Vom Leben ins Koma und zurück An der Schwelle zum Tod: Matthias Creutziger hat Corona besiegt

Fotograf Matthias Creutziger sitzt nach überstandener Corona-Erkrankung in seinem Arbeitszimmer in seiner Wohnung.
Fotograf Matthias Creutziger hat seine Corona-Krankheit überlebt - knapp: "Das kann man mit Worten kaum beschreiben, dass man auf dieser Seite steht und nicht auf der Strecke geblieben ist." Bildrechte: dpa

Matthias Creutziger ist Fotograf und 68 Jahre alt. Lange tourte er mit der Staatskappelle in der Welt, er liebt Jazz und wurde im Januar mit dem Gregor Calendar Award, dem wichtigsten europäischen Kalenderpreis, ausgezeichnet. Doch dann kam Corona. Matthias Creutziger erkrankte an der heimtückischen Viruserkrankung und verlor dabei fast sein Leben. Doch er hat gekämpft - und gewonnen. "Ich muss sagen, dass die Betreuung der Ärzte, Schwestern und Pfleger sensationell gut war, dass ich mich nicht genug bedanken kann für die 1:1 Betreuung rund um die Uhr", sagte der bekannte Jazz-Fotograf jetzt MDR SACHSEN. "Wenn ich die nicht gehabt hätte, wäre ich jetzt tot."

An der Schwelle zum Tod

Hinter Matthias Creutziger liegen die wohl dramatischsten Monate seines Lebens. Creutziger hatte sich Ende März genau wie seine Frau Ruthild mit dem Coronavirus infiziert. Was harmlos begann, führte bei ihm zu schwerem Husten und hohem Fieber. Am 3. April rettet ihm seine Frau das Leben:  Sie ruft den Rettungswagen. Auf der Intensivstation wird Creutziger in künstliches Koma versetzt, beatmet und über Schläuche versorgt. Sein Zustand war kritisch – ewig lang. Erst am 6. Mai kommt er so langsam wieder zu sich. Dazwischen: Alles, was man sich an Krankheiten vorstellen kann und das harte Ringen um das eigene Leben. "Wie mir gesagt wurde, habe ich fast alles bekommen: Herzvorhofflimmern, Lungenentzündung, Nierenversagen, Thrombosen und Krankenhauskeime", erklärt Creutziger.

Ich feiere jetzt zweimal im Jahr Geburtstag. Ich habe den Covid-Virus wie die meisten vollkommen unterschätzt. Ich dachte, das läuft wie eine normale Grippe. Aber dass das so schlimm werden kann, habe ich mir nicht vorstellen können.

Matthias Creutziger Fotograf

Noch immer spricht Creutziger mit leiser Stimme. Sein Luftröhrenschnitt wurde erst vor wenigen Tagen operiert. Nach Monaten in Kliniken musste er das Laufen und alle Bewegungen komplett neu lernen. Das Überleben sei die eine Sache, sagte sein Arzt, das Wiederankommen im Leben die andere.

Corona - die hinterhältige Krankheit

Heinz Brehme, Oberarzt im Städtisches Klinikum Dresden-Friedrichstadt weiß, dass die Krankheit manchmal verkannt wird. "Das ist das Hinterhältige an der Erkrankung, sie ist weit weg, solange man nicht betroffen ist", sagt er MDR SACHSEN. "Wenn Familie und Freunde sagen, 'ach' das ist nichts, wir hatten schon schlimmere Grippe", dann fällt es schwer, diszipliniert zu sein, die Maske zu tragen und Abstand zu halten.

Aber auf der anderen Seite haben wir hier im Krankenhaus die Fälle, die Tag und Nacht ums nackte Überleben kämpfen.

Heinz Brehme Oberarzt Städtisches Klinikum Dresden-Friedrichstadt

Wie sich Creutziger infiziert hat, kann er sich bis heute nicht erklären. Den Ärzten, Pflegern und Therapeuten ist er unendlich dankbar - und will bald wieder fotografieren.

Ich spüre so intensiv, dass ich wieder normal lebe. Das kann man kaum mit Worten beschreiben, dass man auf dieser Seite steht und nicht auf der Strecke geblieben ist.

Matthias Creutziger Fotograf

Quelle: MDR/ssp/kt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 12.08.2020 | 19:00 Uhr

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