17.02.2020 | 21:50 Uhr | Update Tausende protestieren gegen Höcke und Pegida in Dresden

Aus Protest gegen die Pegida-Bewegung und den Thüringer AfD-Chef Höcke haben sich am Montagabend Tausende Menschen in Dresden versammelt. Auch auf Pegida-Seite gab es im Vergleich zu vergangenen Montagen mehr Zuspruch. Der lautstarke Protest der Gegenseite brachte die Pegida-Organisatoren mindestens aus dem Konzept. Es war der dritte große Demonstrationstag innerhalb weniger Tage, den Dresden erlebt hat.

Dresden: Gegendemonstranten halten Kerzen
Bildrechte: dpa

Aus Protest gegen die islam- und ausländerfeindliche Pegida-Bewegung und den Thüringer AfD-Chef Björn Höcke haben sich am Montagabend mehrere Tausend Menschen in Dresden versammelt.

Unter anderem hatte - erstmals - ein Bündnis von CDU, FDP und Sächsischer Bibliotheksgesellschaft zum Protest aufgerufen. Ihnen schlossen sich unter dem Motto "Demokratie braucht Rückgrat" eigenen Angaben zufolge rund 2.500 Menschen an. Der sächsische CDU-Generalsekretär Alexander Dierks rief dazu auf, sich das Erbe von 1989/90 nicht umdeuten zu lassen. "Wir müssen jeden Tag deutlich machen: Wir leben in einem der besten Länder der Welt, die Mitte muss ihre Stimme erheben und zeigen, dass hier Hass und Hetze keinen Platz haben!"

Lautstarker Gegenprotest übertönte Pegida-Kundgebung

Auch mehrere linksgerichtete Gruppen um die Bündnisse "Hope" und "Dresden nazifrei" hatten zum lautstarken Protest aufgerufen. Die von den vergangenen Demonstrationen am 13. und 15. Februar etwas geschafft wirkenden Organisatoren waren von dem großen Zulauf zu ihrer Kundgebung offenbar selbst überrascht. "Wir sind überwältigt davon, wie viele Leute hier stehen. Normalerweise sind das 50 Menschen. Jetzt reicht der Platz nicht", sagte ein Sprecher von "Dresden nazifrei" im Gespräch mit MDR SACHSEN. Diese große Gruppe - die Bündnisse schätzen die Teilnehmer grob auf etwa 2.000 - schaffte es dann auch, die Pegida-Kundgebung massiv zu stören. Pegida-Frontmann Lutz Bachmann forderte die Gegendemonstranten auf, die Musik leiser zu drehen. Andernfalls würde Pegida die Versammlung auflösen und spontan an einem anderen Ort in der Stadt eine Kundgebung anmelden.

Bildergalerie Proteste gegen 200. Pegida-"Spaziergang" in Dresden

Insgesamt hatte die Polizei in Dresden auf dem Neumarkt am Montag drei Kundgebungen parallel abzusichern. Auf Absperrungen wurde verzichtet, so dass die Lager nur durch Reihen von Polizisten und Ordnern getrennt waren.

Dresden: Gegendemonstranten halten Kerzen
Gegendemonstranten halten Kerzen Bildrechte: dpa
Pegida-Demonstranten schwenken vor der Frauenkirche auf dem Dresdner Neumarkt Flaggen, während im Vordergrund Gegendemonstranten stehen
Pegida und Gegendemonstranten stehen sich dicht gegenüber Bildrechte: dpa
Proteste gegen Pegida in Dresden
Viele Teilnehmer zünden Kerzen an, um gegen den Rechtsruck ein Zeichen zu setzen Bildrechte: Tino Plunert
Björn Höcke bei Pegida in Dresden
Björn Höcke als Zugpferd beim 200. Pegida-"Spaziergang" Bildrechte: Tino Plunert
Proteste anlässlich des 200. Spaziergangs von Pegida
Plakate bei Pegida Bildrechte: xcitePRESS
Proteste anlässlich des 200. Spaziergangs von Pegida
Plakate bei den Gegendemonstranten Bildrechte: xcitePRESS
Dresden: Gegendemonstranten halten Kerzen
Gegendemonstranten halten Kerzen Bildrechte: dpa
Proteste gegen Pegida in Dresden
Auch die Mitglieder vom Ostritzer Friedensfest sind in Dresden Bildrechte: Tino Plunert
Lutz Bachmann, Pegida-Anführer, spricht während einer Demonstration
Lutz Bachmann spricht von der "rotfaschistischen Einheitsfront" unter anderem aus SPD, CDU und Grünen Bildrechte: dpa
Björn Höcke, Fraktionsvorsitzender der AfD in Thüringen, spricht während einer Demonstration
Er wirft Bundeskanzlerin Merkel einen Putschversuch in Thüringen vor Bildrechte: dpa
Höcke bei Pegida
Höcke lobt Pegida - sie habe den "guten Teil" der deutschen Geschichte weitergeschrieben Bildrechte: xcitePRESS
Pegida-Demonstranten laufen vorbei
Pegida-"Spaziergang" am Fürstenzug Bildrechte: dpa
Proteste gegen Pegida in Dresden
Gegendemonstranten protestieren an der Strecke Bildrechte: xcitePRESS
Pegida Dresden
Blick auf die Pegida-Kundgebung Bildrechte: Benjamin Jakob
Proteste anlässlich des 200. Spaziergangs von Pegida
Pegida vor der Frauenkirche Bildrechte: xcitePRESS
Demos Dresden - Pegida-Demo mit riesiger Deutschland-Fahne
Pegida vor der Frauenkirche Bildrechte: MDR/Benjamin Jakob
Proteste anlässlich des 200. Spaziergangs von Pegida
Pegida vor der Frauenkirche Bildrechte: xcitePRESS
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Höcke wirft Merkel Putschversuch vor

Dazu kam es dann nicht. Pegida, dieses Mal ebenfalls mit deutlich mehr Zulauf als sonst, setzte sich nach einer ersten Kundgebung zum rund 20-minütigen 200. "Spaziergang" in Bewegung. Schätzungen zufolge haben sich 4.000 Menschen versammelt. Kurz nach 20 Uhr betrat dann der Thüringer AfD-Landeschef Björn Höcke die Bühne. Nachdem bereits Lutz Bachmann die Vorgänge um die Wahl des Thüringer Ministerpräsidenten als "dreckigen Deal" bezeichnete, ging auch Höcke auf das Politbeben in Erfurt ein. Die Demokratie und die Volkssouveränität seien in Thüringen ausgehebelt worden. Bundeskanzlerin Angela Merkel warf er vor, in die Belange eines Bundeslandes eingegriffen zu haben. Er werte das als Putschversuch und habe Strafanzeige gegen Merkel gestellt. In seiner rund 30-minütigen Rede lud er die "wenigen Vernünftigen" in der CDU ein, sich in "der richtigen Partei" zu engagieren.

Es war der dritte große Demonstrationstag innerhalb weniger Tage, den Dresden erlebt hat. In der vergangenen Woche hatten die Gedenken zur Zerstörung der Stadt vor 75 Jahren und der Aufzug Rechtsextremer bereits Tausende Menschen auf die Straße gebracht.

Quelle: MDR/dk

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Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 17.02.2020 | 19:00 Uhr

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In Dresden gilt wie in vielen anderen Städten auch eine Maskenpflicht für bestimmte Teile der Innenstadt. Die Einhaltung der Maskenpflicht wird hier von Polizei und Ordnungsamt kontrolliert. Bildrechte: imago images / xcitepress