Vor einem Traktor werden Transparante ausgebreitet
Bildrechte: MDR/L. Müller

23.08.2019 | 15:15 Uhr Kleinbäuerliche Hofbetreiber schlagen Alarm - mit Traktoren mitten in Dresden

Ungewohnter Anblick im barocken Elbflorenz: Landwirte sind am Freitag mit Traktor, Kind und Kegel in die Dresdner Innenstadt gekommen. Sie wollten lautstark auf ihr Anliegen aufmerksam machen - mehr Unterstützung der Politik für nachhaltige Landwirtschaft, Umwelt- und Klimaschutz. Ihr Appell richtete sich aber auch an Verbraucher.

von Lars Müller

Vor einem Traktor werden Transparante ausgebreitet
Bildrechte: MDR/L. Müller

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) Mitteldeutschland hat am Freitag in Dresden für eine Wende in der Agrarpolitik demonstriert. Die ökologisch und koventionell wirtschaftenden Landwirte in kleinbäuerlicher Struktur fordern mehr Unterstützung für artgerechte Tierhaltung und insektenfreundliche Bewirtschaftung von Agrarflächen. Ihr Motto lautet: "Für eine zukunftsfähige Landwirtschaft – Wir haben die Agrarindustrie satt." Organisator Danilo Braun sagte, man reihe sich in die globale Bewegung für Klimaschutz ein. Mit rund 20 Traktoren drehten die Landwirte eine Runde durch Dresden und wollten damit auch die Großstädter auf ihre Anliegen hinweisen. "Wir brauchen noch mehr bäuerliche Betriebe, die regionale und saisonale Lebensmittel erzeugen und mit lebendigen Böden helfen, das Klima zu schützen." Die jetzige Politik von Bund und Land lasse die Höfe im Stich.

Bildergalerie Bauern wollen mit lauter Demo die Großstädter erreichen

In Dresden haben Bauern gegen die Bevorzugung der Agrarindustrie durch die Politik protestiert. Sie appellieren aber auch an die Verbraucher.

Traktoren bei einer Demonstration
Die Landwirte haben schweres Gerät aufgefahren, um für nachhaltige Landwirtschaft zu demonstrieren. Mit 21 Traktoren ging es durch Dresdens Altstadt. Bildrechte: MDR/L. Müller
Traktoren bei einer Demonstration
Die Landwirte haben schweres Gerät aufgefahren, um für nachhaltige Landwirtschaft zu demonstrieren. Mit 21 Traktoren ging es durch Dresdens Altstadt. Bildrechte: MDR/L. Müller
Transparent an einem Traktor
In der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft sind Kleinbauern vereint, die traditionelle Höfe meist als Familienbetriebe unerhalten. Bildrechte: MDR/L. Müller
Junger Mann sitzt bei einer Demonstration auf einem Traktor
Linus Rodzinka macht ein freiwilliges ökologisches Jahr in einem Gartenbaubetrieb und will später Gartenbau studieren. Mit der Demo hat er auch für seine berufliche Zukunft gekämpft. Bildrechte: MDR/L. Müller
Demonstranten neben ihren Plakaten
Gemeinsam wollen sich die Landwirte und Gärtner aus kleinen Betrieben Gehör verschaffen und die Verbraucher in der Stadt erreichen. Bildrechte: MDR/L. Müller
Transparente an einem Traktor
Traktoren ziehen immer: Landwirt Johann Franz hat den Umzug durch die Stadt angeführt und seine Botschaft klar formuliert. Bildrechte: MDR/L. Müller
Traktoren fahren durch Dresden
Die 21 Traktoren waren auf dem Weg zum Neumarkt nicht zu übersehen und nicht zu überhören. Bildrechte: Christian Rollmann/"Meine Landwirtschaft"
Vor einem Traktor werden Transparante ausgebreitet
Bäuerinnen und Bauern wehren sich gegen die Agrarindustrie, die ihrer Meinung nach eine viel zu starke Lobby hat. Bildrechte: MDR/L. Müller
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Forderung: Förderung von Nachhaltigkeit

Die Kleinbauern fordern Fördergelder nur noch für umwelt- und klimaschonende Landwirtschaft und nicht für Großinvestoren, die teilweise gar nicht aus der Landwirtschaft kämen, aber Flächen in Größenordnungen aufkauften. Das führe zu Höfesterben, weil kleinere Betriebe nicht mehr wirtschaftlich arbeiten könnten.

