Protest gegen Corona-Auflagen Ermittlungen nach "Querdenken"-Kundgebung in Dresden

Mehrere Tausend Menschen haben sich am Sonnabend in Dresden an einer Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen beteiligt. Sie folgten einem Aufruf von mehreren Initiativen, unter anderem von "Querdenken 351 Dresden", einem Ableger der in Stuttgart gegründeten "Querdenken"-Initiative.

Querdenken Dresden
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Ermittlungen wegen Zeigen des Hitlergrußes

Gegen zwei Redner und einen 31 Jahre alten Teilnehmer wurden Ermittlungsverfahren wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen eingeleitet, wie die Polizei am Abend mitteilte*. Sie stehen im Verdacht, den Hitlergruß gezeigt zu haben. Das habe die Auswertung des Videomaterials ergeben.

Bei den Rednern könnte es sich nach Informationen von MDR SACHSEN sich um Artur Helios (55) handeln, der bundesweit auf Veranstaltungen gegen die Corona-Schutzmaßnahmen auftritt, sowie um den 57 Jahre alten suspendierten Polizisten Michael Fritsch. In einem im Internet kursierenden Video verabschieden sie sich mit gestreckten Armen vom Publikum. Ob es sich dabei um das Zeigen des Hitlergrußes handelt, müssen nun die Strafverfolger bewerten.

* Die Polizei hatte zunächst von zwei Ermittlungsverfahren berichtet, ihre Angaben aber noch einmal korrigiert.

Menschenmenge musste entzerrt werden

Der Theaterplatz füllte sich am Nachmittag rasch, schon zu Beginn waren Schätzungen zufolge etwa 3.000 Teilnehmer gekommen. Die Veranstalter hatten für die Versammlung 1.000 Menschen angemeldet. Deshalb stand zeitweilig im Raum, dass die Demo wegen Überfüllung aufgelöst werden sollte. Ordner bemühten sich, die Menge zu entzerren und die Menschen auf angrenzende Flächen zu verteilen.

Bildergalerie "Querdenken" mobilisiert Tausende Teilnehmer nach Dresden

Teilnehmer einer Demonstration der Bewegung Querdenken 351 versammeln sich auf dem Theaterplatz in Dresden
Deutlich mehr Menschen als angemeldet kamen zu der Kundgebung. Weil dadurch der gebotene Mindestabstand nicht eingehalten wurde, drohte mehrfach die Auflösung der Versammlung. Bildrechte: dpa
Teilnehmer einer Demonstration der Bewegung Querdenken 351 versammeln sich auf dem Theaterplatz in Dresden
Deutlich mehr Menschen als angemeldet kamen zu der Kundgebung. Weil dadurch der gebotene Mindestabstand nicht eingehalten wurde, drohte mehrfach die Auflösung der Versammlung. Bildrechte: dpa
Teilnehmer einer Demonstration der Bewegung „Querdenken 351“ versammeln sich auf dem Theaterplatz, u.a. mit einem Banner "Ich will kein Versuchskaninchen für Euren Impfstoff sein".
Teilnehmer der Kundgebung halten ein Plakat mit der Aufschrift "Ich will kein Versuchskaninchen für Euren Impfstoff sein" hoch. Bildrechte: dpa
Teilnehmer einer Demonstration der Bewegung „Querdenken 351“ versammeln sich auf dem Theaterplatz in Dresden, eine Frau trägt eine Nachbildung einer Toilettenpapier-Rolle vor dem Gesicht.
Die Teilnehmer werfen der Bundesregierung vor, in der Corona-Pandemie Unwahrheiten zu verbreiten. Bildrechte: dpa
Ein Mann mit einem Aluhut
Ein Teilnehmer kam mit einem Aluhut zur Kundgebung. Die stellvertretende Bürgermeisterin der Gemeinde Zwenkau, Heike Oehlert (Freie Wähler) sagte bei ihrer Rede: "Ich sehe hier keine Schwurbler und Aluhüte, sondern freie Menschen, die Angst haben." Bildrechte: dpa
Jörg Urban
Auch Sachsens AfD-Landesvorsitzender Jörg Urban war vor Ort. Bildrechte: dpa
Querdenken Dresden
Viele Teilnehmer verstießen gegen die geltende Allgemeinverfügung der Stadt Dresden, die in Teilen der Innenstadt Maskenpflicht vorschreibt. Bildrechte: xcitePRESS
Tausende Menschen stehen auf dem Theaterplatz in Dresden
Nach der ersten Kundgebung in Dresden will "Querdenken" am 7. November in Leipzig protestieren. Bildrechte: MDR/Benjamin Jakob
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Teilnehmer zeigen Atteste vor

