Not macht erfinderisch Dresdner verwandeln Wohnstuben in asiatische Kampfsportplätze

Damit Vereinsmitglieder in Dresden-Löbtau fit bleiben und dem Verein die Treue halten, bieten zwei Taekwondo-Trainer Onlinestunden an. Sportler aus ganz Deutschland üben mit - manche sogar viel fleißiger als sonst. MDR SACHSEN hat sich das Wohnzimmertraining genauer angesehen.

Ein Vater und sein Sohn stehen in weißer Kampfsportanzügen in einem Wohnzimmer und blickn auf das TV-Gerät. Gleichzeitig stehen sie in einer Grundstellung des Sports Taekwondo. Sie trainieren per Online-Stunde diesen Sport
Zwei Mal in der Woche trainieren Vater und Sohn Taekwondo vor dem Bildschirm zu Hause. Anthony Ruhnau und Sohn Ephraim kommen sich dabei auch schon mal in die Quere. Bildrechte: privat

Gruppen- und Vereinstraining ist in Sachsen untersagt. Aber Trainingsausfall kommt für das Taekwondo-Lehrerpaar in Dresden-Löbtau nicht infrage. Schon während des ersten Lockdowns haben die beiden Kampfsportlehrer Franziska Graube-Kühne und Ehemann Tim Kühne Onlinestunden angeboten. Dafür hatten sie sich mit Kampfsportschulen aus Dingolfingen, Garmisch-Partenkirchen und Wiesbaden zusammengetan. Gemeinsam bieten sie nun jeden Tag Trainingsstunden an.

Freitags sind immer die beiden Dresdner dran. Um die 45 Teilnehmer melden sich im Chat an. Wie viele online verteilt im Bundesgebiet tatsächlich zuschauen oder mitmachen, wissen die beiden Sachsen nicht. Mails haben sie schon aus Hamburg, Genthin und Freiburg bekommen.

Viele Vereine wollen mit Onlinetraining nichts zu tun haben oder sagen, dass das eh nichts nützt. Aber wenn das Vereinsgefüge stimmt, dann funktionieren solche Videostunden zur Überbrückung auch so.

Franziska Graube-Kühne Taekwon-Do-Trainerin

Onlinestunden als Überbrückung

"Die Online-Aktion an sich ist purer Optimismus und mit echtem Vereinsleben nicht vergleichbar. In der Gruppe Sport zu treiben, ist doch noch etwas anderes", meint Franziska Graube-Kühne. Aber sie wollten ihren Vereinsmitgliedern trotz aller Corona-Beschränkungen einen Weg zeigen, am Sport dranzubleiben und etwas für ihre Fitness zu tun. "Nach dem ersten Lockdown hatten wir ungefähr drei Monate lang zu tun, unsere Mitglieder wieder auf den Fitnessstand zu bringen, den sie vor der Pause im März hatten", erinnert sich die Taekwondo-Trainerin.

Sie freut sich darüber, dass auch in Zeiten des Teillockdowns so viele regelmäßig mittrainieren - Schüler und Erwachsene. Manche würden plötzlich fünf Mal in der Woche mitmachen und seien fleißiger als sonst. Andere trainierten derzeit seltener als sonst analog. Aber Vereinsabmeldungen habe es trotz Corona-Unterbrechungen noch nicht gegeben.

Eine Frau in weißem Kampfsportanzug sitzt an einem Laptop und beobachtet ein Trainingsvideo. Parallel dazu begleitet sie einen Online-Chat und beantwortet Fraen der Nutzer.
Während ihr Mann im Wohnzimmer das Online-Training leitet, beantwortet Franziska Graube-Kühne Fragen im Chat, der parallel zum Training läuft. Bildrechte: Kathrin König

Wenn Papa und Sohn das Wohnzimmer umräumen

Anthony Ruhnau und sein Sohn Ephraim versuchen zwei bis drei Mal in der Woche in der heimischen Dachgeschosswohnung mitzutrainieren. "Mein Sohn drängelt immer schon und motiviert mich." Der Elfjährige hat den grünen Gürtel. Sein Vater den gelben, zwei Stufen unter dem grünen. In der 15 Quadratmeter großen Wohnung könne man aber nicht so intensiv trainieren wie in der Sporthalle. "Manchmal ist es etwas eng und man kommt sich in die Quere", erklärt Anthony Ruhnau.

Das Onlinetraining ist besser als gar nichts. Nach einer Stunde hat man das Gefühl, wirklich etwas geschafft zu haben.

Anthony Ruhnau Hobbysportler

Spaß und Entertainment für die Hobbysportler

ein Mann im weißen Kampfsportanzug sitzt auf dem Fußboden seines Wohnzimmers und blickt auf einen Laptop, der vor ihm auf einem Tisch steht. Der Taekwondo-Trainer aus Dresden leitet seine Sportgruppe per Onlinetraining an.
Hat bei jeder Übung die Kamera im Laptop im Blick: Taekwondo-Trainer Tim Kühne bei einer seiner Online-Stunden im Wohnzimmer in Löbtau. Bildrechte: Kathrin König

Fürs Training zu Hause müssen auch die Lehrer immer ihr Wohnzimmer freiräumen, den Teppich wegschieben und Stühle beiseite stellen, bevor es losgehen kann. "Wir raten allen, die mitmachen, vorher ihren Nachbarn Bescheid zu geben, damit die sich nicht wundern, wenn es plötzlich poltert, nur weil wir Sprünge und Tritte üben", erzählt Tim Kühne.

Er versucht, auch die Hobbysportler zu Hause ein bisschen zu unterhalten, lässt sie am Computer um die Wette rennen, ruft aufmunternde Sprüche zu und amüsiert sich über eigene Missgeschicke. "Manchmal muss ein Kissen als Trainingspartner herhalten." Seine Frau hat mit dem Kissen auch schon aus Versehen einen Lampenschirm ramponiert. "Spaß muss sein, gerade beim Training für Kindern", sagt Franziska Graube-Kühne.

Eltern geben uns extrem dankbares Feedback und freuen sich, dass sich ihre Kinder bei unserer Stunden überhaupt mal bewegen.

Franziska Graube-Kühne Taekwon-Do-Trainerin

Ein Kampfsportler steht in gespannter Haltung da uind will in jedem moment ein Holzbrett zertreten. Die Übung ist der Höhepunkt des Jahres und machen Taekwondosportler zu ihrem Geburtstag vor Publikum. Ende November war es für Trainer Tim Kühne soweit. Seine Frau Franziska Graube-Kühne, ebenfalls Taekwondo-Trainierin, assistierte ihm für diese Übung.
Einen Augenblick später war das Brett entzwei: Tim Kühne hatte das 24 Millimeter dicke Fichtenholzbrett vor 21 Jahren zur Motivation geschenkt bekommen. An seinem Geburtstag zertrat er es beim sogenannten "Bruchtest". Bildrechte: Kathrin König

Quelle: MDR/kk

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