Großer Polizeieinsatz Proteste gegen Neonazi-Aufmarsch in Dresden

Zwei Tage nach den offiziellen Gedenkfeiern zur Zerstörung Dresdens sind am Freitag rund hunderte Rechtsextreme mit einem sogenannten Trauermarsch durch die Stadt gezogen. Dem stellten sich zahlreiche Demonstranten gegenüber. 1.200 Polizisten sicherten die Kundgebungen und Demonstrationen ab.

Bildergalerie Hunderte zu Protesten nach Dresden gekommen

In Dresden sind am Freitag rund 1.000 Rechtsextreme zu einem sogenannten Trauermarsch angereist. Es gab heftige Gegenproteste.

Dresden nazifrei demonstriert gegen Aufzug von Rechtsextremen in Dresden am 15.2.2019
Hunderte Menschen waren dem Aufruf von "Dresden nazifrei" gefolgt und haben sich zum Gegenprotest versammelt. Bildrechte: xcitePRESS
Dresden nazifrei demonstriert gegen Aufzug von Rechtsextremen in Dresden am 15.2.2019
Hunderte Menschen waren dem Aufruf von "Dresden nazifrei" gefolgt und haben sich zum Gegenprotest versammelt. Bildrechte: xcitePRESS
Dresden nazifrei demonstriert gegen Aufzug von Rechtsextremen in Dresden am 15.2.2019
Am Ende waren es rund 1.000 Gegendemonstranten. Bildrechte: xcitePRESS
Dresden nazifrei demonstriert gegen Aufzug von Rechtsextremen in Dresden am 15.2.2019
Die Gegendemonstranten zogen durch die Dresdner Innenstadt. Bildrechte: xcitePRESS
Dresden nazifrei demonstriert gegen Aufzug von Rechtsextremen in Dresden am 15.2.2019
Immer wieder bildeten sie Blockaden. Bildrechte: xcitePRESS
Rechtsextreme demonstrieren in Dresden am 15.2.2019
Polizisten ging mehrfach dazwischen. Zum Großaufgebot der Polizei gehörten Beamte aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Insgesamt waren 1.200 Polizisten im Einsatz. Bildrechte: xcitePRESS
Rechtsextreme demonstrieren in Dresden am 15.2.2019
Der NPD-Stadtbezirksbeirat Maik Müller hatte den sogenannten Trauermarsch angemeldet. Bildrechte: xcitePRESS
Rechtsextreme demonstrieren in Dresden am 15.2.2019
Rund 1.000 Rechtsextreme zogen durch die Straßen. Bildrechte: xcitePRESS
Rechtsextreme demonstrieren in Dresden am 15.2.2019
Gegendemonstranten versuchten immer wieder, die Aufzugstrecke zu blockieren. Bildrechte: xcitePRESS
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Rund 1.000 Menschen haben nach dpa-Angaben am Freitagabend lautstark gegen einen Aufmarsch von etwa 1.000 Neonazis in der Dresdner Innenstadt protestiert. Andere Beobachter sprechen von maximal 650 Rechtsextremen. Die Polizei nannte keine Teilnehmerzahlen.

Es gab mehrere Sitzblockaden, um den angemeldeten Zug der Rechten zu stoppen. Am Rande davon kam es immer wieder zu Rangeleien, Polizisten gingen dabei rigoros gegen Demonstranten vor und trugen sie von der Straße. Laut Polizei versuchten gegen 18.45 Uhr etwa 40 Personen, in Richtung des Sammelplatzes der Rechtsextremen an der Lingnerallee durchzudringen. Einsätzkräfte der Polizei hätten die Gruppe gestoppt. Auf dem Külz-Ring hatten Demonstranten aus dem linken Lager eine Sitzblockade gebildet.

Polizeisprecher: "Es war ein sehr dynamischer Einsatz"

Die Rechtsextremen liefen, wie jedes Jahr, in Erinnerung an die Zerstörung der Elbestadt durch alliierte Bomber im Februar 1945 in einem sogenannten Trauermarsch schweigend zu klassischer Musik am Rande der City entlang - in Sicht- und Hörweite begleitet von lauter Popmusik, Sprechchören und Trillerpfiffen der Gegendemonstranten. Am Wiener Platz stellte die Polizei einen 45-Jährigen, der ein Hakenkreuz zeigte. Gegen ihn wurde ein Ermittlungsverfahren wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen eingeleitet.

