt es die Informationen übersichtlich", meint Lorenz Grade. Er und seine Freunde hoffen, um den 6. April herum zurück nach Deutschland zu gelangen. Das erste Rückholer-Flugzeug der Bundesregierung war am Freitagnachmittag (Ortszeit) in Auckland gestartet.

Warum sitzen so viele Deutsche in Neuseeland fest? Neuseeland hatte am 24. März 2020 strenge Ausgangsbeschränkungen verhängt. Viele Touristen durften zunächst keine Inlandsflüge nehmen, wodurch sie nicht zum Flughafen in Auckland gelangen konnten, um internationale Flüge nach Hause zu nehmen.

Seit dem 2. April dürfen Touristen unter einer Bedingung Inlandsflüge wieder nutzen: Wenn sie aus dem Land reisten, berichten die ARD-Tagesthemen.
Charterflüge, die von ausländischen Regierungen organisiert würden, seien neben regulären kommerziellen Flügen zugelassen.

Deutsche Touristen, die von Neuseeland zurück nach Deutschland wollen, haben sich für Rückholflüge in Listen eingeschrieben und warten auf den Abflugtermin.

Quelle: MDR/kk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 04.04.2020 | 22:00 Uhr in den Nachrichten

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