12.07.2020 | 19:33 Uhr Sachsen zieht es trotz Corona wieder in die Ferne

Kaum eine Branche ist vom Coronavirus so betroffen wie der Tourismus. Über Nacht ist den Unternehmen das Geschäft komplett weggebrochen. Wann es wieder so läuft wie vor Corona steht in den Sternen. Doch die reiselustigen Sachsen packen langsam wieder ihre Koffer. Damit der Urlaub nicht mit einer bösen Überraschung endet, hat das Landeskriminalamt wichtige Tipps zusammengestellt.

Urlauber begeben sich am Flughafen Dresden International zu einem Flugzeug
Am Sonnabend ging es ab Dresden wieder nach Griechenland. Bildrechte: dpa

Der Dresdner Reiseunternehmer Rainer Maertens sieht für seine Branche in der Corona-Krise Licht am Ende des Tunnels. "Die Leute kommen langsam wieder und buchen. Sie wollen einfach wieder weg und die Welt sehen", zeigt sich Maertens erleichtert. Er hatte während der Zwangspause der Reisebranche Demonstrationen in Sachsen mitorganisiert und auch im Bundestag Politiker über das Ausmaß der Krise unterrichtet.

Erste Buchungen für das kommende Jahr

Die Umsatzeinbußen in seinem eigenen Unternehmen beziffert er seit März auf mehr als 90 Prozent im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres. Maertens glaubt, dass es vielen seiner Kollegen so geht. Mit dem Restart des Reisegeschäftes ist Maertens trotz erheblicher Einbußen vergleichsweise zufrieden. "Ich hatte mit einer längeren Phase gerechnet, in der die Leute nicht verreisen. Doch nun wird wieder für die zweite Jahreshälfte und für das kommende Jahr gebucht." Kostendeckend sei das aber alles noch nicht. Den Sommer müsse man abschreiben.

Das Publikum, das jetzt wieder in die Reisebüros komme, sei nicht das klassische Ballermann-Publikum. "Vielmehr sind das Menschen, die mit dem Reisen Bildungsanspruch verbinden, Land und Leute sehen wollen."

Schwerpunkt Griechenland, wenige Interesse an Italien und Spanien

Eine Familie blickt im Sonnenschein auf das Meer
Griechenland steht derzeit auch bei den Sachsen hoch im Kurs. Bildrechte: Colourbox.de

Maertens zufolge ist ein Schwerpunkt der aktuellen Buchungen Griechenland. Italien und Spanien - anfangs Länder mit hohen Corona- Infektionsraten - seien noch nicht sehr nachgefragt. Manche fragten auch, wann sie wieder Ziele in Übersee ansteuern können. "Ich persönlich glaube aber nicht, dass man in diesem Jahr noch in Südafrika oder Amerika Urlaub machen kann. Dafür sind die Infektionszahlen zu ungewiss."

Das jüngste Konjunkturpaket des Bundes für die Unternehmen hält der Geschäftsmann für realistisch. Nachholbedarf sieht er beim Kurzarbeitergeld: "Das war im März ein Segen, denn wir mussten unsere Mitarbeiter nicht entlassen. Jetzt ist es aber ein Hemmnis." Viele Unternehmen würden ihre Leistungen derzeit nur eingeschränkt anbieten können, weil ihre Beschäftigten noch in Kurzarbeit sind: "Sie trauen sich nicht, die Mitarbeiter zurückzuholen und das Kostenrisiko zu tragen. Denn niemand weiß, ob es im Herbst zu einer zweiten Welle kommt." Maertens schlägt vor, den Unternehmen das Kurzarbeitergeld als Lohnkostenzuschuss zu zahlen.

Wieder Urlaubsflieger am Dresdner Flughafen

Ein Wagen der Flughafen-Feuerwehr spritzt auf dem Flughafen Dresden International eine Wasserfontäne auf ein Flugzeug
Zum Restart nach der Corona-Pause gab es am Sonnabend eine Wasserfontäne für den ersten Ferienflieger von Sundair. Bildrechte: dpa

Nach mehreren Wochen Flaute schieben Urlauber ihre Koffer auch wieder durch den Dresdner Flughafen. Am Wochenende starteten und landeten jeweils zwei Ferienflieger. Die erste Maschine der Sundair wurde am Sonnabendmorgen, genau zum 85-jährigen Jubiläum des Airports Dresden International, mit Wasserfontänen auf die Reise geschickt, wie die Mitteldeutsche Flughafen AG mitteilte. Die Fluggesellschaft hat in diesem Sommer erstmals zwei Maschinen in Dresden stationiert und steuert in Griechenland nun auch regelmäßig Korfu, Kos, Paphos auf Zypern und Heraklion auf Kreta sowie die Balearen-Insel Mallorca und Varna am Schwarzen Meer in Bulgarien an. Passagiere müssen an Bord Maske tragen und auch am Airport die Abstands- und Hygieneregeln einhalten.