Viele Teilnehmer trugen keinen Mund-Nasen-Schutz, obwohl dieser sowohl bei Versammlungen als auch in der Dresdner Innenstadt vorgeschrieben ist und die Polizei an den Eingängen kontrollierte. "Die, die sie an den Eingängen abgefangen haben, haben irgendein Attest vorgezeigt", berichtet ein MDR SACHSEN-Reporter. Aber viele Teilnehmer seien auch gar nicht kontrolliert worden. Die Polizei hatte im Vorfeld angekündigt, bei den am Sonnabend geplanten Kundgebungen in Dresden die Einhaltung der Corona-Regeln zu kontrollieren.

Dabei zeigten mehrere hundert Menschen Atteste oder Bescheinigungen, die auf eine Befreiung der Maskenpflicht abstellten. Inwieweit alle diese Bescheidungen authentisch sind, konnte die Polizei vor Ort nicht abschließend klären. In einzelnen Verdachtsfällen leiteten die Beamten eine Anzeige wegen des Verdachts der Urkundenfälschung ein.

Polizeidirektion Dresden

Nach Angaben der Polizei waren 120 Beamte im Einsatz.

Zweifel an der Zahl der Corona-Infizierten

Die Demonstration begann mit einem Gottesdienst in Regie einer Gruppe namens "Christen im Widerstand", die vorwiegend religiöse Botschaften artikulierte und Lieder sang. Anschließend traten zum Teil bekannte Köpfe der "Querdenken"-Szene auf, darunter der Leipziger Rechtsanwalt Ralf Ludwig. "Wir werden uns das nicht gefallen lassen", sagte er mit Blick auf die ab Montag geltenden weiteren Einschränkungen. Ludwig bezweifelte unter anderem die Zahl der Corona-Infizierten in Deutschland und die Wirksamkeit der Tests.

Andere Redner warfen der Politik Angstmache und eine "fundamentale Verletzung von Bürgerrechten" vor. Wiederholt wurde die Gefährlichkeit der Corona-Infektion in Frage gestellt. Der inzwischen vom Dienst suspendierte Polizist Michael Fritsch aus Hannover erklärte, man brauche die Polizei "auf unserer Seite" und nicht "auf Seite der Regierung". Eine Krankenschwester ergriff ebenfalls das Wort und leugnete die Gefährlichkeit des Coronavirus. Sie fordere ihre Patienten auf, den Mundschutz abzunehmen.

Freie Wähler-Politikerin fordert Regierung zum Rücktritt auf

Die stellvertretende Bürgermeisterin der Gemeinde Zwenkau und Inhaberin eines Pflegedienstes, Heike Oehlert (Freie Wähler), forderte die Regierung und "ihre Handlanger" zum Rücktritt auf. "Wir alle finanzieren diese Regierung mit, die die Rechte der Menschen mit Füßen tritt", so Oehlert auf der Dresdner Bühne.

Bei der Kundgebung wurde bereits für eine weitere Demonstration in Leipzig am 7. November geworben. Dann will "Querdenken" bundesweit mobilisieren.

Quelle: MDR/bj/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 31.10.2020 | 19:00 Uhr

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