Breakdance-Crew The Saxonz beziehen mitten in der Pandemie erstes eigenes Studio

Keine Auftritte, kein gemeinsames Training, keine Kurse für die Kids - die Tänzerinnen und Tänzer von The Saxonz leiden wie die meisten Künstler unter den monatelangen Einschränkungen. Dennoch blicken die B-Boys und B-Girls nach vorne. Mitten in der Pandemie haben sie ihr erstes Studio bezogen. Dort drehen sie nun beinahe rund um die Uhr Trainingsvideos. Von den Fans gibt es sogar finanzielle Unterstützung.

Ein Breaker tanzt auf einer Bühne
Wegen der Kontaktbeschränkungen fällt das Training für Felix Roßberg von The Saxonz im ersten eigenen Studio der Crew derzeit oft recht einsam aus. Bildrechte: L. Müller

Breakdance ist auch in der Corona-Pandemie möglich. Die Tänzerinnen und Tänzer von The Saxonz müssen zwar auf Auftritte, Präsenzkurse für Kinder und gemeinsames Training in größerer Runde verzichten. Dennoch blicken The Saxonz optimistisch in die Zukunft. Mitbegründer und Tanztrainer Felix Roßberg sagte: "Uns ist es gelungen, nach jahrelanger Suche, endlich unser erstes gemeinsames Studio zu beziehen." Über den 2019 gegründeten Dresdner Verein "84´TIL - Zentrum für urbane Kultur", zu dessen Initiatoren The Saxonz gehörten, hätten sich die Tänzer und Tanztrainer am 1. November in ein ehemaliges Gewerbeobjekt in Radebeul eingemietet.

Fans unterstützen Tänzer finanziell

Die Immobilie liegt direkt an der Stadtgrenze zu Dresden. Deshalb eigne sich der Standort für Kinder und Jugendliche aus der Landeshauptstadt und aus Teilen des Landkreises Meißen gleichermaßen, so Roßberg. In dem Gebäude sind bereits mehrere Kreative, Künstlerinnen und Künstler aktiv.

Der Tanz- und Trainingssaal, der nach der Pandemie für Kurse und Veranstaltungen genutzt werden soll, wird von den Saxonz selbst renoviert. Roßberg berichtet nicht ohne Stolz, dass Fans und Unterstützer der Breakerinnen und Breaker die Renovierung über ein Crowdfunding-Projekt mit fast 8.800 Euro unterstützt haben. Das Geld werde beispielsweise für das Abschleifen des Parketts, für eine neue Beleuchtung und die Musikanlage eingesetzt.

Pandemiekonforme Online-Kurse

Das eigene Studio mit dem 120 Quadratmeter großen Tanzsaal biete schon jetzt die Möglichkeit, Online-Kursvideos flexibel zu drehen. Die Kursleiterin der Saxonz und ihre vier männlichen Kollegen könnten quasi rund um die Uhr hintereinander das Studio nutzen, ohne gegen Kontaktbeschränkungen zu verstoßen. Zuvor hatten die Saxonz das Jugend- und Freizeithaus Emmers in Dresden-Pieschen oder das Festspielhaus Hellerau genutzt – wegen Corona sei dies jedoch immer schwieriger gewesen, so Felix Roßberg.

Eine Tanztrainerin dreht ein Lehrvideo für einen Online-Kurs
Trainerin Joanna dreht im neuen Studio von The Saxonz ein Lehrvideo, weil Präsenzkurse wegen der Kontaktbeschränkungen derzeit nicht möglich sind. Bildrechte: The Saxonz

Derzeit nutzten 50 Mädchen und Jungen ab sechs Jahren die Online-Kurse. Neueinsteiger seien jederzeit willkommen. Roßberg betonte, dass viele Eltern das Angebot unterstützten und im vergangenen Jahr sogar weiter Kursgebühren gezahlt haben, als der Unterricht wegen des Corona-Lockdowns komplett ausfallen musste.

Fünf Crewmitglieder leben vom Tanzen

Rund 20 aktive B-Girls und B-Boys gehören zum Stamm von The Saxonz. Fünf von ihnen leben als selbstständige Künstler komplett vom Tanzen, sagt Roßberg. Alle hätten mit Hilfe staatlicher Unterstützung und aus Rücklagen die Corona-Pandemie bisher gut gemeistert. Dennoch seien die behördlichen Auflagen oft schwer zu durchschauen. Da die Tänzer teilweise als Profisportler gelten, haben einige von ihnen das Glück, weiter trainieren zu dürfen.

Andere seien nur in ihrer Freizeit aktiv, trainierten seit Monaten zu Hause, um in Form zu bleiben, hieß es. Tänzer Zeky kommt sogar aus Tschechien und muss sich ebenfalls auf ständig ändernde Regeln an der Grenze einstellen. Roßberg, der selbst einige Tage in der Woche als Physiotherapeut arbeitet, hofft, dass im Frühjahr wieder gemeinsames Training ohne größere Einschränkungen möglich wird. Nur so könnten Choreographien gemeinsam entwickelt und einstudiert werden. "Entscheidend für die Breaking- und HipHop-Kultur ist der Austausch und die gemeinsame Zeit."

Aushängeschild für modernes Sachsen

Die Saxonz waren drei Mal deutscher Meister und erreichten auch schon einen 8. Platz bei der Breakdance Weltmeisterschaft. Vor der Corona-Pandemie waren die Tänzerinnen und Tänzer stets bei Wettbewerben - sogenannten Battles - im In- und Ausland unterwegs. Felix Roßberg und seine Mitstreiter halten engen Kontakt zu Breakerinnen und Breakern auf der ganzen Welt. Zudem haben sich The Saxonz seit Jahren der Nachwuchsarbeit verschrieben und bringen Kindern in Dresden und Umgebung das Tanzen bei. Selbst die Dresdner Hochkultur hat die Tänzer schon engagiert - im Schauspielhaus, in der Semperoper und im Festpielhaus Hellerau standen The Saxonz schon auf der Bühne.

Die sächsische Staatskanzlei nutzt die weltoffenen und talentierten Tänzer seit Jahren als Aushängeschild für den Freistaat. Im Rahmen der Imagekampagne "So geht Sächsisch" werden regelmäßig Videos der Tänzer oft mit Sehenswürdigkeiten als Kulisse ins Netz gestellt.

Tänzer und B-Boy Philip "Lehmi" Lehmann mit "The Saxonz"
Cool und weltoffen - die Breaker sind ein Aushängeschild für ein modernes Sachsen. Bildrechte: Erik Gross

Quelle: MDR/lam

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 15.01.2021 | 15:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden

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