Seit Eröffnung des Flughafens am 11. Juli 1935 flogen mehr als 52 Millionen Passagiere von Dresden ab und in die Elbestadt, davon über 48 Millionen nach 1990. Im vergangenen Jahr wurden hier rund 1,6 Millionen Fluggäste abgefertigt. Der Linienflugbetrieb war bereits Anfang Juni wieder aufgenommen worden, mit einer Verbindung nach Düsseldorf. Inzwischen ist Dresden International auch wieder mit den Drehkreuzen München, Frankfurt/Main und London verbunden. "Normaler Betrieb ist das noch nicht", sagte ein Sprecher.

Sicherheitstipps vom Landeskriminalamt

Das Landeskriminalamt Sachsen hat Hinweise zusammengestellt, die Urlauber beachten sollen:

  • Bei Online-Urlaubsbuchungen Achtung vor gefälschten Verkaufsplattformen, sogenannte Fake-Shops. Auf diesen Plattformen bieten Betrüger gegen Vorkasse Produkte an, die es in Wahrheit gar nicht gibt, beispielsweise auch Flugreisen. Haben die Opfer bezahlt, ist das Geld weg. Halten Sie Ihren PC mit Updates immer auf dem aktuellsten Sicherheits-Stand!

Achten Sie auf eine sichere Verbindung zum Shop. Sie erkennen das am Vorhängeschloss im Browser und die Abkürzung 'https' in der Adressleiste. Bei zu 'schönen' Angeboten, recherchieren Sie im Netz nach diesem Anbieter. Gibt es Beschwerden oder Warnungen? Seriöse Internet-Seiten haben ein vollständiges Impressum.

Landeskriminalamt Sachsen

  • Lassen Sie während Ihrer Abwesenheit Ihr "Zu Hause" nicht unbewohnt erscheinen. Bitten Sie Nachbarn oder Verwandte, regelmäßig nach dem Rechten zu sehen und beispielsweise den Briefkasten zu leeren. Hinterlassen Sie auch auf Ihrem Anrufbeantworter keine Hinweise auf Ihre Abwesenheit.
  • Denken Sie daran, dass Kriminelle die sozialen Netzwerke nutzen, um mögliche Opfer auszuspähen. Überlegen Sie gut, wen Sie an Ihren Urlaubserlebnissen tatsächlich teilhaben lassen wollen. Posten Sie Ihre Urlaubsbilder nur an vertrauenswürdige Personen oder an geschlossene Nutzergruppen.
  • Kopieren Sie wichtige Unterlagen (Pass, Kreditkarte, Impfausweis) vor Reiseantritt und bewahren Sie diese an separater Stelle in Ihrem Gepäck auf. Falls die Möglichkeit besteht, nutzen Sie für wichtige Unterlagen, Geld, Kreditkarten oder Schmuck den Zimmersafe.
  • Nehmen Sie nur so viel Bargeld, Zahlungskarten oder Ausweise mit wie nötig und tragen Sie diese immer am Körper. Behalten Sie auch beim Bezahlen Ihre Kreditkarte immer im Auge. Bewahren Sie Ihre persönliche Identifikationsnummer (PIN) nicht in Ihrer Geldbörse auf.
  • Wurde Ihre Zahlungskarte gestohlen, lassen Sie diese sofort unter der Sperrnotruf-Nummer 116 116 sperren. Die Nummer ist auch aus dem Ausland mit der entsprechenden Landesvorwahl +49 für Deutschland erreichbar. Zur zusätzlichen Sicherheit, insbesondere für die Erreichbarkeit aus dem Ausland, ist der Sperr-Notruf auch unter der Rufnummer +49 (0)30 40 50 40 50 zu erreichen.
  • Informieren Sie nach der Sperrung Ihr kontoführendes Kredit-Institut. Damit Ihre Debitkarte auch für das elektronische Lastschriftverfahren (SEPA Lastschrift) gesperrt werden kann, müssen Sie den Verlust Ihrer Karte der deutschen Polizei melden. Nur diese kann eine sogenannte freiwillige KUNO-Sperrung bei den Handelsunternehmen veranlassen.
  • Lassen Sie Wertgegenstände und Ihr Gepäck nie unbeaufsichtigt. Seien Sie insbesondere bei größeren Menschenansammlungen vorsichtig.
  • Tragen Sie Ihre Handtasche immer am Schulterriemen und klemmen Sie diese auf der zur Straße abgewandten Seite unter den Arm, damit vorbeifahrende Rad- oder Mopedfahrer sie nicht entreißen können.
  • Schließen Sie Auto, Wohnwagen, Hotelzimmer oder Ferienwohnung immer ab, auch wenn Sie nur kurz weg sind. Lassen Sie Geld und andere Wertsachen nie offen herumliegen.
  • Kaufen Sie Fahrscheine für Ausflugsfahrten oder Eintrittskarten für Veranstaltungen nur im Hotel oder bei offiziellen Verkaufsstellen, nicht bei "fliegenden Händlern" auf der Straße.
  • Vereinbaren Sie, bevor Sie Dienstleistungen wie Taxifahrten, Ausflüge oder Fremdenführungen in Anspruch nehmen, einen verbindlichen Preis.

Quelle: MDR/dk/dpa

Dieses Thema im Programm Brisant | 06.07.2020 | 17:15 Uhr

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