09.02.2020 | 19:59 Uhr Syrische Bildungsaktivistin mit Dresdner Friedenspreis geehrt

Die Syrerin Lina Abdalah überreicht in der Semperoper in Dresden der Syrerin Muzoon Almellehan den 11. Internationalen Friedenspreis.
Die Syrerin Lina Abdalah (l.) überreicht in der Semperoper in Dresden der Syrerin Muzoon Almellehan den 11. Internationalen Friedenspreis. Bildrechte: dpa

Die Syrerin Muzoon Almellehan hat für ihren Einsatz für Bildung für Kinder in Krisengebieten den mit 10.000 Euro dotierten Internationalen "Dresden-Preis" erhalten. Die Auszeichnung der Organisation Friends of Dresden wurde ihr am Sonntag in der Dresdner Semperoper verliehen.

"Sie ist ein Vorbild dafür, wie man in einer scheinbar hoffnungslosen Situation sein Leben zurückholen kann, und das von anderen auch", sagte Vorjahrespreisträgerin Kim Phuc Phan Thi, die als "Napalm Girl" auf einem Foto aus dem Vietnamkrieg bekannt wurde, als Laudatorin. Almellehan habe schon als Kind erkannt, dass Bildung ein Zukunftsthema ist. "Bildung ist die Grundlage für alles im Leben und Wissen das Beste gegen Hass und damit gegen Kriege."

Aufbauarbeit im Flüchtlingslager

Die Syrerin Muzoon Almellehan spricht in der Semperoper.
Almellehan appellierte an die Weltgemeinschaft, Kriege und Konflikte zu vermeiden. Bildrechte: dpa

Muzoon Almellehan sagte auf der Preisverleihung in Dresden, Bildung sei für Jeden wichtig. "Sie ist wichtig für alle, überall, egal welche Nationalität und welches Alter", so die 21-Jährige. Die in Großbritannien lebende Studentin der Internationalen Politik engagiert sich weltweit und fordert mehr Investitionen in Bildung. "Sie muss absolute Priorität haben." Es gehe um die Schulen, aber auch um qualifizierte Lehrer "und mindestens zwölf Jahre Schulzeit für Alle".

Almellehan appellierte an die Weltgemeinschaft, Kriege und Konflikte zu vermeiden. "Damit Kinder in Frieden lernen können, überall auf der Welt." Almellehan entdecke mit 14 Jahren, dass Bildung ihre Lebensaufgabe ist. "Es kommt ganz tief aus meinem Herzen, dass Erziehung ein sehr wichtiger Teil des Lebens ist." Etwas für die Gesellschaft zu tun, liege in ihrer Familie.

"Als wir aus unserem Zuhause flüchten mussten, hatte ich Angst, nicht mehr zur Schule gehen zu können", erinnerte sie sich. Aber sie konnte es auch im Flüchtlingslager in Jordanien. Es habe sie jedoch schockiert, dass das für andere Mädchen dort angesichts der Hoffnungslosigkeit nicht erstrebenswert war. "Ich wollte sie ermutigen, zu lernen." Sie überzeugte Eltern und Kinder im Lager, wie wichtig Schule ist. "Wenn man Bildung hat, kann einem das niemand mehr nehmen."

Sonderpreis für Kinderorchester "Musaik" in Dresden-Prohlis

Dresden-Preis
In diesem Jahr wurde eine neue Preisskulptur geschaffen. Der Dresdner Künstler Thomas Onißeit hatte die Idee, den Splitter eines gesprengten Blindgängers in Acrylglas eingießen zu lassen. Bildrechte: Christine Starke/Thomas Onißeit

Almellehan sei ein Symbol dafür, dass "jeder seinen Beitrag zum Frieden leisten kann, auch wenn er machtlos erscheint", begründete die Klaus Tschira Stiftung als Preisstifterin ihre Wahl.

Der "Dresden-Preis" wird an Persönlichkeiten verliehen, die sich im besonderen Maße um Frieden und Völkerverständigung verdient gemacht haben. Bisherige Preisträger sind unter anderen der frühere sowjetische Präsident Michail Gorbatschow, Pianist und Dirigent Daniel Barenboim und Kriegsfotograf James Nachtwey.

Ein mit 5.000 Euro dotierter Sonderpreis ging an das soziale Dresdner Musikprojekt "Musaik". Seit zwei Jahren musizierten dort etwa 80 Kinder im Alter von 7 bis 14 Jahren miteinander und bekommen so eine Bildungschance. Etwa die Hälfte der jungen Musiker hat einen Migrationshintergrund, die meisten kommen den Angaben zufolge aus Syrien.

Quelle: MDR/dk/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 09.02.2020 | 19:00 Uhr

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