16.03.2020 | 17:30 Uhr Krankenhausgesellschaft: Personal für Corona-Patienten in Intensivbetten fehlt

 Leeres Patientenbett, bereit für die Aufnahme eines Patienten.
Bildrechte: imago/Jochen Tack

Bei der Vorbereitung auf die möglichen Auswirkungen der Ausbreitung des Coronavirus ist aus Sicht der Sächsischen Krankenhausgesellschaft (KGS) weniger die Zahl der verfügbaren Intensivbetten für schwer erkrankte Patienten ein Problem als vielmehr der Mangel an fachkundigem Betreuungspersonal. Nach Angaben der KGS stehen derzeit im Freistaat in 69 Krankenhäusern 1.859 Intensivbetten zur Verfügung, an denen Patienten auch beatmet werden können.

Anzahl verfügbarer Beatmungsgeräte wird erhöht

KGS-Sprecherin Gundula Bitter-Schuster sagte MDR SACHSEN, an den dafür notwendigen Beatmungsgeräten mangele es nicht. Zum einen würden die Kapazitäten seit gut zwei Wochen ausgebaut, zum anderen verliehen die Hersteller notfalls auch die Beatmungsgeräte an Kliniken. Weitaus signifikanter sei das Personalproblem - sowohl auf der ärztlichen als auch auf der pflegerischen Seite.

Eine Deutschlandkarte mit der Anzahl der Intensivbetten pro Bundesland
Die Deutschlandkarte zeigt die verfügbaren Intensivbetten für jedes einzelne Bundesland. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Auf diesen Missstand wies auch jüngst einer von Deutschlands bekanntesten Krankenpflegern hin: Alexander Jorde. Er kritisierte Bundeskanzlerin Angela Merkel 2017 in der ARD-Wahlarena öffentlich dafür, zu wenig für Pflegekräfte zu unternehmen. Fortlaufend kritisiert er die Zustände im deutschen Pflegesystem.

Weibliches Pflegepersonal könnte ausfallen

Nach Bitter-Schusters Einschätzung sind 50 Prozent des Fachpersonals weiblich - und daher potenziell von Corona-bedingten Kita- und Schulschließungen besonders betroffen. Die Auswirkungen auf den Intensivbetrieb seien derzeit "unklar". Nach ihren Angaben sei man in Sachsen bereits dabei, "alles, was an Personal verfügbar ist", zu aktivieren. Dafür bedürfe es aber Schulungen, die laut KGS ebenfalls bereits in vielen Häusern angelaufen seien,

Bitter-Schuster betonte, dass voraussichtlich nur ein Teil der Corona-Erkrankten tatsächlich beatmungspflichtig werde. Gefährdet seien vor allem Patienten mit Vorerkrankungen. Um sich vorzubereiten und Kapazitäten zu schaffen, seien viele Krankenhäuser bereits dabei, nicht notwendige Operationen zu verschieben.

Zahl der verfügbaren Intensivbetten schwankt deutschlandweit um 28.000

Sie verwies darauf, dass die Zahl der tatsächlich verfügbaren Intensivbetten - in ganz Deutschland rund 28.000 - täglich schwanke. Wenn Personal krank werde oder anderweitig ausfalle, müssten auch Intensivbetten abgemeldet werden. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hatte deshalb angekündigt, die Personaluntergrenzen für den Intensivbetrieb abzusenken. Das, sagte Bitter-Schuster, sei aber bislang nicht geschehen.

Quelle: MDR/rad

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 16.03.2020 | ab 16.30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig

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