08.11.2019 | 15:25 Uhr Mutter nach Diabetes-Diagnose: "Das war ein Riesenschock"

In den Sommerferien bemerkt Isabelle Fabian, das mit ihrem neun Jahre alten Sohn etwas nicht stimmt: Er hat Bauchschmerzen, verliert sechs Kilo Gewicht und hat unendlichen Durst. Die Familie bricht den Urlaub ab und fährt zum Arzt. In der Klinik diagnostizieren die Ärzte Diabetes. Wie die fünfköpfige Familie damit im Alltag klarkommt, beschreibt die Dresdnerin im Gespräch mit MDR SACHSEN.

Eine Mutter umarmt ihren neun Jahre alten Sohn auf einem Felsen. Die beiden wandern in den Herbstferien 2019 durch die Sächsische Schweiz.
Konstantin (re.) und seine Mutter Isabelle Fabian wollen sich von der Diagnose Diabetes nicht unterkriegen lassen. Disziplin muss sein, aber Schokolade darf der Junge auch mal naschen, sagt die Dresdnerin. Bildrechte: MDR/Isabelle Fabian

Frage: Was war Ihr erster Gedanke, nachdem die Ärzte Diabetes feststellten?

Isabelle Fabian: Die Diabetes-Diagnose war ein Riesenschock. Ich dachte, dass das freie Leben für meinen Sohn vorbei ist und er wegen Diabetes mit angezogener Handbremse leben muss. Nach der Diagnose signalisierte mein Sohn mir aber, dass das für ihn nicht so schlimm ist. Da hab ich mir nicht getraut, vor ihm zu weinen, ehrlich gesagt.

Wie ging es danach weiter?

Dann mussten wir alles neu lernen übers Essen, über die Verdauung, wie der Körper funktioniert, was Blutzuckerwerte bedeuten und wie man richtig spritzt. Das fand alles stationär in der Klinik statt, wo auch wir Eltern geschult wurden. Mein Sohn hat sich von Anfang selbst gespritzt. Wir müssen Tagebuch führen und alles eintragen: Blutzuckerwerte, Essensmengen, Kohlenhydrat-Einheiten. Jedes Essen ist mit Vorbereitungen verbunden. Eine Diät muss unser Sohn nicht machen. Aber mir graut schon ein bisschen vor der Adventszeit, wenn so viele Leckereien locken.

Was ist besonders schwierig im Familienalltag?

Ein Blutstropfen aus einem Finger auf einem Teststreifen.
Bildrechte: Imago/Science Photo Library

Mein Sohn muss vor dem Essen genau wissen, was er essen will und wie viel ungefähr. Manchmal hat er dann schon gar keine Lust mehr aufs Essen. Vor jeder Mahlzeit muss der Blutwert getestet werden mit einem Piks, dann sind die Werte einzutragen und die Speisen abzumessen. Es dauert oft, bis die ganze Familie essen kann. Die Kleinste ist zwei Jahre alt und wird dann schon mal ungeduldig. In der Schule hilft ein Pflegedienst beim Ausrechnen vor dem Mittagessen. Der große Bruder (15) hilft Konstantin in den Ferien bei den Essensvorbereitungen.

Morgens und abends bekommt Konstantin zusätzlich eine Langzeitinsulinspritze ins Bein als Basis für den Tag und die Nacht. Tagesausflüge müssen wir Eltern viel intensiver planen als früher und immer alle Medikamente mitnehmen. Wichtig ist auch, genügend Traubenzucker bereit zu haben. Den dürfen die Geschwister aber nicht wegfuttern (lacht).

Seit der Diagnose im Sommer sind einige Monate vergangen. Wie denken Sie heute über Diabetes?

Wir lernen jeden Tag hinzu. Bald wollen Konstantin und ich zu einer Reha-Kur fahren und dort noch mehr lernen. Man muss immer diszipliniert sein. Wir tauschen uns mit anderen betroffenen Familien aus und bekommen dadurch viele Tipps. Gemüse, Käsesticks oder Nüsse in Maßen lassen den Blutzucker nicht so schnell steigen. Deshalb haben wir jetzt immer viele Gemüsevorräte im Kühlschrank. Jeden Tag bereite ich Konstantin eine Naschbox vor, aus der er essen kann, ohne sich gleich spritzen zu müssen.

Was raten Sie anderen Müttern und Vätern von Diabetes betroffenen Kindern?

Miteinander reden, wenn man betroffen ist. Das hilft. Es gibt viele Selbsthilfegruppen. Und ich rate Eltern, genau hinzusehen, wenn dem Kind öfter übel ist oder es erbrechen muss. Da wird oft an Magen-Darm gedacht. Unser Sohn hatte anfangs Bauchschmerzen. Das war der Beginn der Diabetes. Wer den Verdacht hat, dass bei seinem Kind etwas nicht stimmen könnte, sollte beim Kinderarzt nachfragen und unbedingt den Blutzucker messen lassen. Solche Messungen gibt es auch kostenfrei in der Apotheke. Ich finde, es müsste viel mehr über Diabetes 1 bei Kindern aufgeklärt werden.

Was passiert bei Diabetes-Typ1 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Quelle: MDR/kk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 08.11.2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. November 2019, 15:25 Uhr

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