Demonstration Seenotretter in Dresden-Loschwitz
Kapitän Claus-Peter Reisch (re.) während seiner Rede auf der Demonstration. Bildrechte: dpa

Kundgebung in Loschwitz 150 Menschen demonstrieren in Dresden für Seenotrettung von Flüchtlingen

Weil die Freien Wähler die Abschaffung der Gemeinnützigkeit für die Seenotretter von "Mission Lifeline" fordern, gab es am Sonnabend eine Solidaritätskundgebung in Dresden. Dort sagte der Kapitän: Wir machen weiter.

Demonstration Seenotretter in Dresden-Loschwitz
Kapitän Claus-Peter Reisch (re.) während seiner Rede auf der Demonstration. Bildrechte: dpa

150 Menschen haben am Sonnabend in Dresden demonstriert, um die Seenotretter von "Mission Lifeline" zu unterstützen. Sie wollten damit ein Zeichen setzen, dass die Seenotrettung im Mittelmeer sinnvoll ist. "Die Veranstaltung ist super gelungen. Ich hätte nicht gedacht, dass im verträumten Loschwitz so viele Menschen kommen", sagte Mission Lifeline-Gründer Axel Steier. Aufgerufen hatten zu der Demonstration "Mission Lifeline" sowie die Initiative "Weltoffenes Loschwitz". Anmelder war FDP-Stadtbezirksrat Martin Wosnitza. Den Ort am Joseph-Herrmann-Denkmal unweit des Körnerplatzes hatten die Verantwortlichen bewusst gewählt. Es erinnert an die Rettung von zwei Menschen aus der Elbe, die mit ihren Booten ins Eis geraten waren.

Freie Wähler fordern Aberkennung der Gemeinnützigkeit des Vereins

Anlass für die Demonstration war eine Ankündigung der Freien Wähler, dem Verein die Gemeinnützigkeit entziehen zu wollen. Der Kapitän des Rettungsschiffes "Lifeline", Claus-Peter Reisch, der ebenfalls vor Ort war, kann das nicht nachvollziehen. "Das ist ja lächerlich. Wenn man jeder Organisation, die Menschenleben rettet, die Gemeinnützigkeit entzieht, dann wären das 'Rote Kreuz', der 'Arbeiter Samariterbund' oder die 'Johanniter' ihre Gemeinnützigkeit ebenfalls los." Ähnlich sei dies auch, wenn man damit argumentiere, dass "Mission Lifeline" im Ausland tätig sei. "Dann müsste man 'Ärzte ohne Grenzen' oder 'Brot für die Welt' auch von der Liste streichen", so Reisch, der mit Blick auf die Kritiker sagte: "Man kann von mir aus über Flüchtlinge diskutieren wie man will, aber man kann die Menschen, die dort auf See sind, nicht einfach ertrinken lassen."

Demonstration Seenotretter in Dresden-Loschwitz
Fotos von italienischen Flüchtlingsgräbern aus der Ausstellung "Lampedusa 361" liegen am Rande der gemeinsamen Kundgebung der Seenotrettungs-Organisation Mission Lifeline und der Initiative "Weltoffenes Loschwitz" aus.  Bildrechte: dpa

Nächster Gerichtstermin Ende März

Am 21. März muss Reisch wieder vor Gericht in Malta erscheinen. Ihm und "Mission Lifeline" wird vorgeworfen, das Schiff nicht ordentlich registriert zu haben. Zudem soll Reisch eine Anweisung italienischer Behörden ignoriert haben, die Rettung von Migranten in Seenot der libyschen Küstenwache zu überlassen. Trotzdem steht für Reisch fest, dass die Rettungsaktionen fortgesetzt werden: "Wir werden jetzt ein neues Schiff kaufen und dann weitere Rettungsmissionen fahren." Das sei notwendig, weil es allein im Januar 200 gezählte Tote im Mittelmeer gab. Für ihre Arbeit sollen Reisch und sein Team am 7. April in Köln mit dem Lew-Kopelew-Preis für Frieden und Menschenrechte 2019 ausgezeichnet werden.

1.019 Menschen wurden bisher gerettet

Am Rande der Demo zog der Gründer und Vorsitzende von "Mission Lifeline", Axel Steier, eine Bilanz der bisherigen Rettungsmissionen: "Wir haben seit 2017 1.019 Menschen das Leben gerettet. Die meisten konnten wir bei unserer letzten Mission im Juni 2018 retten, das waren über 450", sagte Steier und kündigte die nächsten Schritte an: "Eines unserer Schiffe ist in Malta beschlagnahmt worden, die anderen beiden werden gerade vorbereitet. Es handelt sich dabei um zwei Jachten. Außerdem sind wir dabei, ein größeres Ersatzschiff zu besorgen."

Kostenanstieg von 400 auf 2.000 Euro

Die Kosten für die Rettung hätten sich zuletzt deutlich erhöht: "Während wir früher etwa 400 Euro pro gerettetem Menschen ausgegeben haben, sind es mittlerweile über 2.000." Als Grund nannte Steier, dass staatliche Stellen die Aktionen der Seenotretter behindern würden, weshalb der Verein mehr Geld für Rechtsanwälte, Zertifikate sowie eine umfangreichere Absicherung ausgeben müsste.

Demonstration Seenotretter in Dresden-Loschwitz
Auf der Demonstration wurde ein Transparent mit der Aufschrift "Save passage! Save havens!" gezeigt, das sich für die Rettung der Flüchtlinge auf dem offenen Meer ausspricht. Bildrechte: dpa

Quelle: MDR/sth/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 23.02.2019 | 19:00 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 24. Februar 2019, 12:29 Uhr

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