29.03.2020 | 22:45 Uhr Coronavirus-Krise: Hilferuf der Kreiselternräte

Homeschooling
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Die Kreiselternräte von Dresden, Bautzen und Görlitz haben in einem offenen Brief an das Kultusministerium unkoordinierte Schulvorgaben kritisert. Schüler würden mit analogen und digitalen Aufgabenzetteln überhäuft, Lehrer und Schulleiter nicht auf Rückfragen reagieren.

Das Pensum sei zu hoch, Abgabetermine seien nicht einzuhalten, heißt es in einer Nachricht aus einer Dresdner Oberschule an den Kreiselternrat Dresden.

Die Eltern fungieren zumeist als Lehrer zu Hause. Wir Eltern sind mit dem Ausdrucken, Einscannen der Lösungen, Umwandeln in ein gefordertes Format und Hochladen zwischen 30 Minuten bis zu einer Stunde beschäftigt.

Nachricht aus einer Dresdner Oberschule an den Kreiselternrat

"LernSax" birgt technische Herausforderungen

Eltern hätten den Kreiselternräten von vielen technischen Tücken berichtet, heißt es in dem Schreiben. So sei die Lernplattform "LernSax" vor allem vormittags überlastet. Aufgaben ließen sich innerhalb von Lernsax schwer finden. Dazu komme, dass viele Eltern von zu Hause aus arbeiten müssten und ihre Kinder nicht im notwendigen Maße unterstützen könnten.

Eltern können Schulunterricht nicht ersetzen

Schwierigkeiten, die dem Kultusministerium durchaus bewusst sind. "Grundsätzlich können die Eltern den Regelunterricht nicht ersetzen, das wissen auch die Lehrer", sagte Susann Meerheim vom sächsischen Kultusministerium am Freitag im Gespräch mit MDR SACHSEN. Sie regte an, bei Problemen im Gespräch zu bleiben, Kontakt zur Schule und den Lehrern zu suchen. Kein Schüler solle aufgrund seiner technischen Ausstattung benachteiligt werden. Den Auslastungsproblemen auf LernSax will das Ministerium mit Anpassungen im System begegnen.

Neuland für Schüler, Eltern und Lehrer

Auch für die Lehrer ist die derzeitige Situation Neuland. Das räumen Eltern in ihren Zuschriften an die Kreiselternräte ein. Die Pädagogen müssten im Moment lernen, das richtige Pensum zu finden.

Mancher Lehrer macht unterdessen aus der Not eine Tugend, bietet etwa wie der Radebeuler Gymnasiallehrer Peter Müller Videovorlesungen an. Bei seinen Elfklässlern kommt das bislang gut an, auch wenn ihnen die Möglichkeit zum Nachfragen fehlt, wie Georg Müller bemerkt. Der Oberstufenschüler betont aber auch: "Es ist sehr viel Selbstdisziplin gefragt."

Die können jüngere Schüler schwer aufbringen. "Das bringt ein Fünftklässler einfach noch nicht. Es gibt täglich Geschrei und Tränen", heißt es seitens der Eltern über das Abarbeiten von Aufgaben in Eigenregie.

Kreiselternräte wollen Neubewertung der Situation

Angst vor schlechten oder fehlenden Noten treibt Schüler und Eltern zusätzlich um. Die Elternräte verlangen deshalb, Benotungs-, Versetzungs- und Prüfungsmodalitäten im Sinne der Chancengleichheit zu überdenken. Konkrete Vorschläge machten die Räte für das in wenigen Wochen anstehende Abitur. Sie regen an, die schriftlichen Abiturprüfungen um zwei Wochen bzw. zwei Wochen nach Wiederaufnahme des Schulbetriebes zu verschieben.

Kultusminister Christian Piwarz ist zuversichtlich, dass die Abiturprüfungen am 22. April beginnen - wenn die Schulen nach dem Osterfest wieder planmäßig öffnen. Sollte das nicht möglich sein, würden die Prüfungen verschoben. Auch die später stattfindenden Abschlussprüfungen an Oberschulen und berufsbildenden Schulen sollen durchgeführt werden.

Welche Folgen hat das Homeschooling? Studie sucht Eltern Für die Betroffenen sind es ganz praktische Fragen, für Forscher wissenschaftliche. Welche Folgen hat die Corona-Krise für Eltern von Grundschulkindern? Das untersucht die Erziehungswissenschaftlerin Prof. Dr. Raphaela Porsch von der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Dazu startet sie jetzt eine Online-Untersuchung. Wie sehen die Herausforderungen ganz konkret im Alltag aus? Wie gehen die Eltern damit um, wo gibt es Gemeinsamkeiten, wo Unterschiede? Porsch erklärt: "Mein Ziel ist es, Einflüsse auf das individuelle Erleben von Belastung und Beanspruchung von Müttern und Vätern zu ermitteln, insbesondere, da die Großeltern zur Unterstützung gerade ausfallen."

Interessierte Eltern von Grundschülerinnen und –schülern können seit dem 25. März 2020 an der bundesweiten Studie teilnehmen. Die Beantwortung kostet nach Angaben der Forscher rund zehn Minuten Zeit.

Quelle: MDR/al/jr

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 29.03.2020 | ab 05:00 Uhr in den Nachrichten

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