Das Bündnis "Dresden nazifrei" und ein Verbund der bürgerlichen Mitte aus Stadt, Kirchen, Kultur, Wirtschaft und Wissenschaft hatte dazu aufgerufen, "Gesicht zu zeigen". Die Polizei war mit einem Großaufgebot unterwegs, ein Hubschrauber überwachte das Geschehen aus der Luft. Sie trennte die Lager konsequent. 15 Menschen wurden nach Angaben der Polizei vorläufig in Gewahrsam genommen und ein Verstoß wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, ein Landfriedensbruch, ein Körperverletzungsdelikt sowie mehrere Verstöße gegen das Versammlungsgesetz festgestellt.

Am Ende ist genau das eingetreten, was wir vorher prognostiziert haben. Dass es tatsächlich ein anderer, ein hektischerer Tag wird als der vergangene Mittwoch. Es gab immer wieder Versuche von Gegendemonstranten, sich auf die Route zu setzen, immer in Größenordnungen von 20 bis 40 Mann. Der Aufzug der Rechten selber konnte aber immer weiter laufen. Auseinandersetzungen zwischen beiden Lagern gab es nicht. Es war ein sehr dynamischer Einsatz. Die Polizei musste auch mehrfach Personalien feststellen.

Thomas Geithner Polizeisprecher Dresden

"Gemeinsam gegen braune Scheisze" mahnte ein Transparent, das junge Leute an einer provisorischen Wasserleitung über der Straße unweit des Altmarkts angebracht hatten. Auch wenn die Aufmärsche der Neonazis in jüngerer Vergangenheit deutlich weniger Zulauf hatten als noch vor zehn Jahren, bleibt der Missbrauch des Dresdner Gedenkens durch Rechtsextreme für die Stadt ein großes Ärgernis und Problem.

Journalisten behindert - Kritik an Polizei

Die Polizei reagierte auf Kritik, die Arbeit von Journalisten eingeschränkt zu haben und bat auf Twitter unter @PolizeiSachsen um entsprechendes Material, "damit wir die Situation auswerten können". Beschwerden hatte es unter anderem von der "Sächsischen Zeitung" gegeben. Der Grünen-Landtagsabgeordnete Valentin Lippmann forderte eine umfassende Aufklärung der Vorwürfe. SPD-Generalsekretär Henning Homann twitterte, bei der Vielzahl der Vorwürfe sei eine Klärung durch das Innenministerium erforderlich.

Polizeisprecher Thomas Geithner sagte MDR SACHSEN: "Unserer Position als Dresdner Polizei ist ganz klar, dass wir Einschränkung der Pressefreiheit nicht tolerieren, nicht können und nicht wollen. Sicherlich sind solche konfrontativen Versammlungslagen immer mit Hektik verbunden und sicherlich kann man auch nicht immer sofort entscheiden, ist das ein Versammlungsteilnehmer, ist das ein Journalist oder ein Gegendemonstrant. Aber unterm Strich darf es nicht zum Nachteil des Journalisten sein. Deswegen werden wir das nachbereiten. Wenn sich Kollegen falsch verhalten haben, werden wir das mit ihnen besprechen und auswerten."

Bei den offiziellen Gedenkfeiern am Mittwoch hatten rund 11.500 Teilnehmer eine Menschenkette um die City gebildet - als eine Art Schutzring vor den Ewiggestrigen. Mehrere Redner hatten die Umtriebe Rechtsextremer an diesem Tag und die Relativierung der NS-Verbrechen angeprangert.

Quelle: MDR/dk/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 15.02.2019 | ab 21:00 Uhr in den Nachrichten

AKTUELLES AUS SACHSEN

Zuletzt aktualisiert: 16. Februar 2019, 11:41 Uhr

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78 Kommentare

18.02.2019 11:14 Freiheit 78

18.02.2019 09:36 Hausmeister Krause--- An diesem Kommentar ist wieder sehr deutlich die Intoleranz der Toleranzeinforderer zu erkennen!

18.02.2019 09:36 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch" 77

@ "gedankliche Freiheit":
Es bleibt der verstörende Eindruck, daß es "denen" nicht um ruhiges, sinnliches Erinnern geht, sondern nur um die damit verbundene Provokation - denn sonst würde man ja "ruhig und sinnlich" gedenken und nicht ständig den gesellschaftlichen Konsens über die Schuld des verbrecherischen NS-Regimes an dem Krieg und somit auch an den Dresdner Opfern provokant leugnen.

