Eklat Videos mit Szenen aus NS-Zeit: 15-Jähriger aus Kreuzchor entlassen

Adventskonzert des Dresdner Kreuzchores im Dresdner Stadion
Adventskonzert des Dresdner Kreuzchores im Dresdner Stadion (Archivbild) Bildrechte: MDR/Christian Essler

Ein 15 Jahre alter Kruzianer ist wegen der Veröffentlichung von Videos mit Szenen aus der NS-Zeit aus dem Dresdner Kreuzchor ausgeschlossen worden. Der Zehntklässler soll nach Angaben des Chors bei der Internetplattform Youtube Filme eingestellt haben, die den Chor mit dem Nationalsozialismus in Verbindung bringen und Gewaltfantasien beinhalten. Die Videos seien gut ein Jahr unbemerkt verfügbar gewesen, inzwischen aber gelöscht worden. Die Leitung des renommierten Knabenchors hat den Vorfall am Montag öffentlich gemacht, um das Ansehen des Chors nicht zu beschädigen.

Verstörende Filmausschnitte inzwischen gelöscht

Auch Mitschüler seien darin gemobbt worden. Bekanntgeworden seien die von dem Jugendlichen selbst geschnittenen Filme vor gut einer Woche im Rahmen einer Sitzung mit Elternvertretern. Vorlage war zumeist die Dokusoap "Engel, Bengel und Musik", wo das Leben der Kruzianer ausführlich beschrieben wurde. Unter anderem seien in den daraus entstandenen Filmchen des Schülers NS-Aufmärsche zu sehen, in einer Sequenz werde die Kreuzkirche gesprengt. Kantor Roderich Kreile sagte MDR SACHSEN: "Hier hat ein Junge, mit dem wir Gespräche darüber geführt haben, in einer nicht zu entschuldigenden naiven Ahnungslosigkeit Dinge gemacht. Aber auch Klassenkameraden bremsten ihn nicht dabei, fanden das vergnüglich."

Der Chor kündigte Medienberichten zufolge an, dass für das ehemaligen Mitglied eine Rückkehr unter Auflagen möglich sei. Zuletzt gehörte der Jugendliche wegen seines Stimmbruchs nicht zu den aktiven Sängern. Der Fall liegt nun auch bei der Stadt Dresden, die Träger des Chors ist.

Quelle: MDR/lam/epd

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 19.10.2020 | 20:45 Uhr in "Aufgefallen - Das sächsische Kulturmagazin"

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