Desiro-Triebwagen der Städtebahn Sachsen
Wieder klemmt es auf den Strecken der ehemaligen Städtebahn Sachsen rund um Dresden. Bildrechte: MDR/L. Müller

21.10.2019 | 11:28 Uhr | Update Dieselnetz Dresden: Wieder Einschränkungen auf früheren Städtebahn-Strecken

Desiro-Triebwagen der Städtebahn Sachsen
Wieder klemmt es auf den Strecken der ehemaligen Städtebahn Sachsen rund um Dresden. Bildrechte: MDR/L. Müller

Auf den ehemaligen Strecken der Städtebahn kommt es ab Montag erneut zu Verkehrseinschränkungen. Auf der Verbindung Dresden - Königsbrück verkehren nach Angaben des Verkehrsverbundes Oberelbe (VVO) Ersatzbusse im Stundentakt von und nach Dresden-Klotzsche. Dort besteht Bahnanschluss. Auf der Strecke Heidenau - Altenberg fahren die Züge mit nur einem Treibwagen. Dadurch stehen Pendlern weniger Plätze zur Verfügung. Ausschließlich Ersatzbusse verkehren auch weiterhin auf der Strecke Pirna - Sebnitz über Neustadt. Der Verkehr von und nach Kamenz läuft nach Fahrplan mit Zügen.

Wartungsstau und Fahrzeugmangel

Der Konzern Transdev Ost, der unter der Marke Mitteldeutsche Regiobahn fährt, hat am 1. Oktober nach Notvergabe den Verkehr der insolventen Städtebahn Sachsen übernommen. Derzeit können jedoch nicht alle benötigen Triebwagen eingesetzt werden. Laut VVO hänge dies mit der Pleite des vorhergehenden Betreibers zusammen. Man habe mit einem Wartungsstau bei den Fahrzeugen und einem Mangel an Ersatzteilen zu kämpfen, hieß es zur Begründung.

Noch im August hatte die Städtebahn mitgeteilt, dass der Servicebetrieb STS Städtebahn Service GmbH als eigenständiges Unternehmen nicht von der Insolvenz betroffen sei. Die Mitarbeiter in der Werkstatt in Laußnitz bei Königsbrück würden weiterhin Eisenbahnfahrzeuge auch für andere Unternehmen warten und reparieren. Zudem gebe es mobile Wartungsteams. In der Servicefirma würden auch zahlreiche Ersatzteile für die Triebwagen, die nicht mehr hergestellt werden, vorgehalten. Geschäftsführer Thomas Sewerin kündigte damals an, diese sowie Reparturdienstleistungen auch Nachfolgeunternehmen auf dem bisherigen Städtebahn-Netz anbieten zu wollen. Unterdessen bleiben die genauen Hintergründe für die Insolvenz der Städtebahn Sachsen weiterhin in der Öffentlichkeit unbekannt. Der VVO gibt an, die Städtebahn habe den Verkehr Ende Juli über Nacht völlig überraschend eingestellt. Die Städtebahn verwies jedoch auf vorherige Gespräche mit dem Verkehrsverbund, in denen es um Probleme mit dem Leasinggeber der Triebwagen gegangen sein soll.

VVO: Städtebahn-Werkstatt hat auch Betrieb eingestellt

Ein Sprecher des Verkehrsverbundes sagte auf Anfrage von MDR SACHSEN, der Servicebetrieb STS Städtebahn Service GmbH habe zwischenzeitlich den Werkstattbetrieb ebenfalls eingestellt. Alle Mitarbeiter seien befristet zur Deutschen Bahn nach Dresden gewechselt. Dort würden aktuell auch die von der Mitteldeutschen Regiobahn betriebenen ehemaligen Städtebahn-Triebwagen gewartet. Nebenbei müssen die Mitarbeiter aber auch noch DB-Triebwagen untersuchen und reparieren, die im Ringverkehr zwischen Sebnitz, Bad Schandau und Děčín fahren sowie die Triebwagen, die von der Länderbahn für die Strecke Dresden - Görlitz/Zittau von DB Regio angemietet sind (ehemalige Breslau-Züge).