Das "Stören" dieser 'schlecht maskierten Inszenierung selbstbeweihräuchernder Ignoranz', das man durchaus als 'unangenehmes Verhalten' verklären könnte, ist dann nur noch der 'Fliegenschiß, der diese Jauchegrube zum Überlaufen brachte'.

Wer für sich beansprucht, geschichtsverfälschenden Revisionismus "äußern" zu dürfen, sollte sich nicht zusätzlich lächerlich machen, indem er Kritik an dieser "Meinungsäußerung" unterdrückt...

18.02.2019 09:28 Freiheit 76

18.02.2019 09:06 Fakt---Ich spreche aber explizit vom 13. Februar und "Der Beobachter" untestellt mit seinem Text pauschal alle wären Rechts die in Dresden trauern 》"auch Rechte dürfen trauern."《
Was ist denn eine offizielle Gedenkfeier? Darf man dann nicht auf dem einzigen in der Innenstadt befindlichen "Denkmal" Blumen ablegen und der Opfer gedenken? Ist man dann Rechts, oder wie ist das zu verstehen?

18.02.2019 09:06 Fakt 75

>>Freiheit, #74'
"Warum bin ich als Nachkomme von Opfern des 13.Februar Rechts, wenn ich an diesen Tag der Opfer Gedenke?"<<

Ich denke, niemand wird behaupten, dass diejenigen, die am 13. Februar an der offiziellen Gedenkfeier teilgenommen hat, zum rechten Spektrum gehören.
Diejenigen, die am 15. Februar am Aufmarsch der Rechten teilgenommen haben, und darum geht es im Artikel, müssen es sich schon gefallen lassen, dass sie den Rechten zugeordnet werden.

18.02.2019 07:16 Freiheit 74

17.02.2019 16:22 DER Beobachter "Ich würde Ihnen recht geben, auch Rechte dürfen trauern. Aber es verbietet sich (und am unmittelbaren 13.2. eigentlich auch unser sächsisches Versammlungsrecht im Zentrum) das Datum zu missbrauchen und politisch zu instrumentalisieren durch die Verbreitung von Hetze und Lügen."

1. Warum bin ich als Nachkomme von Opfern des 13.Februar Rechts, wenn ich an diesen Tag der Opfer Gedenke?
2. Auf welche Art instrumentalisiere ich, verbreite Hetze und Lügen, wenn ich zum Gedenken eine Kerze anzünde und Blumen niederlege?
3. Wo steht im säch.Versammlungsgesetz ein diesbezügliches Verbot?

17.02.2019 20:24 Freiheit 73

17.02.2019 16:22 DER Beobachter & MDR

Ich persönlich musste gg. 19:00 Uhr verschiedenste Sprechchöre, die ich hier nicht alle wiedergeben möchte, und sehr laute "Musik" vernehmen! Ist so etwas für den Beobachter an so einem Tag ok? Wenn ja, dann ist das sehr bedenklich!
Ich habe sehr viele Menschen an diesem Abend gesprochen, die sich über diesen Aufzug empört zeigten! Ich kann nur sagen, daß dieses Verhalten die Opfer verhöhnt und einfach nur widerlich ist. Lasst die Menschen in Ruhe Gedenken! Mit diesem, euren Verhalten erreicht ihr max. das Gegenteil von dem, was ihr euch vorstellt!

Danke MDR für das Veröffentlichen.

17.02.2019 20:20 Freiheit 72

17.02.2019 16:22 DER Beobachter & MDR
"Dass während (!) des Geläutes am 13.2. Feuerwerk gezündet wurde, ist schlichtweg falsch. Auch die linken Gegenreden und Musik wurden da eingestellt."
In einem am Mittwoch Abend oder Donnerstag eingestellten Video (Länge ca. 52 Minuten) sind während des Glockenläutens ab 21:45 deutlich Feuerwerkskörper und Rufe wie Halts M..l, Eure scheiß Blumem...zu hören. In einem etwa 2 Minütigen Video ist während des Glockenläutens ab 21:45 zu hören, wie das Geheule fallender Bomben immitiert wurde. Im Prinzip bestätigen Sie ja das Geschehen, feilschen nur um den Zeitpunkt!

