06.05.2020 | 21:00 Uhr Putzen, Regeln, Absperrbänder: Grundschüler in Weinböhla zurück in ihrer Schule

Mutter Beata Gola geht mit ihrem Sohn Max und dessen kleiner Schweste Mia die Stufen vor der Grundschule Weinböhla hinuter. Die Mutter hat ihren Sohn mittags von der Schule abgeholt - nachdem er 6 Wochen lang nicht hineingehen konnte.
Nach dem ersten Unterrichtstag am Mittwoch wurde Max von seiner Mutter Beate Gola und der kleinen Schwester Mia abgeholt. Bildrechte: Kathrin König

Seit Mittwoch findet für Sachsens Grundschüler der vierten Klassen Unterricht wieder in den Schulen statt. Nach sieben Wochen Pause sind auch in Weinböhla im Landkreis Meißen 120 Grundschüler wieder zurück in ihre Klassen gekommen. Für Mutter Franziska Günther fühlte sich der Tag "fast wie ein Schulanfang an, denn wir wussten nicht so recht, was auf uns zukommt", sagt die Weinböhlaerin. Vier Stunden später beurteilt ihre Tochter Julia beim Abholen den ersten Tag nach der langen Unterrichtspause: "Es war schön und anders. Ich hatte keinen Banknachbarn. Aber es war toll, dass ich alle meine Freunde wiedersehen konnte."

Aufgeregt war unser Sohn heute gar nicht, nur sehr, sehr müde. Wenn es nach ihm ginge, würde er am liebsten immer Schule zu Hause haben und mit mir lernen. Das war in den letzten Wochen gut so, muss aber nicht immer sein.

Beate Gola Mutter des zehnjährigen Sohnes Max

Von Schulalltag noch weit entfernt

Vater Reiko Strauß holte am 6.5.2020 seinen Sohn Emilian (links) von der Grundschule in Weinböhla ab. Der Vater freute sich, dass wieder Unterricht in der Schule statfindet.
Vater Reiko Strauß (re.) wünscht seinem Sohn Emilian und allen Schülern in Sachsen "einen normalen Schulalltag mit gewohnten Strukturen und Freunden". Bildrechte: Kathrin König

"Komisch" fand auch Emilian Strauß diesen ersten Schultag. Alles sei so abgegrenzt und aufgeteilt gewesen. "Wir mussten sofort Hände waschen und desinfizieren. An die Regeln muss ich mich erst gewöhnen". Die sehen vor, dass jede Klasse in zwei Gruppen aufgeteilt wird. Zur Hofpause geht es dann auch gruppenweise in vorgeschriebene Bereiche, Wege und Zugänge im Schulhaus wurden geteilt, damit der Mindestabstand eingehalten werden kann. Mundschutz können die Kinder tragen, müssen sie aber nicht. "Es war schön, dass wir viel über Corona reden konnten und alle Freunde wiedergesehen haben", meint Emilian Strauß.

Es war schön heute. Wir haben viel erzählt. Und ein Lob habe ich auch bekommen, weil ich jetzt alle Malfolgen kann.

Max Gola Schüler

Normaler Unterricht fand am Mittwoch in Weinböhla noch nicht statt. Nach dem Erklären der neuen Regeln sollten die Kinder erst einmal in ihrer Schule ankommen. "Wir wollten erspüren, wie die Schüler zu Hause zurechtgekommen sind und haben lange Gesprächsrunden gemacht", erklärt Schulleiterin Carola Münster. Sie hatte am Morgen die 120 Schüler in den Gruppen begrüßt und festgestellt, dass sie mit ganz unterschiedlichen Gefühlen hereingekommen sind. "Manche waren ganz still, andere gaben sich cool. Alle sagten, dass es ein seltsamer Schultag sei. Aber jeder Lehrer ist auch froh, dass er seine Schüler zurück hat."

Planungssicherheit nur bis Himmelfahrt

Eine Frau steht in einem Schulgang. Man sieht in der Mitte zwei Ständer, die ein rot-weißes Absperrband halten. Diese Markierung zeigt den getrennten Weg, den die Grundschüler in Weinböhla jetzt beachten müssen, um sich wegen der Corona-Ansteckung nicht zu nahe zu kommen. Carola Münster ist die Schulleiterin und hat die Maßnahmen mit organisiert.
Mit Absperrbändern und Kegeln wurden in der Grundschule Weinböhla Wege markiert, damit die Kinder die Mindestabstände einhalten können. Schulleiterin Carola Münster zeigt den Gang im ersten Stock, den jetzt ein rot-weißes Band in zwei Wege teilt. Bildrechte: Kathrin König

Wie es nach Himmelfahrt mit dem Unterricht für weitere Klassen in der Grundschule weitergehen wird, weiß Carola Münster noch nicht. Normalerweise unterrichten 28 Lehrer die 19 Klassen in der Grundschule. Wenn jede Klasse geteilt werden soll, hätte Schulleiterin Carola Münster zwar genug Räume, aber nicht genug Personal für alle Gruppen. Einige Kollegen zählten zudem zur Risikogruppe, die derzeit nicht direkt mit Kindern arbeiten könnten.

Da sei sie nun seit 1983 im Schuldienst tätig, habe an Dresdner Schulen zwei Hochwasser und mehrere Umzüge mit den Schulen organisiert und immer gedacht, dass sie schon alles miterlebt habe. Und dann kam die Corona-Pause. "Wo sonst 460 Kinder sind, war es plötzlich ungewöhnlich still", erinnert sich Carola Münster an die vergangenen Wochen in ihrer Schule. "Es wird irgendwie werden, egal, was kommt. Wir werden auch das hinkriegen", meint sie zuversichtlich.

Quelle: MDR/kk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 06.05.2020 | 19:00 Uhr

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