Neuer Betreiber kein Unbekannter

Der neue Betreiber Transdev Ost ist in Sachsen nicht unbekannt. Das Unternehmen fährt zwischen Chemnitz und Leipzig, zwischen Dresden und Hof, zwischen Chemnitz und Elsterwerda sowie zwischen Leipzig und Döbeln. Auf allen Strecken gab es in den vergangenen Jahren aus unterschiedlichen Gründen Probleme mit dem Zugverkehr. Fehlende und defekte Fahrzeuge führten wiederholt zu Zugausfällen und haben Pendler und Reisende auf harte Proben gestellt.

Das Unternehmen war seit 2002 zuerst unter der Marke "Connex Sachsen" mit der "Lausitzbahn" und später als "Veolia Verkehr" aktiv. Es gehört zur französischen Transdev-Gruppe.

Quelle: MDR/lam

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 21.10.2019 | 05:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus Dresden

Zuletzt aktualisiert: 21. Oktober 2019, 11:30 Uhr

3 Kommentare

Dynamo vor 3 Wochen

Dem Kommentar von Hugo kann ich mich nur anschließen. Als es vor Jahren als einzigstes Unternehmen auf der Schiene die "Deutsche Reichsbahn" gab, hat auch die Fahrerei mit entsprechender Pünktlichkeit bis auf wenige Ausnahmen funktioniert. Heute gibt es zig Bahnunternehmen, jede natürlich mit eigenem Vorstand und Verwaltung usw.. Da sind auch die jährlichen Fahrpreiserhöhungen nachvollziehbar. Was aber im Gegensatz zu früher nicht mehr funktioniert, sind die Aufrechterhaltung von bestimmten Strecken, Bahnhöfe sind nicht mehr als Bahnhöfe erkennbar. Wenn man z.B. von Auskunft der DB gesagt bekommt
, eine Zugverbindung Stolpen - Dresden am Sonnabend Abend gibt es nicht, da kommt man sich wie im falschen Film vor. Es gibt noch eine Busverbindung, die letzte zeitlich gegen 20:30 Uhr. Da kann ich nur sagen, dass ist Deutschland im Jahre 2019, jenes Deutschland, wo die Oberen sagen, "Deutschland ist eines der reichsten Länder der Welt". Hallo, MDR, bitte nicht vergessen, zu veröffentlichen.

J.Heder vor 3 Wochen

Irgendwie kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, daß hier einige mächtige Dilettanten am Werk sind.... und scheinbar fängt das beim VVO an und geht beim Transdev und der DB Regio GmbH weiter.
Wie will man mit solchen "Aktionen" die täglich auf einen FUNKTIONIERENDEN Verkehr angewiesenen Reisenden zum Umstieg auf den ÖPNV bewegen????
Der "Fisch fängt immer am Kopf zuerst mit stinken an"! Welcher "Manager" ist hier für die Ersatzteilbeschaffung und BEVORRATUNG verantwortlich?
Entweder haftet der mit seinem überdimensionierten Gehalt persönlich für seine Fehler oder gehört fristlos entlassen!
Soviel Dilettantismus auf einen Haufen kann es eigentlich gar nicht geben.
Wie kann ich davon ausgehen, daß die Werkstatt einer gerade Pleite gegangenen Firma noch arbeitet und deren Mitarbeiter den Verlust von Gehalt und Jobs in der heutigen Zeit akzeptieren und auf "Sankt Nimmerlein" warten? Das sind Spezialisten die fast mit Gold aufgewogen werden..... das schauen die sich maximal 2 Monate an

Hugo vor 3 Wochen

Früher, als die Bäume noch aus Holz waren, gab es EINE Bahngesellschaft, die Deutsche Reichsbahn. Diese fuhr auf allen Strecken in Deutschland mit ihren Fahrzeugen. Heute kann jeder Verein mit seiner Rumpelbude auf den Strecken fahren oder nicht. Was für ein Fortschritt.

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