17.02.2019 19:23 aus Dresden 71

@68
"@Freiheit 60. Da legt sich aber eines ins Zeug, die Völkischen Ansichten weiterhin gesellschaftsfähig zu halten."
Die Trauer und das öffentliche Gedenken an die Toten der Bombardierung ist eine Frage des Anstands gegenüber den Toten des Zweiten Weltkrieges, nach Wikipedia ca. 65 Millionen, davon ca. 40 Millionen Ziviilsten.
Das Gedenken an das Bombardement Dresdens und die Opfer des Zweiten Weltkrieges ist Teil der Dresdener Erinnerungskultur. Diese Erinnerung verbindet Dresden mit vielen seiner Partnerstädte: St. Petersburg, Coventry, Rotterdam und Hamburg.
Angriffe auf Städte waren kriegsrechtlich verboten (Art. 25 Hager Landkriegsordnung).

17.02.2019 16:22 DER Beobachter @ Freiheit + Udo K. 70

Ich würde Ihnen recht geben, auch Rechte dürfen trauern. Aber es verbietet sich (und am unmittelbaren 13.2. eigentlich auch unser sächsisches Versammlungsrecht im Zentrum) das Datum zu missbrauchen und politisch zu instrumentalisieren durch die Verbreitung von Hetze und Lügen. Dresden hat in den 53 Jahren nach der Bombardierung genau 2 Jahre ohne politischen Missbrauch der Opfer erlebt: 1990 und 1991. Freiheit: bitte nennen Sie den genauen Youtube-Titel bzw. den Titelcode. Die Journalisten behinderten in den drei Videos, die ich kenne, nicht (!) die Arbeit der Polizei. Dass während (!) des Geläutes am 13.2. Feuerwerk gezündet wurde, ist schlichtweg falsch. Auch die linken Gegenreden und Musik wurden da eingestellt. Hingegen sind deutlich zu hören die Gewaltphantasien von Anhängern der AfD-Kundgebung während des Läutens...

[Liebe Nutzer,
auch wir konnten keine nachprüfbaren Belege für die Aussagen finden, dass Journalisten die Polizei behindert hätten oder es Störungen des Glockengeläuts gab. Für "Gewaltphantasien von Anhängern der AfD-Kundgebung" liegen uns allerdings ebenso keine Belege vor. Vielleicht können wir uns einigen, Tatsachenbehauptungen mit Quellenangaben zu belegen oder als Augenzeugenberichte kenntlich zu machen. Wir weisen Sie auch darauf hin, dass es in dem Artikel um die Demonstrationen am 15.2. geht und nicht um die Gedenkveranstaltung am 13.2.

Desweiteren bitten wir alle von der Diskussion über Opferzahlen abzusehen.
"Wie viele Menschen [...] bei diesen Bombardements ums Leben kamen, war lange umstritten. Eine 2004 einberufene Expertenkommission kam auf bis zu 25.000 Tote.

In der Nazipropaganda war die Zahl der Opfer nach dem Bombardement mit bis zu 200.000 Toten angegeben worden. Diese Zahlen greifen heute rechtsextreme Gruppierungen auf, um die Luftangriffe als "Kriegsverbrechen" einzustufen und die deutsche Schuld am Zweiten Weltkrieg zu relativieren. Dabei gingen damals selbst die Dresdener Behörden nach der Bergung der Leichen von 18.000 bis 25.000 Opfern aus." (siehe: https://www.mdr.de/sachsen/bombardierung-dresden100.html).

Dies ist jedoch nicht Thema des Artikels und verstößt gegen unsere Kommentarrichtlinien (http://www.mdr.de/service/kommentarrichtlinien100.html). Betroffene Kommentare werden von uns nicht mehr freigegeben.

Freundliche Grüße aus der MDR.de-Redaktion]

17.02.2019 14:39 Udo K 69

Warum meinen hier die Besserwisser, nur EINE Seite darf gedenken?
Weshalb darf nicht der vielen Toten (unabhängig von der tatsächlichen Zahl) auch von sogenannten Rechten gedacht werden?
Links - gedenkt, Rechts - marschiert auf und missbraucht?
Beide tun das gleiche, gewertet wird es aber genau entgegengesetzt, was für ein Scheinheiligkeit!
Wie kann man nur diese Opfer des wahnsinnigen Krieges so für seine Zwecke instrumentalisieren?

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