20.05.2020 | 15:12 Uhr Eilantrag: Mietfonds soll Kultursterben in Dresden verhindern

Beim Marteriakonzert in Dresden, Puschkin
Bis solche Live-Konzerte wie hier im Dresdner "Puschkin" wieder stattfinden können, wird es noch lange dauern. Viele Klubs und Theater der freien Szene fürchten um ihre Existenz. (Archivbild) Bildrechte: MDR SPUTNIK/E. Sargatzke

Dresdner Stadträte von der SPD, den Linken und Grünen befürchten einen Kahlschlag in der freien Kulturszene. Konzertklubs, soziokulturelle Zentren, kleine Theater oder Programmkinos seien in ihrer Existenz bedroht, sagte Magnus Hecht von der Linken. SPD, Linke und Grüne wollen deshalb einen Mietenfonds auflegen. Sie haben einen Eilantrag an den Oberbürgermeister Dirk Hilbert gestellt. Er möge eine Förderrichtlinie erarbeiten und 500.000 Euro bereitstellen, um ein Club-Sterben zu verhindern. Der Stadtrat muss darüber entscheiden.

Hygieneauflagen verhindern Wirtschaftlichkeit

Mit dem Geld könnten 40 bis 50 Einrichtungen bis zum Herbst 2020 über die Runden kommen und müssten keine Insolvenzen anmelden. Felix Buchta vom Klubnetz Dresden, das 13 Kultur-Einrichtungen vertritt, sagte MDR SACHSEN: "Den größte Posten machen die Mieten aus, gerade wo auf Kosten der Belegschaften Geringbeschäftigte auf Null gesetzt wurden." Viele Einrichtungen wirtschafteten im Grenzkostenbereich und waren laut Buchta nicht imstande, Rücklagen zu bilden, die ihnen über die Krise helfen könnten. "Diese Einrichtungen können keine Kredite passabel zurückzahlen und schrecken davor zurück", meinte Buchta.

Klubszene und Soziokultur sind ein wichtiger Teil unserer Kulturlandschaft. Dieses Verständnis muss sich endlich durchsetzen. Genau deswegen müssen wir in dieser speziellen Lage auch Musikveranstaltern, kleinen Theatern, der Soziokultur, den Clubs und Kleinkunstbühnen unter die Arme greifen.

Reinhard Kaniewski Kulturpolitische Sprecher der SPD-Fraktion Dresden

Den Theatern und Musikklubs geht es um den Erhalt der kulturellen Infrastruktur. Der Betreiber des Jazzclubs Tonne e.V., Steffen Wilde erklärte, wie der Corona-Lockdown den Club getroffen hat und weiter trifft. Demnach könnten derzeit keine Verträge für Konzerte geschlossen werden. Er musste Dutzende Liveveranstaltungen absagen und sieht nicht, wie "die Tonne" kostendeckend wirtschaften soll. "Die Hygienekonzepte, die wir erstellen müssten, würden eine Besucherzahl ergeben, die viel zu gering ist", meinte Wilde mit Blick auf Produktionskosten, Gagen und Personalkosten.

Steht die Haushaltssperre für Dresden dem Mietfonds im Weg?

Die Stadt Dresden hat eine Haushaltsperre verhängt, nachdem sie bereits zehn Millionen Euro Corona-Soforthilfen ausgezahlt hatte. "Der Stadtrat ist am Ende nicht ganz unmächtig, was auch punktuelle Aufhebungen von so einer Haushaltssperre angeht. Wir setzen auf eine Mehrheit im Stadtrat, die sagt, dieses Anliegen ist so wichtig, die kulturelle Infrastruktur über die Krise hinüberzuretten, dass wir diese halbe Million freigeben", sagte Linken-Stadtrat Magnus Hecht.

Linke verlangt Nothilfefonds für Kulturszene in ganz Sachsen

Die Linkspartei verlangt auch auf Landesebene mehr Einsatz für die freie Kulturszene und einen Nothilfefonds. Sachsen will zwar mit 17 Millionen Euro staatliche Kultureinrichtungen in der Krise unterstützen. "Die Einrichtungen, Institutionen und Initiativen in freier Trägerschaft gehen dabei aber leer aus. Tausende Kunst- und Kulturschaffende brauchen jedoch dringend Unterstützung – ihre Angebote werden nicht sofort wieder stark nachgefragt und ihre Einrichtungen nicht von Besuchern überrannt werden, sobald sie wieder öffnen dürfen", mahnte der kulturpolitische Sprecher der Linken Franz Sodann in Dresden.

Manchmal ist das Öffnen sogar teurer als die andauernde Schließung.

Franz Sodann Kulturpolitischer Sprecher Die Linke Sachsen

Zudem verlangte er von Kulturministerin Barbara Klepsch und der Landesregierung nicht nur Sonntagsreden, sondern feste Hilfszusagen und eine Erklärung, "dass sie im Landeshaushalt nicht bei der Kultur kürzen" werden.

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MDR KULTUR - Das Radio Di 19.05.2020 22:00Uhr 61:55 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Quelle: MDR/kk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 19.05.2020 | 18:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden

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