05.06.2020 | 12:28 Uhr Stiller Protest der 1.000 Gesichter: Kultur- und Eventbranche demonstriert in Dresden

Drei Schauspieler mit Perücken und Mundschutzmaske blicken stumm in die Kamera. Sie protestierten am 5.6.2020 bei einer stillen Demo für staatliche Unterstützung der Kunstschaffenden. Unter dem Hastag firstoutlastin verweisen sie daauf, dass sie die ersten Betroffenen waren, als Veranstaltungen abgesagt wurden, aber keine Besserungen in Sicht seien.
Bildrechte: Tino Plunert

Unter dem Motto "Ohne uns ist Stille" haben Mitarbeiter der Veranstaltungswirtschaft, Künstler, Techniker und Cateringbetriebe in Dresden auf ihre wirtschaftliche Not hingewiesen. Sie demonstrierten auf dem Theaterplatz vor der Semperoper. Die Demo-Beteiligten waren am Morgen mit einem Lkw-Korso aus 30 Fahrzeugen durch Dresden gefahren.

Ich fordere, dass freiberufliche Schauspieler wie ich die Soforthilfe auch für den eigenen Lebensunterhalt nutzen können.

Peter Anders Schauspieler

Soforthilfen von Bund und Land verlangt

Der Schauspieler Peter anders war einer von 1.000 Protestierenden beim Stillen Protest für die Kunst und Eventbranche am 5.6.2020 in Dresden.
Schauspieler Peter Anders stand am 18. März noch bei einer Generalprobe auf der Bühne. Danach wurden alle Theaterveranstaltungen untersagt. Der Schauspieler lebt nach eigenen Angaben "von der Hand in den Mund". Deswegen ist er dringend auf finanzielle Hilfe angewiesen. Bildrechte: Florian Glatter

Nach ihrer Aktion am Vormittag schlossen sich die Künstler und Vertreter der Veranstaltungswirtschaft mit der Protestaktion "1.000 leere Stühle" vor der Semperoper zusammen, um auf die Probleme und Wichtigkeit ihrer Branchen aufmerksam zu machen. 1.000 schwarz gekleidete Teilnehmer aus Kunst und Kultur verlangten eine bessere finanzielle Unterstützung von Bund und Land.

Als Beispiele nannten die Protestierenden eine nicht rückzahlbare Soforthilfe in Höhe von mindestens zehn Prozent des entstandenen Gesamtschadens und die Nutzung der Soforthilfe für den eigenen Lebensunterhalt. Sie argumentierten, dass wegen der strengen Hygiene-Auflagen und der verringerten Besucherzahl viele Veranstaltungen finanziell derzeit nicht tragbar seien.

Alle in unserer Branche verbindet, dass wir als Erstes geschlossen wurden und wohl auch die Letzten sein werden, die wieder Gehör finden.

Rodney Aust Konzertveranstalter
Blick auf die Semperoper. Davor stehten eine riesige leere Bühne und hunderte leere Stühle. Damit protestieren Künstler, Mitarbeiter der Veranstaltungsbranche, Techniker und Caterer für staatliche Hilfen in der Krise. Sie fühlen sich vergessen und nicht unterstützt.
Vor der Semperoper standen am Freitag 1.000 leere Stühle. Auf der Bühne wurden Bilder gezeigt, die auf die wirtschaftliche Not der Eventbranche, Tänzer, Techniker, Caterer und allen damit zusammenhängenden Gewerken und Dienstleistungen hinwiesen. Bildrechte: Florian Glatter

Der Initiative "Leere Stühle" gehen die Lockerungen für Gastronomen, Veranstalter und Hoteliers in Sachsen nicht weit genug. Sprecherin Kathleen Parma sagte MDR Aktuell, die Branche werde noch bis Ende des Jahres kaum Umsätze generieren. Damit werde es für Unternehmen, Angestellte und Kunstschaffende auch kaum Einkünfte geben. Die Absenkung der Mehrwertsteuer helfe da wenig. Großveranstaltungen wie Konzerte seien mit den Auflagen der Landesregierung wirtschaftlich nicht machbar.

Massives Firmensterben in Eventbranche befürchtet

Sprecherin Parma verwies zudem darauf, dass die Eventbranche zu den größten der deutschen Wirtschaft gehöre. Laut Bundesverband der Konzert-und Veranstaltungswirtschaft zählt sie 130.000 Mitarbeiter, die mehr als 11,1 Milliarden Euro Umsatz im Jahr erwirtschaften. "Dabei ist von einer weitaus höheren Zahl auszugehen, denn kaum eine Branche umfasst so viele verschiedene Berufsgruppen wie diese", sagte Parma. Wenn kein Rettungspaket für die Eventbranche komme, würde jedes zweite Unternehmen die Corona-Krise nicht überleben.

Quelle: MDR/kk/fg

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 05.06.2020 | 19:00 Uhr

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