Danilo Braun, der in Oberschöna eine Ölmanufaktur betreibt, will auch die Verbraucher mit in die Pflicht nehmen. Wer gute, gesunde und nachhaltig erzeugte Lebensmittel möchte, müsse auch bereit sein, einen angemessenen Preis dafür zu zahlen, sagt er. Ein Umdenken sei mindestens nach dem zweiten Dürresommer inzwischen spürbar, auch und vor allem bei jungen Leuten, meinten Vertreter der Bewegung "Meine Landwirtschaft" aus Berlin.

Das Land Sachsen hat viele eigene Flächen, die zur Zeit nach Höchstgebot und undurchschaubaren Maßstäben vergeben werden. Wir fordern daher ein Punktesystem, bei dem diejenigen Betriebe den Vorzug bekommen, die nachhaltig, sozial und umweltschonend wirtschaften.

Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) Mitteldeutschland

Landesbauernverband hat eigenen Forderungskatalog

Der Landesbauernverband Sachsen erklärte auf Anfrage, man beteilige sich nicht an der Demonstration der AbL. Gleichwohl habe auch der Bauernverband eine Liste von Forderungen an die Politik aufgestellt und im Vorfeld der Landtagswahlen die Positionen der großen Parteien zur Landwirtschaft abgefragt und in der Verbandszeitschrift veröffentlicht. Viele Punkte erinnerten an die Forderungen der kleinen Bauern, berücksichtigten aber zudem die Belange größerer Agrarbetriebe. Deshalb sehen sich viele vom Bauernverband nicht vertreten, war auf der Demo in Dresden zu vernehmen.

Ministerium verweist auf Zahlungen

Ein Landwirtschaftsfahrzeug fährt über ein Erdbeerfeld.
Das Ministerium sieht sich der gesamten Landwirtschaft verpflichtet - auch den Betrieben, die mit viel Chemie ihre Kulturen bedenken. Bildrechte: MDR/Daniel Baumbach

Aus dem sächsischen Landwirtschaftsministerium hieß es auf Anfrage von MDR SACHSEN: "Nachhaltigkeit ist unseres Erachtens nicht abhängig von der Betriebsgröße und auch nicht davon, ob Betriebe konventionell oder nach den Öko-Kriterien (Bio) wirtschaften." Man unterstütze umwelt- und klimagerechte Bewirtschaftung von Flächen, dafür seien im vergangenen Jahr 39 Millionen Euro an die Landwirte ausgezahlt worden.

Ministeriumssprecher Frank Meyer erklärte, die Höhe der Öko-Förderung je Hektar sei abhängig von der Art der Kultur, die angebaut wird. Sie liege zwischen 230 Euro bei Ackerbau beziehungsweise Grünland und 890 Euro im Obstbau. Während der sogenannten Umstellung in den ersten beiden Jahren seien die Prämien höher. Das Ministerium legt Wert auf die Feststellung, dass Öko-Betriebe genau wie die konventionell wirtschaftenden Betriebe auch die sogenannten Direktzahlungen bekommen. "Bei diesen Direktzahlungen erhalten Landwirte für die jeweils ersten Hektar eine erhöhte Prämie, so dass - unabhängig davon, ob konventionell oder ökologisch wirtschaftend - kleine Betriebe bezogen auf die bewirtschaftete Fläche höhere Prämien erhalten als große Betriebe", argumentiert das Ministerium.

Kleinbauern verweisen auf geringere Erträge

Öl-Müller Braun von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft will dies nicht unkommentiert lassen. Er gibt zu bedenken, dass insbesondere die Bio-Betriebe durch geringeren Einsatz von Düngemittel und Verzicht auf synthetischen Pflanzenschutz weniger Erträge erzielten. Dieser Beitrag für die Umwelt und Klimaschutz müsse angemessen ausgeglichen werden, fordert er. Und das betreffe auch koventionell wirtschaftende Höfe, die verantwortungsbewusst und nachhaltig Landwirtschaft betreiben.

Quelle: MDR/lam

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 23.08.2019 | 07:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus Dresden
MDR SACHSENSPIEGEL | 23.08.2019 | 19:00 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 23. August 2019, 15:16 Uhr

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