Kundgebung im Hechtviertel Protest gegen Spekulation und Entmietung in Dresden

Demo in Dresden gegen hohe Mieten
Im Hechtviertel wurde am Sonnabend gegen steigende Mieten und Luxussanierungen protestiert. Bildrechte: MDR/Erik Frank Hoffmann

Etwa 500 Leute haben nach Veranstalterangaben am Sonnabend im Dresdner Hechtviertel gegen steigende Mieten und Luxussanierungen demonstriert. Sie kritisierten die Verdrängung Ärmerer und forderten einen Milieuschutz für bestimmte Stadtviertel. Die Kundgebung unter dem Motto "Gleiches Hecht für alle!" fand vor der Rudolf-Leonhard-Straße 1 statt. Aus gutem Grund, wie Stefan Kalkowski vom Aktionsbündnis "Mietenwahnsinn stoppen" erklärte. So seien die Mieter der unsanierten "RuLe1" seit Jahren mit befristeten Mietverträgen abgespeist worden. "Die Leute haben es geschluckt, aus Angst, die Wohnung zu verlieren", so Kalkowski.

Mieter von Räumung bedroht

In den vergangenen drei Jahren gab es Anstrengungen der Bewohner, das Haus mit Hilfe des "Mietshäuser Syndikats" - ein bestimmtes Finanzierungsmodell - selbst zu kaufen und moderat zu sanieren. Das ist laut Kalkowski nun gescheitert. Denn der Alteigentümer habe einen Käufer gefunden, der wesentlich mehr für das Haus zu zahlen bereit sei als ursprünglich angedacht war. Die Bewohner seien damit akut von der Räumung bedroht.

Verunsicherung herrscht laut dem Aktionsbündnis auch bei den verbliebenen Mietern der Buchenstraße 4, wo es undurchsichtige Modernisierungsankündigungen und zweifelhafte Abfindungsangebote gebe. Eine lange Geschichte voller Eigentümerwechsel und Schikanen erzählten zudem die Häuser der Stauffenbergallee 29 bis 71.

Milieuschutz für das Hechtviertel gefordert

Mit dem Protest am Sonnabend sollte auf die Probleme der Wohnsituation im Hecht aufmerksam gemacht werden. Das Szenario wiederhole sich: "Entweder wird top durchsaniert und an ein anderes Klientel verkauft oder es wird gar nichts gemacht", sagt Kalkowski. Das Aktionsbündnis fordert deshalb für das Stadtviertel einen Milieuschutz, in dem beispielsweise die Stadtverwaltung für das Hechtviertel nur bestimmte Modernisierungsmaßnahmen erlaubt.

Unbekannte fordern zu Hausbesetzungen auf

Am Rande der Kundgebung hatten Unbekannte Transparente an ein leer stehendes Gebäude an der Lößnitzstraße gehängt. Außerdem befestigten Leute Transparente an einer Hausfassade in der Schanzenstraße und riefen zur Besetzung des Gebäudes auf. Nach Angaben des Dresdner Polizeisprechers Marko Laske hielten sich am Abend etwa 50 Menschen vor dem leer stehenden Haus in der Schanzenstraße auf. Die Lage sei ruhig, Polizei vor Ort.

Demo in Dresden gegen hohe Mieten
Leute hängen Transparente an ein leer stehendes Haus in der Schanzenstraße. Bildrechte: MDR/Erik Frank Hoffmann

Quelle: MDR/ma

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 17.10.2020 | 19:00 Uhr

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